Der savedroid-Vorstand: Yassin Hankir (CEO), Tobias Zander (CTO) und Marco Trautmann (COO) mit Bürohündin Lila (v.li.)

Exklusiv: savedroid verärgert Investoren mit unangekündigten Gebühren

savedroid, das Frankfurter Krypto-Startup, hält seine Investoren weiterhin auf Trab. Nachdem man die Community zuletzt über Wochen daran hinderte, ihre Krypto-Anteile aus dem ICO in ihre eigenen Wallets zu transferieren, stellt das Team um CEO Yassin Hankir die Anleger vor die nächste Hürde und verlangt überraschenderweise Gebühren. Erste Nutzer drohen mit rechtlichen Schritten.

Kurz vor knapp hatte man es dann doch noch geschafft: Bis zum Ende des Monats wollte savedroid den zehntausenden Investoren aus dem ICO Anfang des Jahres eine neue App zur Verfügung stellen, mit der sie ihre rechtmäßig erworbenen Krypto-Token auf eine Wallet (Krypto-Geldbörse) ihrer Wahl überweisen können. Zuvor hatten Nutzer über etliche Wochen keine Möglichkeit, die Kryptowährung aus ihren savedroid-Konten zu transferieren. So ging dann am Freitag die Android-App live, am Sonntag folgte das Release der iOS-App. Doch seit der Veröffentlichung kehrt in der savedroid-Community weiterhin keine Ruhe ein. Ganz im Gegenteil.

Unangekündigte Gebühren nach Monaten Wartezeit

Der Grund: Für den Transfer der Token verlangen die Frankfurter nun eine Gebühr. 500 SVD (die savedroid-Währung) sollen Nutzer berappen, um ihre bereits bezahlten Token von ihrem savedroid-Konto auf eine Krypto-Wallet ihrer Wahl zu überweisen – nicht einmalig, sondern für jede Überweisung. Zum besseren Verständnis: In der Regel raten Startups, die einen ICO durchführen, ihren Investoren zum Anlegen einer sogenannten ERC20-Token-Wallet, auf die sie wiederum ihre „Krypto-Aktien“ einzahlen, überweisen und lagern können. Dafür werden aber in der Regel keine Gebühren verlangt. Schließlich haben die Investoren ja schon für den Erwerb der Token gezahlt. Mit deren Verkauf hatte savedroid wiederum 40 Millionen Euro eingesammelt.


Das Unternehmen selbst hatte noch vor etlichen Monaten ein Video dazu erstellt, wie der „Überweisungsprozess“ ablaufen soll. Allerdings funktionierte der von den Frankfurtern beschriebene Weg seit Wochen nicht mehr, da die entsprechende Funktionalität offenbar aus dem savedroid-Kundenbereich gestrichen worden war. Im Telegram-Chat mit über 39.000 Mitgliedern verwies das Unternehmen immer wieder darauf, dass mit der neuen Krypto-App die Überweisung möglich gemacht wird. Zudem war er praktisch nur für Investoren nutzbar, die ihre Token etwa über Bitcoin oder eine andere Kryptowährung gekauft hatten. Wer hingegen eine Kreditkarte für den Prozess genutzt hatte, musste sich solange mit der Abwicklung gedulden, dass die Frist für die automatisierte Übertragung auf eine alternative Wallet verstrichen war.

„Nutzt irgendjemand im Team sein Gehirn?“

Nun sind Transaktionsgebühren im Krypto-Umfeld nichts Ungewöhnliches. Das Problem: Weder kommunizierte das savedroid-Team während der vergangenen Wochen, dass Gebühren anfallen werden, noch waren sie im Rahmen des ICOs in den Geschäftsbedingungen oder anderweitig kommuniziert worden. Kurzum: Nicht nur mussten Investoren über Wochen warten, um ihre Token transferieren zu können, zudem werden sie dafür nun unangekündigt zur Kasse gebeten. Unter den vielen Nutzern, die sich im hauseigenen Telegram-Chat aktuell lautstark aufregen, dürften sich viele befinden, die Token per Kreditkarte erworben hatten. Für sie hatte sich das sogenannte KYC („Know your customer“) über fast sechs Monate in die Länge gezogen, wie Hankir auch schon gegenüber Finanz-Szene.de eingeräumt hatte. Sie waren es, die im Anschluss ihre Token nicht mehr auf eine eigene Wallet transferieren konnten. Und sie sind es, die nunmehr wieder einen Teil ihrer Investition abgeben sollen, um ihr virtuelles Eigentum woanders zu verwahren.

Ein Nutzer schreibt: „Nutzt irgendjemand im Team sein Gehirn? Was dachten sie, wie die Leute darauf reagieren würden, wenn eine Gebühr für den Erhalt ihrer Token eingeführt wird? Jeder, der Token ohne Kreditkarte gekauft hat, bekam sie kostenlos in die Wallet gesendet. Jeder, der mit Kreditkarte bezahlt hat, zahlt Gebühren von 5%, die zuvor nicht angekündigt waren. Natürlich sind wir sauer.“ Ein anderer Nutzer schreibt:  „Ich sehe zwar, dass wir Fortschritte machen, aber die Gebühren sind unerhört. Kreditkartenkäufer mussten so lange warten, sogar länger als die vereinbarte Zeit von 180 Tagen – und die Konditionen wurden gegenüber der ursprünglichen Vereinbarung mit den Investoren geändert. Jetzt auch noch Gebühren? Dies ist ein Vertragsbruch und könnte rechtliche Schritte nach sich ziehen. Bitte informiert das Management, dass wir unglücklich sind. Diese Entscheidung sollte so schnell wie möglich überprüft werden.“

