Check24 arbeitet an einer Steuer-Software (Bild: imago/photothek)

Check24 plant neuen Angriff auf die Fintech-Szene

Exklusiv: Seit Jahren entwickelt das Vergleichsportal neue Produkte, mit denen es etablierte Fintech-Geschäftsmodelle angreift. Nun arbeitet Check24 offenbar an einer neuen Plattform – wieder haben es die Münchner auf große Märkte abgesehen.

Aus seinen Angriffen hat das Münchner Unternehmen Check24 noch nie einen Hehl gemacht. „Wir gehen jetzt genau in die Segmente hinein, die momentan noch von Fintechs besetzt sind“, erklärte Geschäftsführer Christoph Röttele vor drei Jahren gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Capital. Zu dieser Zeit startete das Unternehmen eine Zinsplattform, einen digitalen Versicherungsordner und eine Bankkonto-Analyse.

Ähnliche Produkte bieten gut finanzierte Startups wie Weltsparen, Clark und Finanzguru. Im Gegensatz zur Fintech-Konkurrenz verfüge Check24 über Millionen von Kunden, denen es die Dienstleistungen zur Verfügung stellen könnte, sagte der Check24-Geschäftsführer 2017.

Nun steht wohl ein weiterer Angriff bevor, wie Hinweise aus dem Handelsregister, Jobanzeigen und einer ersten Webseite nahelegen. Es geht wieder um drei von Startups umkämpften Märkte.

Konkurrenz für Taxfix?

Noch sieht die Webseite wie ein Hobby-Projekt aus. Unter der Domain Verbraucherportal.de ist abgesehen von einem Impressum und dem Slogan „Das Portal für Rechtshilfe“ wenig zu finden. Doch schnell wird klar, dass hinter der Gesellschaft „Verbraucherportal Deutschland GmbH“ das mächtige Vergleichsportal aus München steht.

Vor mehr als einem Jahr hat Check24 die Tochter mit Sitz in Dortmund gegründet. Seit einiger Zeit sind mehrere Jobanzeigen für das Unternehmen geschaltet. Es soll dabei um ein „neues Produkt“ gehen, heißt es in den Anzeigen. Konkret soll sich ein Diplom-Finanzwirt um den Aufbau einer Steuer-Software kümmern. „Du interpretierst das Einkommensteuergesetz (EStG) mit dem Ziel, die Steuer-Berechnungslogik richtig abzubilden“, heißt es in den Anforderungen. Dies solle dann in einer Software umgesetzt werden.

Der strategische Schritt ist erstaunlich: Schließlich hat sich Check24 bislang stärker auf den Vergleich oder die Analyse von Produkten wie Versicherungen oder Reisen konzentriert. Eine Steuer-Software zu entwickeln, ist komplex. Zudem tummeln sich in dem Markt zahlreiche etablierte Anbieter wie Haufe Lexware mit seinen digitalen Produkten. Aber auch starke Startups wie beispielsweise Taxfix, das erst kürzlich für seine Steuer-App 59 Millionen Euro von bekannten Wagniskapitalgebern erhalten hat. Es ist schwierig, das deutsche Steuerrecht in ein einfach zu bedienendes Design zu gießen.

Auch den Flugrechte-Markt analysiert Check24

Der Slogan „Portal für Rechtshilfe“ deutet außerdem darauf hin, dass Check24 auch den Markt für Rechtsanwaltsvermittlung analysiert. Es hat dafür die eigene Tochter „Verbraucherportal für Rechtsfragen GmbH“ gegründet. In dem Legaltech-Markt ist beispielsweise das Greifswalder Plattform-Startup Advocado aktiv.

Einen speziellen und stark umkämpften Markt sondiert das Verbraucherportal von Check24 ebenfalls. „Das Verbraucherportal für Passagierrechte“ soll den Kunden bei Entschädigungsforderungen helfen. Wer beispielsweise nach einem verspäteten Flug Anspruch auf eine Entschädigung hat, kann sich bislang an Anbieter wie Flightright, Fairplane oder Euflight wenden. Die sich dann mit der Fluglinie im Zweifel vor Gericht streiten, um das Geld der Kunden zurückzuholen.

Bislang waren die sogenannten Flugrechte-Startups noch Partner von Check24. Über das Vergleichsportal leitet es die Fluggäste weiter. Die Gründung einer eigenen Gesellschaft ist ein Zeichen dafür, dass Check24 überlegt, selbst in diesen Markt einzusteigen.

Wie verärgert sind die Partner?

Die Plattform hätte für Check24 einen großen Vorteil: Über öffentliche Datenbanken könnte das Unternehmen analysieren, welche Flüge verspätet sind und die betroffenen eigenen Kunden direkt kontaktieren. Allerdings gehören Fluglinien und Pauschalreisen-Vermittler zu wichtigen Partnern der Plattform. Ärger ist vorprogrammiert, schließlich zahlen die Reiseanbieter bereits Provisionen an das Vergleichsportal. Sie werden es nicht gerne sehen, dass ihr Partner Check24 die eigenen Kunden direkt auf mögliche Entschädigungen hinweist – und dafür noch einmal Geld kassiert.

Ein Check24-Sprecher wollte sich nicht zu den Plänen des neuen Verbraucherportals äußern. Wie die Angebote konkret aussehen, wird sich in den kommenden Monaten erst zeigen. Erst einmal wird Check24, das seit Kurzem eine eigene Banklizenz besitzt, im Herbst mit einem Bankkonto starten. Wahrscheinlich legt es den Fokus in den kommenden Wochen auf sein neues Banking-Produkt.

Weitere Artikel zu Check24:
– Nicht alle Fintech-Angriffe haben funktioniert. Vor einigen Monaten stellte Check24 seine Finanz-App ein, wie Finance Forward berichtete.
– Das Münchner Unternehmen investiert seit einigen Jahren auch in Startups, auch ein Legaltech-Unternehmen ist dabei. Eine Bilanz.

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