Ein Maklershop in Halle an der Saale. (Bild: IMAGO / Schöning)

Immobilienmakler Engel & Völkers steigt ins Bankgeschäft ein

Exklusiv: Unter dem Namen „Weißhaus“ tüftelt der Immobilienmakler Engel & Völkers seit einiger Zeit an einem Bankangebot. Zusammen mit der Solarisbank startet jetzt die Konto-App „Engel & Völkers Smart Money“. Was steckt dahinter?

Einer der größten deutschen Immobilienmakler – nämlich Engel & Völkers aus Hamburg – drängt ins Bankgeschäft. Ausweislich einer Anfang dieser Woche live gegangenen Website soll das entsprechende Angebot unter dem Namen „Engel & Völkers Smart Money“ lanciert werden. Als Dienstleister im Hintergrund und eigentlicher Bankpartner des Endkunden agiert dabei die Berliner Solarisbank. Deren Infrastruktur steht auch hinter diversen Neobanken wie Penta, Kontist oder Vivid Money.

Einerseits kommt der Schritt von Engel & Völkers nicht überraschend. Schließlich hatte der Immobilienmakler unter dem Projektnamen „Weißhaus“ vor längerer Zeit schon an einem Banking-Angebot gewerkelt (Finance Forward berichtete) – damals noch gemeinsam mit dem Berliner Fintech-Investor Finleap, der ja bekanntlich auch hinter der Solarisbank steht. Andererseits: In den zurückliegenden Monaten gab es von dem „Weißhaus“-Projekt kaum noch Lebenszeichen. In der Branche war das so gedeutet worden, dass Engel & Völkers von seinen Plänen möglicherweise Abstand genommen hat.

Offenbar ein Irrtum. Denn auch wenn es sich bei der diese Woche gelaunchten Website um eine Beta-Version zu handeln scheint – sie gibt einen durchaus detaillierten Einblick in das Vorhaben. Positioniert werden soll das Angebot demnach als „Konto für Immobilieneigentümer“. Dabei geht es offenbar um eine Verzahnung von Bankgeschäften mit der Verwaltung von Immobilienvermögen in einer zentralen Anwendung. Dem Verkäufer und dem Käufer einer Immobilie soll ein Teil des Immobilienpreises als Kontoguthaben gutgeschrieben werden – sofern sie Kunden von „E&V Smart Money“ sind und die Transaktion über Engel & Völkers abwickeln.

Das Banking-Angebot als solches entspricht dem herkömmlicher Neobanken: Die Kontoführung ist kostenlos. Kunden erhalten eine „Engel & Völkers Private Card“ genannte Visa-Debitkarte, mit der vier Abhebungen im Monat kostenlos sind, sowie einen „bevorzugten Kundendienst“. Als Differenzierungsmerkmal zu anderen Neobank-Angeboten ist neben dem bereits skizzierten „Smart Money Immobilienbonus“ eine Online-Immobilienbewertung vorgesehen.

Mit einem Transaktionsvolumen von 27 Milliarden Euro sowie einem Courtage-Umsatz von rund 937 Millionen Euro im letzten Jahr gehört Engel & Völkers zu den bekanntesten und umsatzstärksten Maklergruppen hierzulande. Das Hamburger Unternehmen hatte jüngst durch den Einstieg des Private-Equity-Investors Permira für Aufsehen gesorgt. Bei dem Banking-Angebot von Engel & Völkers Smart Money handelt es sich allerdings nicht um ein Angebot der Engel & Völkers AG, sondern um einen eigenständigen Lizenzpartner, also um ein rechtlich und wirtschaftlich selbstständiges Unternehmen, was den Markennamen Engel & Völkers nutzen darf.

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