Fintus-Gründer Benjamin Hermanns will mit seinem Startup in Europa expandieren. (Bild: PR)

Fintus – einem Hidden Champion gelingt der Millionen-Exit

Exklusiv: Der Private-Equity-Fonds Anacap schlägt wieder in der Fintech-Szene zu und kauft die Mehrheit des Frankfurter Finanz-Software-Anbieters Fintus. Ein neues Kapitel in einer bislang unbekannten Erfolgsgeschichte.

Dass der Markt aufgeheizt ist, merkte Benjamin Hermanns spätestens vor ein paar Monaten. Mit Fintus hat er in Frankfurt ein Fintech hochgezogen, dass Low-Code-Software für Banken anbietet. Sie können mit den Programmen von Hermanns beispielsweise Antragsstrecken für einen Immobilienkredit entwickeln, innerhalb von wenigen Wochen. Wer das Programm Excel beherrsche, der könne auch mit Fintus entwickeln, sagt der Gründer.

Es ist ein Thema, das die globale Investorenlandschaft zurzeit umtreibt. Die Startups in dem Segment erleben einen wahren Hype, genauso wie die sogenannten Software-as-a-Service-Anbieter (SaaS) allgemein. Fintus fällt in beide Kategorien. So kam es, dass vor einiger Zeit ein Investor anklopfte. „Nach einem ersten sehr attraktiven Angebot haben wir gezielt nach einem Private-Equity-Käufer gesucht“, sagt Hermanns.

Nächster Anacap-Deal

Der Gründer einigte sich schließlich mit einem umtriebigen Geldgeber: Anacap übernimmt die Mehrheit der Firma, Hermanns verkauft einen Teil seines Unternehmens und bleibt weiter an Bord. „Anacap ist in der Finanzbranche stark investiert, was unser Wachstum beschleunigen wird“, sagt Hermanns.

Der Deal zeigt ein weiteres Mal, dass Private-Equity-Investoren wie Anacap die Fintech-Szene verstärkt entdeckt haben. Der britische Investor kaufte sich kürzlich beim Identifizierungs-Startup Webid ein – und stieg auch beim Zahlungsdienstleister Unzer ein (früher Heidelpay), der dann von KKR gekauft wurde. Sicherlich eines der größtes europäischen Payment-Projekte.

Bei Fintus geht es um andere Dimensionen, die Bewertung dürfte im mittleren zweistelligen Millionen-Bereich liegen. Eine respektable Exit-Summe – besonders vor dem Hintergrund, dass Fintus nie große externe Geldgeber hatte. Hermanns gehörten vor dem Deal noch zwei Drittel der Firma, wie aus dem Handelsregister hervorgeht.

Wachstum ohne große Investorengelder

Ohne große Investorengelder wuchs die Firma über die Jahre. Der Gründer hat in der jüngeren Vergangenheit keine guten Erfahrungen mit Wagniskapitalgebern gemacht. „Ich kann die VCs nicht leiden, die vom nächsten Unicorn fantasieren, aber nie selbst ein Unternehmen aufgebaut haben“, sagt Hermanns.

In diesem Jahr ist Fintus auf dem Weg, den Umsatz zu verdreifachen, bei einer Ebitda-Marge von rund 40 Prozent. Das Startup entwickelte dabei die Technologie und der Vertrieb lief über prominente Beratungen wie Accenture und Bearingpoint. Fintus verdient an einer Software-Gebühr.

Rund 20 Banken gehören zu den Kunden von Fintus, darunter Grenke oder die Toyota Bank. Laut Markt-Informationen arbeitet auch die Deutsche Bank mit der Software des Fintechs. Hermanns will das nicht kommentieren.

Lehrreiche Jahre im Familienunternehmen

Er peilt nun den nächsten Wachstumsschritt mit Anacap an, ein zweistelliger Millionen-Betrag – eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital – steht nun bereit, um in Europa zu expandieren und Tech-Komponenten zuzukaufen. Das kleine Team von rund 45 Mitarbeitern soll sich Laufe des kommenden Jahres verdoppeln.

Der Fokus soll weiterhin auf den Banken liegen, dort kennt sich der Gründer aus. Er leitete einige Jahre das Familienunternehmen Gaa, ein Anbieter von Dokumentenmanagement. „In dem Familienbetrieb meiner Großmutter habe ich erleben dürfen, wie schlecht es um die Datenverarbeitung und Automatisierung der Banken bestellt ist“, sagt Hermanns. So hebt er sich auch von anderen gut finanzierten Anbietern ab, die zurzeit auf den Markt drängen.

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