Die 100 reichsten Bitcoin-Adressen: Wem gehört die 500-Millionen-Wallet?

„Wale“, so nennen Casinos Spieler, die besonders hohe Einsätze fahren. In der Kryptoszene steht es für Personen und Institutionen, die große Summen Bitcoin halten. Ein solcher „Wal“ hat nun mal eben knapp 485 Millionen Euro transferiert. Auf Spurensuche nach dem Eigentümer treten interessante Erkenntnisse zur Oberschicht der Bitcoiner zutage. 

485 Millionen Euro. Oder umgerechnet: 85.947,12 BTC. Damit handelt es sich um die sechstreichste Bitcoin-Adresse der Welt. Dennoch ist sie besonders. Denn wiederum die Top 5 der prall gefülltesten Bitcoin-Adressen sind sogenannte „Cold Wallets“ der großen Kryptowährungsbörsen Bitfinex, Binance, Bittrex, Bitstamp und Huobi.

Die derzeit bestgefüllte Wallet hält 179.725 BTC, umgerechnet knapp 1 Mrd. Euro. Dahinter stecken aber weder die Mafia, noch der Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto. Sie gehört zur Kryptowährungsbörse Bitfinex. Es wird vermutet, dass sich das Wallet aus Sicherheitsgründen in einem „Cold Storage“ befindet, also tatsächlich offline gehalten wird, um das Vermögen so vor Hackerangriffen zu schützen. Insgesamt stellen die zehn reichsten Bitcoin-Adressen Krypto-Geld im Wert von über acht Milliarden Euro.

Der ominöse sechste Platz hinter den Börsen geht nun an eben jene Adresse 183hmJGRuTEi2YDCWy5iozY8rZtFwVgahM. Sie erhielt am 1. Juli 85.947,12706347 BTC von fünf verschiedenen Adressen. Während die erste Transaktion 85.947,127 BTC betrug, waren die die nachfolgenden Transaktionen lediglich im Cent-Bereich angesiedelt. Der riesige Betrag stammte wiederum von Adresse 1KAt6STtisWMMVo5XGdos9P7DBNNsFfjx7, die zuvor am 25. März 2018 erstellt worden war. Da sich auf dieser alten Adresse nun nur noch 0,00033929 BTC oder umgerechnet 1,92 Euro befinden, wurde diese faktisch leergeräumt.

Die Spur führt nach China

Die große Frage: Wer steckt dahinter? Ein Superreicher? Eine Institution? So gut sich durch die Blockchain nachvollziehen lässt, wann und in welchem Umfang Bitcoin von welcher an welcher Adresse transferiert wurden, so gibt sie keine Auskunft darüber, wem sie gehört. Pseudo-Anonymität eben. Allerdings, so lässt sich nachvollziehen, wies die alte Adresse 98 Transaktionen auf. In erster Linie etliche „Ins“ und wenige „Outs“. Ein Indiz dafür, dass es sich um einen langfristigen Investor handeln könnte.

Umso interessanter: Der Inhaber der Adresse begann sogar verstärkt Bitcoin nachzukaufen, als der Kurs zu fallen begann. Darüber hinaus kamen 20.000 BTC im Wert von umgerechnet 113 Millionen Euro von der chinesischen Börse Huobi und aus einer Web-Wallet des chinesischen Anbieters Haobtc. Der Rest des Kryptogeldes stammt von 14 unterschiedlichen Adressen. So liegt der Verdacht nahe, dass die Person oder auch Institution aus China stammt. Doch wer dahintersteckt und unbekannterweise eine Summe von knapp einer halbe Milliarde Euro in Bitcoin hält, ist unklar. Allem Anschein nach will aber die Person bzw. Institution BTC längerfristig halten.

Es gibt 9773 Bitcoin-Millionäre

Nicht ganz unwichtig: Die riesige Transaktion der Bitcoin am 1. Juli hatte keine spürbaren Auswirkungen auf den Markt bzw. den BTC-Kurs. Dies wiederum könnte darauf hindeuten, dass es sich entweder um eine Einzelperson handelt, die Bitcoin von einem auf ein anderes Konto übertragen hat.

