Elon Musk hat mit Tesla in Bitcoin investiert (Bild: imago, Collage: FFWD)

Vorbild Square und Tesla – wie Firmen in Bitcoin investieren können

Große US-Techfirmen haben in den vergangenen Monaten viele Millionen Dollar in Bitcoin investiert. Was steckt hinter der Strategie – und wie lässt sie sich in der Praxis umsetzen?

Die Nachricht schlug hohe Wellen, als der Autobauer Tesla für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoin kaufte. Schon nach wenigen Wochen war der Wert um eine Milliarde gestiegen. Die gehypte Firma will die Kryptowährung künftig auch als Zahlungsmittel akzeptieren.

Tesla ist damit auf einen Trend aufgesprungen. Seit einiger Zeit investieren mehr und mehr Tech-Unternehmen ihr Geld in Bitcoin, anstatt es auf dem Konto zu horten. Ansonsten hat ihr Geschäftsmodell wenig mit Kryptowährungen zu tun. Der Softwarehersteller Microstrategy fährt die riskante Strategie schon länger. Auch das Payment-Unternehmen Square kaufte rund 8.000 Bitcoin. Für knapp 50 Milliarden Dollar haben Firmen bereits Bitcoin erworben, listet die Website Bitcoin Treasuries auf.

Für deutsche Unternehmen ist der Kauf von Kryptowährungen bislang kaum ein Thema, lediglich das auf Cannabis spezialisierte Pharmaunternehmen SynBiotic kündigte Mitte Februar an, Teile seiner Liquidität in Bitcoin verlagern zu wollen.

Sorge vor einer Geldentwertung

Die Firmen – die an den Wertanstieg des Bitcoin glauben – wollen so einer Geldentwertung entgegen wirken. Er sei besorgt, dass die Coronahilfen und das Gelddrucken die Fiat-Währung entwerten würden, schrieb etwa Omar Hamam auf Twitter. Seine kanadische Restaurantkette Tahinis hält sämtliche Rücklagen in Bitcoin. Die Anlage-Strategie ist riskant, schließlich kann die Kryptowährung jederzeit auch einbrechen.

Mittelfristig könnte die Strategie auch einen Einfluss auf andere Unternehmen haben. Wenn große Player wie Square oder Tesla Akzeptanz für die Kryptowährung schaffen, steigt sie im Wert, erklärte der Techaktien-Experte Philipp Klöckner kürzlich im Doppelgänger-Podcast. Halten sie gleichzeitig Anteile in der Währung, machen sie so einen großen Gewinn. „Wenn dein Konkurrent das macht, hat er einen relativen Vorteil“, sagte Klöckner

Sollte der Bitcoin-Wert sich verzehnfachen, hätten die Unternehmen mit der Anlage einen Wettbewerbsvorteil. „Und du bist der Depp, der Dollar auf dem Konto hat – und die werden durch Inflation immer weniger wert.“ Durch Bitcoin-Käufe könnten sie sich absichern und das würde in Zukunft den Kurs weiter treiben.

Neue Broker kommen an den Markt

Während sich mehr Unternehmer mit der Frage nach Bitcoin-Käufen beschäftigen, stellt sich auch die Frage nach entsprechenden Finanzpartnern, die für die Firmen die großen Mengen kaufen und sicher verwahren. Tesla und Square haben ihre Käufe über die bekannte US-Kryptobörse Coinbase abgewickelt, die eine eigene Abteilung dafür hat.

In deutschsprachigen Raum bieten Player wie das Frankfurter Bankhaus Scheich, Bitcoin Suisse oder CM Equity sich als Broker an. Sie sind an verschiedene Börsen angebunden und verteilen die Orders über mehrere Tage, um mit den großen Käufen nicht den Kurs nach oben zu treiben. Anbieter wie Finoa kümmern sich um die Verwahrung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen.

Wie versteuern Unternehmen ihre Kryptowährungen?

Außerdem stellt sich die Frage, wie deutsche Unternehmen die Krypto-Investitionen in ihrer Buchhaltung berücksichtigen. Es sei zu unterscheiden, ob die Bitcoin dauerhaft dem Geschäftsbetrieb dienen und damit dem Anlagevermögen oder dem Umlaufvermögen zuzuordnen sind, wenn sie kurzfristig gehalten werden, schrieb Steffen Rapp, Steuerberater und Partner bei Annerton, in einem Blogbeitrag.

Die deutliche Mehrheit in der Fachliteratur spreche sich dafür aus, die dem Anlagevermögen zuzuordnenden Bitcoins als immaterielle Vermögensgegenstände auszuweisen, während zum Umlaufvermögen gehörende Bitcoins zu den sonstigen Forderungen gehören. Bei Gewinnen werden Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer fällig.

Noch betrifft dies nicht viele deutsche Firmen, aber sie werden den Trend in den USA genau beobachten.


Wie funktioniert es für Firmen, in Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Co. zu investieren? Wo lassen sich die Währungen kaufen – und wie sicher verwahren? Hinzukommen wichtige steuerliche und buchhalterische Fragen: Wie verbucht man die Kryptowährungen und welche Steuern muss man auf Gewinne bezahlen?

Diesen Fragen wollen wir in einem dreistündigen Workshop auf den Grund gehen. Dafür haben wir mehrere Experten eingeladen, darunter Dr. Dirk Sturz, der die Krypto-Tochter der Börse Stuttgart geleitet hat sowie Dr. Steffen Rapp, Steuerberater und Partner bei Annerton.

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