Der Aufräumer von der Bafin nimmt Fintech ins Visier
Neue Leute, neue Befugnisse, neuer Ton: Bafin-Chef Mark Branson nimmt seinen Auftrag, ein zweites Wirecard zu verhindern, sehr ernst – zum Unmut von einigen in der Finanzbranche. Aktuell müht er sich mit N26 ab.
An einem schwül-warmen Tag in der letzten Augustwoche neigte sich Mark Bransons (56) Geduld mit N26 dem Ende zu. Der Chef der Finanzaufsicht Bafin nahm sich persönlich Zeit für ein Treffen mit Marcus Mosen (61), dem scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Berliner Neobank.
Gemeinsam mit Nikolas Speer (52), dem obersten Bankenaufseher innerhalb der Bafin, machte der Präsident der Behörde den N26-Leuten dabei unmissverständlich klar: Es reicht! Man werde dem Treiben nicht mehr lange zuschauen.
In den Monaten zuvor hatte sich N26 zum wiederholten Male zu einem der heikelsten Fälle für die Bafin entwickelt. Bereits im Frühjahr hatten Bransons Leute – da noch ohne ihn – die beiden Gründer und Co-Chefs, Valentin Stalf (39) und Maximilian Tayenthal (45), vorgeladen und deren Verhalten scharf kritisiert. In umfangreichen Schreiben zu den regulatorischen Problemen bei N26 hatten sie dargelegt, warum sie der Bank abermals einen externen Aufpasser ins Haus schicken und die beiden Co-CEOs persönlich verwarnen wollten.
Das amtliche Misstrauen befeuerte einen Machtkampf unter den N26-Investoren , wie das manager magazin exklusiv berichtete , Geldgeber forderten die Ablösung der Co-CEOs. Stalf kündigt Mitte August tatsächlich seinen Rückzug an, um in den Aufsichtsrat zu wechseln – ohne sich allerdings auf einen Termin festzulegen. Selbst als klar war, dass Aufsichtsratschef Mosen ihn als neuer Co-Chef ersetzen soll, zog Stalf seinen Abschied aus dem Tagesgeschäft in die Länge. Der Unmut der Bafin über die Verzögerungstaktik entlud sich in dem Treffen Ende August.