Fintus-Gründer Benjamin Hermanns will mit seinem Startup in Europa expandieren. (Bild: PR)

Fintus übernimmt Finstreet

Exklusiv: Der Finanz-Software-Anbieter Fintus kauft das Fintech-Startup Finstreet aus Münster. Zusammen entsteht eine Firma mit einem Umsatz von 15 bis 20 Millionen Euro. Für Fintus soll es nicht der letzte Zukauf gewesen sein.

Er gehörte zu wichtigen Deals 2021, der aber wenig Beachtung bekam. Der Private-Equity-Fonds Anacap beteiligte sich an dem Frankfurter Unternehmen Fintus. Der Hidden Champion entwickelt Software für Banken, die mit wenig Programmierung auskommen. Low Code nennt sich das Verfahren und zählt zu den großen Trends der vergangenen Jahre. Laut Marktinformationen gehört auch die Deutsche Bank zu den Kunden von Fintus.

Als Teil der Anacap-Übernahme erhielt Fintus-Gründer Benjamin Hermanns eine Kriegskasse, um Unternehmen zu übernehmen – und so schneller zu wachsen. Einen ersten Vollzug kann er nun vermelden: Fintus kauft das Fintech-Startup Finstreet aus Münster, das Software-Produkte für Banken entwickelt. Es entsteht eine neue Firma mit insgesamt rund 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Beide Firmen hatten zuvor eine ähnlich große Belegschaft. Zusammen kommen die beiden Unternehmen für das Jahr 2022 auf einen Jahresumsatz zwischen 15 bis 20 Millionen Euro, heißt es aus Finanzkreisen, beide Firmen seien außerdem profitabel. Hermanns will die Zahlen nicht kommentieren.

Ein Konkurrent weniger

Mit einem geschluckten Wettbewerber soll sich nun das Wachstum beschleunigen. „Wir standen oft in Wettbewerb zueinander und haben uns um ähnliche Projekte beworben“, sagt Hermanns im Gespräch mit Finance Forward. Finstreet hat viele Geschäftskunden bei den genossenschaftlichen Banken, „Dialog Online“ und „Eco Banking zählen zu den wichtigen Produkten, die die Firma an Banken für das Onboarding, die Kreditvergaben und den Kundenservice vertreibt.

Fintus-Chef Hermanns will mit Fintus „einen One-Stop-Shop“ für Software-Lösungen für Finanzdienstleister und Banken aufbauen, dazu sei er weiter auf der Suche nach Technologie-Anbietern, die er übernehmen könne. Noch immer stehe ein substantieller Betrag aus Fremd- und Eigenkapital dafür zu Verfügung.

Erfolg für die Compeon-Gründer

Über den Preis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Nach Informationen von Finance Forward soll es sich um einen niedrigen zweistelligen Millionen-Betrag handeln. Wie Fintus hatte auch Finstreet vor der Übernahme keine großen Wagniskapitalinvestoren, sondern entwickelte sich organisch.

Neben dem Finstreet-Chef David Niedzielski, der an Bord bleibt, waren auch die drei Gründer der Finanzierungsplattform Compeon beteiligt. Für sie ist es ein Exit durch die Hintertür. Sie sind weiter bei Compeon als Geschäftsführer aktiv – seit der Gründung vor rund zehn Jahren. Die Ventures, die Finstreet einst aufgebaut haben, bleiben im Besitz der vier ehemaligen Finstreet-Gesellschafter.

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