Die beiden Finary-Gründer Mounir Laggoune und Julien Blancher (Bild: PR)

Y-Combinator und Speedinvest investieren: Finary kommt nach Deutschland

Exklusiv: Speedinvest investiert gemeinsam mit dem Y-Combinator und Business-Angels wie Bitpanda-CEO Eric Demuth acht Millionen Euro in das französische Fintech Finary. Jetzt kommt die Vermögensverwaltungssoftware auch nach Deutschland. 

Angefangen hat es mit Excel-Tabellen. Das war Mounir Laggoune und Julien Blancher aber schnell zu kompliziert, also sollte eine bessere Lösung her, um ihre Geldanlagen zu managen. Ein paar Startups hatten sich da schon daran versucht, derartige Daten für Nutzer zusammenzuführen.

So richtig habe das Angebot aber nie gepasst, sagt Laggoune. Das Problem: „Es gibt kaum Anbieter, die global viele verschiedene Assetklassen zusammenführen.“ Die meisten konzentrieren sich auf Aktien. Also haben sie 2020 in Paris Finary gegründet. Kurze Zeit später wurde es in den berühmten Y-Combinator aufgenommen, von Speedinvest gab es erstes Kapital. Der VC finanzierte bereits Finanz-Startups wie Holvi, Wefox oder Bitpanda.

Das Startup wuchs, für die 30.000 ersten Kunden fließen nach Angaben von Finary mehr als zehn Milliarden Euro in Assets über die Plattform. Jetzt soll es richtig losgehen, Investoren stecken acht weitere Millionen in das Unternehmen. Finary will unter anderem nach Deutschland expandieren, bis Ende des Jahres will es seine Kundenzahl verzehnfachen. Dabei ist die Kundenakquise in dem Segment gar nicht so einfach.

Wohlhabende Kunden, günstiges Preismodell

Glaubt man den Zahlen, dann haben Finary-Kunden derzeit im Schnitt 333.000 Euro an Assets. Es spricht also eine wohlhabendere Kundengruppe an. Sie können mit der App oder Webanwendung ihre Ersparnisse, Aktienanlagen, Hypotheken, Immobilien und Kryptowährungen verwalten. Außerdem sollen auch alle Konten von verschiedenen Banken und Finanzinstituten per API-Schnittstelle zusammengefasst werden.

Die Art der Kunden ist über die klassische Kundenakquisemethode von Endkunden-Fintechs – Werbeanzeigen auf Facebook, Instagram und Co. – nicht zu erreichen. Dessen ist sich Laggoune bewusst. Er setzt auf Mundpropaganda und will für seine Kunden eine Community aufbauen, sie in Online-Foren und auf Events zusammenbringen. „Wir haben bemerkt: Wenn wir in einer Stadt mehr vertreten sind, dann steigt unser Wachstum exponentiell“, sagt der Gründer. Das zeige: Produkte wie das von Finary werden gerne weiterempfohlen.

Um seine Kundengruppe noch enger an sich zu binden, soll in den kommenden Wochen ein Verkauf von Anteilen an Finary starten. Ab zehn Euro können Interessenten in einer Crowdfunding-Kampagne Teilhaber werden, zu den gleichen Konditionen der jüngsten Finanzierungsrunde. Zu welcher Bewertung das Fintech finanziert wurde – das will Laggoune noch nicht verraten.

Stutzig macht indes das Geschäftsmodell. Die meisten Kunden nutzen eine kostenlose Version der Anwendung, mit ihnen verdiene er kein Geld. „Wir sehen die kostenlos-Kunden als Akquise-Kanal für unser Subscriptionmodell.“ Hinzu kommt eine kleinere Gruppe an Premiumkunden, die pro Monat 15 Euro Gebühr bezahlen. Sie befinde sich „im zweistelligen Prozentbereich“, sagt der Gründer.

„Wir wollen kein Supermarkt für Anlageklassen werden“

Liegt der Anteil der Premium-Kunden beispielsweise bei 30 Prozent, dann kommt das Startup mit seinen 30.000 Kunden derzeit auf 150.000 Euro Umsatz. Dem gegenüber stehen Kundenaquisekosten, die weitaus höher als bei anderen Fintechs sein dürfte, denn mit Facebookanzeigen lässt sich die Zielgruppe offenbar nicht abspeisen. „Vom Y-Combinator hieß es auch, dass wir mindestens 100 Euro pro Monat nehmen sollten“, sagt Laggoune.

Premiumkunden bekommen eine Übersicht der Gebühren, die sie abtreten, bei Finary heißt das Tool „Fee-Scanner“. Besonders bei aktiv gemanagten Fonds sei vielen Anlegern nicht bewusst, wie viel sie extra bezahlen würden. „Dabei schlagen die meisten davon nichtmal einfache ETFs“, sagt Laggoune. Außerdem mache die App auf Grundlage der Kundendaten Vorschläge, wie das Geld kosteneffizienter angelegt werden könnte. Auf ein Affiliate-Programm will Finary dabei bewusst verzichten, zu schlecht sei der Ruf dieser Monetarisierungsform. „Wir wollen kein Supermarkt für Anlageklassen werden.“

Als nächsten Wachstumsschritt ist für dieses Jahr die Expansion nach Deutschland, Großbritannien und in die Schweiz geplantt, das Angebot wird derzeit übersetzt und angepasst. Das Team von derzeit zehn Personen soll auf 40 anwachsen.

Um richtig Geld zu verdienen muss Finary noch stark wachsen und möglicherweise an seinem Pricing-Modell schrauben. Eine bislang ungenutzte Chance ist zudem, die wohlhabende Kundengruppe für Deals mit exklusiven Fonds zusammenzuführen. Ein Beispiel davon liefert der digitale Vermögensverwalter Liqid, der seinen Kunden inzwischen Zugang zu Top-VCs aus dem Silicon Valley – beispielsweise Andreessen Horowitz oder Accel – ermöglicht (Finance Forward berichtete).

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