Tech-Manager Chris Öhlund (Bild: PR/P7S1)

Digital-Veteran Chris Öhlund bereitet großes Fintech-Projekt vor

Exklusiv: Als CEO leitete er jahrelang die Vergleichsplattform Verivox, nun will Chris Öhlund mit einer Finanz-App den Altersvorsorge-Markt angehen – unter dem Projektnamen „Altersreich“ und mit einem alten Bekannten.

Im März tauchten die ersten Zeichen auf. Auf einer Testwebsite suchte die „Adler-App“ nach Nutzern, sie soll Strom- und Handyverträge organisieren und den gesparten Betrag bei einem Vetragswechsel in ein ETF-Portfolio investieren. Aufgesetzt hatten die Berater von BCG Digital Ventures die Idee (Finance Forward berichtete).

Parallel suchte die Digitaleinheit nach einem Management für das Vorhaben, gewohnt geheimniskrämerisch. Wer der Auftraggeber sei, hätten die Bewerber erst einmal nicht erfahren, heißt es.

Ein neues Projekt, das kürzlich aufgetaucht ist, gibt nun Aufschluss, mit wem BCG Digital Ventures für das Fintech offenbar zusammenarbeitet: Chris Öhlund, der als CEO das Vergleichsportal Verivox leitete und über langjährige Management-Erfahrung verfügt. Einen Technikchef hat ihm BCG bereits zur Seite gestellt.

Der Gründer kennt den Markt gut

Das Konzept von „Altersreich“ klingt sinnvoll: Die Nutzer laden ihre Strom-, Gas- und Versicherungsverträge in die App und das Unternehmen will automatisch eine günstigere Alternative vorschlagen. Mit „einem Klick“ könne man seinen Vertrag wechseln, heißt es. Das dadurch gesparte Geld fließe in „kostengünstige ETFs“, dafür will der Anbieter mit einer Depotbank zusammenarbeiten. Altersreich verdient an der Vermittlungsprovision.

Noch ist die App nicht gestartet, doch es gibt bereits eine Website und eine Gesellschaft. Hinter der Altersreich GmbH steht wiederum die Schweizer „International Retirement Solutions AG“, eine von Öhlund gegründete Firma. Er will sich auf Anfrage noch nicht zu seinen Plänen äußern, der endgültige Name für das Fintech stehe noch gar nicht fest. Eine Sprecherin verweist auf die Summe von 48 Milliarden Euro, die deutsche Verbraucher laut einer Verivox-Analyse 2020 für ihre Verträge zu viel ausgegeben hätten. Schon 100 Euro Ersparnis pro Monat könnten reichen, um die staatliche Rente massiv aufzubessern.

Öhlund kennt den Markt als ehemaliger Verivox-Chef gut und blickt auf eine lange Karriere in ganz unterschiedliche Branchen zurück. So war er beispielsweise in führenden Rollen bei dem Industriekonzern GE, dem Logistikunternehmen DPD oder dem Medienunternehmen Ringier. Mit am längsten blieb er bei Verivox, er leitete die Gruppe für mehr als sechs Jahre und habe gute Akzente gesetzt, zum Beispiel beim Fokus auf die App-Entwicklung und TV-Werbung. Er sei ein „absoluter Macher“, heißt es von einem Weggefährten.

Zweiter Anlauf, anderer Ansatz

Der damalige CEO startete auch ein Produkt unter dem Namen „Verivox Prime“. Es sollte den Kunden dabei helfen, ihre Verträge zu optimieren, für 29,90 Euro im Jahr. Trotz einer „Spargarantie“ flog das Projekt nicht und Verivox stellte es nach rund einem Jahr wieder ein. Das Konzept von Altersreich ist ähnlich, mit zwei wichtigen Unterschieden: Die Kunden wissen jetzt, wofür sie sparen und das Produkt ist kostenlos.

Dafür kommt eine andere Schwierigkeit hinzu: Das Thema „Altersvorsorge“ zu bewerben, ist schwierig und teuer. Es wird ein langwieriger Prozess, die Marketing-Ausgaben wieder einzuspielen (über die Hintergründe hat Finance Forward vor einiger Zeit berichtet). Öhlund und sein Team sind trotzdem überzeugt. Allein der Auftrag für BCG Digital Ventures dürfte eine siebenstellige Summe gekostet haben. Öhlund hatte sich außerdem einen weiteren Experten ins Unternehmen geholt. Klaus Hufnagel ist auch dabei, er war ebenfalls in leitender Funktion bei Verivox tätig und gilt als Vertrauter von Öhlund.

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