savedroid-CEO Yassin Hankir © savedroid

Exklusiv: savedroid hindert Investoren am Transfer ihrer Krypto-Token

savedroid kommt nicht aus den Schlagzeilen: Nachdem vor wenigen Tagen Ex-Mitarbeiter kein gutes Haar am Frankfurter Startup ließen, beklagen sich jetzt zunehmend Investoren. Der Vorwurf: Es ist nicht mehr möglich, die erworbenen Token abzuheben und in eine eigene Krypto-Geldbörse zu übertragen. Das Management reagiert mitunter gereizt.

Bevor wir fortfahren, sei an dieser Stelle all jenen, die beim Thema savedroid und ICO mittlerweile den Überblick verloren haben, kurz erklärt: Investoren haben im Rahmen des savedroid-ICOs sogenannte Utility Token erworben. Dafür hat das Startup rund 40 Millionen Euro eingeworben und damit das erfolgreichste Initial Coin Offering Deutschlands hingelegt. Miese Schlagzeilen gab es im Anschluss nicht nur, weil CEO Yassin Hankir einen epischen PR-Stunt hinlegte – als er einen ICO-Betrug fakte, um auf ICO-Betrug hinzuweisen – sondern auch weil das Team hinter Hankir für den Transfer der Token in die sogenannten „Wallets“ (Krypto-Geldbörsen) Monate benötigte und zudem das Listing der savedroid-Währung (SVD) auf mehreren Kryptobörsen erst sechs Monate nach dem ICO über die Bühne ging. Dass die Währung zwischenzeitlich rund 90 Prozent ihres Werts eingebüßt hat: geschenkt.


Nutzer sollen auf Release der neuen Krypto-App warten

Denn an dieser Stelle soll es um ein anderes Problem gehen, dessen das savedroid-Team offenbar nicht Herr zu werden scheint: Offenbar sind viele Nutzer nicht in der Lage, ihre rechtmäßig erworbenen Token in eine Wallet ihrer Wahl zu überweisen. Oder anders formuliert: Token von ihrem savedroid-Konto „abzuheben“ und auf ein anderes Konto „einzuzahlen“. Hierzu sollte man erwähnen: In der Regel raten Startups, die einen ICO durchführen, ihren Investoren zum Anlegen einer sogenannten ERC20-Token-Wallet, auf die sie wiederum ihre „Krypto-Aktien“ einzahlen, überweisen und lagern können.

So auch savedroid. Das Unternehmen selbst hatte noch vor etlichen Monaten ein Video dazu erstellt, wie der Prozess ablaufen soll. Allerdings funktioniert nun der von den Frankfurtern beschriebene Weg nicht mehr. Unter dem Video schreiben Nutzer, dass die Wallet-Adresse nicht mehr erreichbar sei. Zudem wurde die entsprechende Funktionalität offenbar aus dem savedroid-Kundenbereich für Nutzer gestrichen. Das Feature wird demnach noch angezeigt, lässt sich aber nicht aktivieren. Im savedroid-Chat auf Telegram, in dem sich immer noch über 40.000 Nutzer und Investoren tummeln, laufen seit Wochen Beschwerden auf. Die immer wiederkehrende Antwort der Administratoren: Die Überweisung wird demnächst über die geplante Krypto-Spar-App möglich sein. Allerdings gibt es dabei mehrere Probleme: Diese Krypto-App gibt es aktuell nur für Android – und nur als Beta-Version. In diesem Status verweist sie beim Aufrufen nur auf ein Bounty-Programm, das Nutzer belohnt, die die App im Beta-Status nutzen und bei der Entwicklung mithelfen – und ermöglicht weiterhin nicht die Überweisung. Ein Release der offiziellen Version sei „später in diesem Monat“ geplant. Doch trotzdem ist seit Wochen der bisherige Weg über die savedroid-Webseite gesperrt. Kurzum: Wer gerade versucht, seine SVD-Token aus seiner savedroid-Wallet in eine andere Wallet zu transferieren, wird enttäuscht.

„Keiner weiß, wie er seine Token aus dem SVD Wallet bekommt“

Zum Vergleich: Man stelle sich vor, man kaufe Aktien, dürfe sie aber nicht in sein Depot überführen, obwohl es sich um erworbenes Eigentum handelt. Vielmehr würde das Unternehmen darauf verweisen, sich noch in Geduld zu üben und eine App zu nutzen, die es noch nicht gibt. So lässt sich auch der Unmut etlicher Nutzer im Chat besser nachvollziehen. Eine Nutzerin schreibt: „Es ist wirklich ermüdend ständig das erfolgreiche, happy Start-up getue zu lesen. Professionalität wäre besser. Keiner weiß, wie er seine Token aus dem SVD Wallet bekommt. Wahrscheinlich wollt ihr diese gar nicht freigeben, weil ein Kurssturz kommen könnte. TÜV geprüft … Dafür gibt es doch auch Auflagen?“