Andere Nutzer merken an, dass es dabei nicht um die Höhe der Gebühren geht, sondern um die Einhaltung von Regeln. „Du hast gefälligst zu tun was die Firma dir vorsetzt. Der große CEO hat entschieden. Bück dich, Kunde, friss oder stirb. Was im Vertrag steht entscheidet allein die Firma. :P“, nimmt es ein anderer Nutzer mit Humor. Auf den vielfachen Widerspruch reagiert das Unternehmen bislang kaum. Man verweist darauf, dass der Sachverhalt intern diskutiert würde und man es in der nächsten öffentlichen Fragerunde, ein sogenanntes AMA (Kurzform für „Ask me anything“), mitnehmen würde. Auf die Frage, wann dieses AMA stattfinden wird, reagierte das savedroid-Team bislang nicht. Generell scheint der Ton in der savedroid-Community zunehmend rauer zu werden. „Sagt mal, wollt ihr eigentlich unbedingt eine Anzeige?!?! Ich zahle keine 500 Token für den Transfer! Seht zu, dass (sic!) die Token auf meiner Wallet landen – und zwar von euch, ohne App, ohne Gebühr. Sonst komme ich euch nächste Woche besuchen und bringe ein paar interessierte Freunde von den privaten Fernsehsendern mit.“ Hatte das Team um CTO Tobias Zander zuletzt noch relativ entnervt reagiert, verhalten sich die Administratoren im Telegram-Channel nun eher zurückhaltend.

Neue Apps bereiten Probleme

Vielleicht auch, weil die neuen Apps noch nicht wirklich rund laufen. Bei einigen Nutzern bleibt die Software einfach mit der Statusmeldung „Beaming data from Frankfurt“ hängen, bei anderen zeigt die Wallet plötzlich kein Guthaben mehr an. Das dürfte auch der Tatsache geschuldet sein, dass einige Investoren mittlerweile drei savedroid-Apps auf ihren Smartphones installiert haben: die ursprüngliche Spar-App, eine Beta-App und nun die neue Krypto-Savings-App. Während die allererste App schon seit 2016 in den Appstores von Apple und Google verfügbar war und man sich im Whitepaper zum ICO noch mit über 200.000 Downloads rühmte, überrascht das Unternehmen nun mit dem Launch der neuen App, die neben der kostenpflichtigen Tokentransfer-Funktion kein neues Feature mitbringt. Auf die Frage aus der Community, warum man nicht einfach die bestehende App upgedatet hat, verweisen die Frankfurter darauf, dass man deutschen Nutzern die Möglichkeit geben wollte, ihre Token zu überweisen.

Warum das dennoch nicht über ein Update funktionieren kann: unklar. Wenn wir raten müssten, dann ist das Release wohl eher der Fluktuation im savedroid-Team geschuldet, sodass es schlicht einfacher war, eine neue App zu entwickeln, anstatt sich durch bestehenden Code früherer Developer zu wühlen. Das würde sich zumindest mit den Aussagen einiger Ex-Mitarbeiter auf Gründerszene decken. Dort heißt es: „Die Ex-Mitarbeiter zweifeln allerdings an, ob das savedroid-Team die Expertise für eine sichere Software hat. Es mangele Gründern und Mitarbeitern an Blockchain-Expertenwissen, so die übereinstimmende Einschätzung. Bei savedroid habe zumindest bis zum Ende des ICOs niemand gewusst, wie man ein Wallet baut oder einen Token-Handel programmiert.“

Listing auf Top-5-Exchange steht nach wie vor aus

Offenbar scheint man es mit Zusagen bei savedroid aber eh nicht allzu genau zu nehmen. Das Listing der savedroid-Währung auf einer der Top-5 Krypto-Exchanges, im März mit „bald“ terminiert, steht nach wie vor aus. Auf Nachfrage heißt es, man befinde sich in laufenden Abstimmungsgesprächen. Das Listing-Datum hänge von „deren Verfügbarkeit und alleiniger Diskretion“ ab. Vermutlich dürfte es aber auch stark mit dem Absturz der SVD nach dem Listing auf anderen Börsen zusammenhängen. Allein in der ersten Handelswoche hatte der savedroid-Token rund 90 Prozent seines Wertes eingebüßt. Wer 10.000 Euro investiert hatte, besaß plötzlich nur noch 1000 Euro „in Krypto“. Aktuell ist ein SVD 0,001011 Euro wert. Das Handelsvolumen liegt bei gerade einmal 8.893 Euro. Das „reicht“ für Platz 1682 der beliebtesten Kryptowährungen. Zum Vergleich: Das Handelsvolumen von Ethereum liegt derzeit bei 1,1 Milliarden Euro, das von Bitcoin bei 3,2 Milliarden Euro. Offenkundig gibt es also kaum Nachfrage nach SVD und somit auch wenig Anreiz für eine der meistbesuchten Kryptobörsen, den SVD-Token ins Sortiment aufzunehmen. Auch savedroid dürfte sich ganz genau überlegen, ob man die Gebühren für ein Listing auf sich nehmen will. Wobei: Cash hat das Startup seit dem ICO eigentlich genug.