Während eine solche Transaktion die große Ausnahme bildet, liefern Seiten wie Bitinfocharts einen Einblick in die Quasi-„Forbes“-Liste der reichsten Bitcoiner und fördern allerlei interessante Erkenntnisse zu Tage:

  • Es gibt 9773 Bitcoin-Millionäre. Also Personen oder Institutionen, die BTC im Wert von mindestens 1 Mio. Dollar halten.
  • Auf immerhin rund 113.000 Wallets entfällt ein durchschnittliches Vermögen von 100.000 Dollar.
  • Der überwiegende Anteil, 15.316.484 Wallets, halten lediglich Bitcoin im Wert von 1 US-Dollar.
  • 87 % aller jemals geminten Bitcoin befinden sich in nur einem halben Prozent der Gesamtzahl aller Wallets befinden. Noch krasser: 61 % aller BTC werden nur 0,07 % aller Bitcoin-Wallets gehalten.
  • Etliche dieser Top-Adressen sind ruhende Wallets. Also Wallets, die vor langer Zeit angelegt wurden. Die Adresse 1FeexV6bAHb8ybZjqQMjJrcCrHGW9sb6uF etwa mit 79.957 BTC, umgerechnet 452 Millionen Euro, wurde im März 2011 angelegt. Da war der BTC noch 83 Cent wert. Stand heute: 5.659,46 Euro.

Lange Zeit führte das FBI die Liste an

Vor einigen Jahren noch hielt sich hartnäckig ausgerechnet das FBI auf Platz 1 der reichsten Bitcoin-Adressen. Die US-Bundespolizei hatten das Bitcoin-Vermögen des verbotenen Internetmarktplatzes „Silk Road“, auf dem mit Waffen und Drogen gehandelt wurde, beschlagnahmt. Zwischenzeitlich wurden die Bitcoins versteigert.

Der wohl mit Abstand reichste Bitcoiner ist allerdings in aller Munde. Es handelt sich um den Erfinder der Währung und der Blockchain-Technologie: Satoshi Nakamoto. Doch wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt, ist bis heute ungeklärt. Sein Vermögen wird auf rund 1,1 Millionen Bitcoin oder 6,2 Milliarden Euro geschätzt. Allerdings ist auch dieser Wert geschätzt, da Nakamoto in der Anfangszeit nicht eine einzige Adresse nutzte. Fest steht: Der Bitcoin-Erfinder hat den Großteil seiner Währung nie angetastet, nicht in andere Währungen getauscht noch anderweitig verwendet.

Auffällige Kaufmuster der Top-Adressen

Eine der Adressen, die man Nakamoto einwandfrei zuordnen kann, lautet 1A1zP1eP5QGefi2DMPTfTL5SLmv7DivfNa, die allererste jemals erzeugte Bitcoin-Adresse. Immer wieder kommt es vor, dass Menschen dorthin kleinere oder auch größere Beträge überweisen, um ihre Dankbarkeit für dessen Erfindung auszudrücken. Abgänge sind von dieser Adresse allerdings nicht zu verzeichnen.

Hingegen sind viele der größten Wallets aktiv und werden von ihren Besitzern stetig zum Kauf weiterer Bitcoin genutzt. Interessant: Das größte BTC-Wallet hat Ende 2017 um 60.000 BTC aufgestockt. Auch wenn seitdem wieder tausende Bitcoin transferiert wurden, scheint der Wallet-Halter den Kurssturz genutzt zu haben. Ein Muster, das sich bei den meisten großen Wallets häufig wiederholt. Und das erst recht nicht neu ist. So formulierte es einst schon die Investoren-Legende und ausgewiesener Bitcoin-Skeptiker („Rattengift)  Warren Buffett: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern.“

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