Die Antwort von Tobias Zander, seines Zeichens CTO von savedroid, liest sich recht gereizt: „Eigentlich wurde das jetzt mehrfach hier erklärt, genauso wie in der letzten AMA. Wenn man sich weigert die Informationen aufzunehmen kann ich leider auch nur schwer helfen.“ Krisenkommunikation geht anders. Weiter heißt es auf Fragen anderer Nutzer, wann denn die App verfügbar sein werde: „Aktuell steht leider noch kein genauer Zeitpunkt aufgrund der Regulatorik fest, wir evaluieren gerade mehrere Lösungswege für das Problem.“

Was mit „Regulatorik“ gemeint ist, lässt Zander offen. Denn praktisch geht es „nur“ um eine App mit Wallet-Funktion, wie sie etwa Coinbase und andere Kryptobörsen bereits seit geraumer Zeit in den Appstores von Google und Apple zur Verfügung stellen. Praktisch scheint es keine Regulatorik zu geben, vielmehr scheint das Team um CEO Yassin Hankir mit der Thematik überfordert zu sein. Das deckt sich mit den Aussagen der Ex-Mitarbeiter auf Gründerszene. Dort heißt es: „Die Ex-Mitarbeiter zweifeln allerdings an, ob das savedroid-Team die Expertise für eine sichere Software hat. Es mangele Gründern und Mitarbeitern an Blockchain-Expertenwissen, so die übereinstimmende Einschätzung. Bei savedroid habe zumindest bis zum Ende des ICOs niemand gewusst, wie man ein Wallet baut oder einen Token-Handel programmiert.“

Eine Webseiten-Lösung sei „nicht im Fokus“

Auf die Frage eines anderen Nutzers, ob man in der Zwischenzeit nicht schon mal eine Webseitenlösung anbieten könne, auf dass Nutzer ihre rechtmäßig erworbenen Token in ihre Wallets transferieren können, solange die App noch nicht verfügbar sei, erklärt Zander: „Ja die Idee haben wir auch auf unserer Liste, bisher ist die Nachfrage nach einer Webseite recht gering und wir werden uns erstmal auf die Apps fokussieren.“ Wohlgemerkt: Der Token-Verkauf und damit auch das Einwerben von rund 40 Millionen Euro lief über die Webseite, nicht über eine App.

Ein Nutzer resümiert: „Genau. Nur weil du immer wieder sagst, dass es eine begrenzte Nachfrage nach den Token gibt, bevor du die App freigibst (für diejenigen, die vor dem 3. August keine Minze machen konnten), wird es nicht besser. In den letzten Tagen habe ich in diesem Chat Dutzende von Leuten gesehen, die verwirrt und verärgert sind, weil sie im Moment nicht auf ihre Token zugreifen können. Du erzählst immer wieder die gleiche Geschichte, dass es eines Tages eine App geben wird (vor allem für die Deutschen könnte es sogar später als Ende August sein), aber effektiv hinderst du mich daran, die Token, für die ich bezahlt habe, zu tauschen.“

Zander gibt sich gewohnt „freundlich“: „Der Transfer-Teil der App wird auch in diesem Monat in Deutschland zur Verfügung stehen. Die Minting-Deadline wurde auf allen Kanälen klar kommuniziert. Tut mir leid, wenn Du das versäumt hast.“ Damit gemeint ist: Nutzer hatten vor geraumer Zeit die Möglichkeit, die Savedroid-Coins in ihrer Wallet zu „minten“ und in eine andere Wallet zu transferieren. Allerdings hat savedroid mittlerweile eben jene Funktion deaktiviert, bietet gleichzeitig aber keine Alternative und verweist auf eine App, die es offiziell noch gar nicht gibt.

„Gebt den Leuten nicht die Schuld für eure Entscheidungen“

Die Frage, die sich aufdrängt: Warum? Eventuell war der Prozess auf Dauer zu aufwändig für das von Krisen gebeutelte Team. So schreibt ein Nutzer: „Viele von uns haben den Minting-Modus schon vor Monaten eingestellt, aber weil wir mit Kreditkarte bezahlt haben, hast du dich entschieden, die Minting-Funktion auf die App umzurüsten. Es ist keine Entscheidung, die wir getroffen haben, bitte gebt den Leuten nicht die Schuld für eure Entscheidungen.“ Tatsächlich hatten die Frankfurter nach dem Abschluss des ICOs mit der KYC („Know your customer“) der Investoren zu kämpfen, die per Kreditkarte eingezahlt hatten.

Wann denn nun die App verfügbar gemacht wird und Nutzer in der Lage sind, ihre Token zu transferieren, bleibt unklar. Im Telegram-Chat verweist das Unternehmen weiterhin auf ein Release „later this month“. Damit bleibt Hankir und seinen Mitarbeitern noch vier Tage Zeit. Es wäre nicht die erste Deadline, die das Startup reißt.