Bauboom in London (Bild: John Cameron/Unsplash)

Insolvenz trotz Hype – Crowdinvesting-Plattform Brickvest rutscht in die Krise

Rocket Internet und deutsche Banken haben Millionen in das deutsch-britische Startup Brickvest investiert. Nun muss die Crowdinvesting-Plattform überraschend Insolvenz anmelden. Was ist schiefgelaufen?

Es war eines der großen Hype-Themen der vergangenen Jahre: Crowdinvesting in Immobilienprojekte. Viele Kleininvestoren finanzieren dabei beispielsweise den Bau eines Studentenwohnheims und erhalten circa sieben Prozent Zinsen. Gerade erst hat der deutsche Marktführer Exporo den zweitgrößten Konkurrenten Zinsland gekauft.

Das deutsch-britische Startup Brickvest gehörte zu den Hoffnungsträgern unter den Plattformen. Rocket Internet investierte mit seinem Fonds Global Founders Capital in das Unternehmen, auch etablierte Finanzinstitute glaubten an das Konzept – die Aareal Bank und die Berlin Hyp, eine Sparkassentochter für Pfandbriefe, beteiligten sich. Insgesamt 14 Millionen Euro sind in Brickvest geflossen.

Nun steckt die Plattform in einer schweren Krise. Mehrere Firmen aus dem Brickvest-Unternehmensgeflecht mussten Insolvenz anmelden, ein Gründer gab seinen Chefposten ab, zuvor hatte ein Gericht den Jahresabschluss des Startups abgelehnt. Was war passiert?

Gestartet wurde die Plattform vor vier Jahren von Emmanuel Lumineau und Thomas Schneider. Ab einem Betrag von 1.000 Euro können sich Kleininvestoren dort an Immobilienprojekten beteiligen, einige Deals richteten sich nur an professionelle Geldgeber. Das Unternehmen besitzt eine Lizenz der britischen Finanzaufsicht FCA. „Wir sind die einzige voll lizensierte Immobilienfinanzierungsplattform in Europa“, sagte Mitgründer Schneider dem Handelsblatt vor zwei Jahren. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal.“

Das Geschäft lief, Brickvest verkündete erst im Sommer, dass es derzeit allein über seine geschlossene Plattform für professionelle Investoren Immobiliendeals mit einem Volumen von drei Milliarden Euro anbiete.

Doch nur wenige Zeit später kam es zum Eklat. Im Board soll es zu Unstimmigkeiten über wichtige Punkte des Geschäftsberichts 2018 gekommen sein, heißt es aus Investorenkreisen. Das Aufsichtsgremium des Startups habe den Bericht deswegen nicht abgenickt.

Brickvest veröffentlichte den Bericht trotzdem – bis ein von den Investoren angerufenes Gericht es Ende September zwang, den nach Ansicht des Richters „sachlich inkorrekten“ Bericht zurückzunehmen sei oder ihn zu korrigieren. Das Startup entfernte daraufhin den Geschäftsbericht aus dem Handelsregister. Das Branchenmedium Altfi berichtete zuerst über die Vorgänge.

In den letzten Monate befand sich Brickvest nach Angaben der Investorenkreise auf der Suche nach neuen Kapitalgebern, doch eine neue Finanzierungsrunde kam nicht zustande. Die Probleme mit dem Jahresabschluss dürften dabei auch eine Rolle gespielt haben.

Auch Altgesellschafter Berlin Hyp lehnte eine weitere Finanzierung ab, wie die Bank gegenüber Finance Forward bestätigt: „Die Berlin Hyp hat nicht weiter in Brickvest investiert, da es unterschiedliche Auffassungen über die vereinbarten Mitbestimmungsrechte – insbesondere bei wesentlichen strategischen Fragestellungen, die die Gesellschaft betreffen – gab.

Fest steht: Vier Brickvest-Gesellschaften mussten Insolvenz anmelden, darunter auch die Hauptgesellschaft Brickvest Limited. Gründer Thomas Schneider legte seinen Posten als Executive Director nieder, das geht aus dem britischen Handelsregister hervor.

Von der Firma des Insolvenzverwalters heißt es: „Während wir enttäuscht sind,  einen so führenden Fintech-Player in dieser Situation zu sehen, sind wir entschlossen, einen Verkauf des Unternehmens und seiner Vermögenswerte zu sichern und den Gläubigern das bestmögliche Ergebnis zu liefern.“ Wie es mit dem Geschäft, den Projekten und den 20 Mitarbeitern weitergeht, ist bislang unklar. Zwei Gesellschaften von Brickvest sind noch aktiv. Die Gründer waren für einen Kommentar nicht zu erreichen.

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