Binance-Gründer Changpeng Zhao (im Gespräch mit Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar). Bild: FFWD

„Der Austausch mit der Finanzaufsicht Bafin war in der Vergangenheit schlecht“

Die weltgrößte Kryptobörse Binance drängt nach Europa, erst kürzlich hat sie 100 Millionen in das französische Startup-Zentrum Station F investiert. Auch Deutschland rückt in den Fokus, sagt der Gründer Changpeng Zhao. Im Interview spricht er über den Crash, die Rezession und das Verhältnis zur Aufsicht.

Die Stimmung war noch gut, als Changpeng Zhao am 17. Mai in Hamburg eintraf. Besonders treue Fans hatte der Gründer der Kryptobörse Binance in das Hamburger Luxushotel Westin eingeladen. Der 44-Jährige ließ sich mit Anhängern fotografieren, lächelte viel, wirkte entspannt – auch, als er am nächsten Morgen auf der Fintech-Konferenz von Finance Forward und Capital auftrat, gab er nicht den CEO im Krisenmodus.

Dabei gibt es für die Kryptowelt seit Anfang Mai nur eine Richtung: abwärts. Zu der Zeit implodierte der Stablecoin Terra – und erschütterte die neue Finanzwelt. Beim Interview mit Changpeng Zhao Mitte Mai war noch nicht klar, dass in der Folge auch andere milliardenschwere Krypto-Player ins Wanken geraten würden, darunter der Verleiher Celsius und der Fonds Three Arrows Capital. Viele Krypto-Startups wie Crypto.com entließen Mitarbeiter – das Wort „Kryptowinter“ fällt immer häufiger.

Binance betont seine Stärke: Gerade hat die Börse große Werbedeals mit Fußballstar Cristiano Ronaldo und dem Social-Media-Phänomen Khaby Lame verkündet. Die Börse stellt weiter Mitarbeiter ein und gibt an, aktuell mit 50 angeschlagenen Firmen über Übernahmen zu sprechen. „Nicht alle Projekte sind es wert, gerettet zu werden“, sagt der Binance-Chef.

In Hamburg nahm sich Zhao Zeit für ein langes Gespräch mit Capital und Finance Forward: Er sprach über sein schrumpfendes Vermögen, stellte sich dem Vergleich mit Lehman Brothers und gab Auskunft über seine Expansionspläne für Europa.

Warnsignale für Anleger

Schon im Mai zog der Binance-Chef eine Lehre aus dem Luna-Crash. Bei Renditeversprechen von 20 Prozent pro Jahr sei Vorsicht geboten: „Für Kleinanleger ist es ein klares Signal, nicht diesen Lockangeboten nachzujagen – und nicht alles auf eine Währung zu setzen.“ Den Zinsversprechen von Luna hätten keine Einnahmen entgegen gestanden, um diese zu bezahlen. „Diese Anreize sind ein massives Problem“, sagt Zhao.

Eine schwächelnde Weltwirtschaft macht dem Börsenchef dabei mehr Angst als die Folgen des Crashs. „Eine Rezession wird der Kryptowelt schaden“, sagt Changpeng Zhao. Weil es eine große Überschneidung zwischen Aktien- und Kryptobesitzern gebe, würden diese ihr Geld abziehen – weil sie schon mit Aktien Geld verlieren. Er sieht trotzdem Bitcoin und Co. auch als möglichen Inflationsschutz. „Es gibt (zwar) eine Korrelation zwischen den Märkten“, sagt Zhao, aber der Bitcoinpreis sei in den vergangenen zwei Jahren insgesamt wesentlich stärker gestiegen als der Aktienmarkt.

Neues Team, neue Lizenz

In Europa will die Börse weiter expandieren. Erst kürzlich investierte Binance 100 Millionen Dollar in das französische Startup-Zentrum Station F. Warum ist die Wahl nicht auf Berlin gefallen, trotz der großen Kryptoszene? „Die Kommunikation unseres Teams in Frankreich mit den Aufsichtsbehörden war immer gut“, sagt der Gründer. Schnell habe das Unternehmen eine Lizenz erhalten. „In Deutschland war der Austausch mit der Finanzaufsicht Bafin dagegen in der Vergangenheit schlecht, unser altes Team hat hier nicht sehr gute Arbeit geleistet“, sagt Zhao.

Mit einem neuen Team und eigener Lizenz wolle Binance nun das Wachstum beschleunigen. „Die US-Börse Coinbase hat schon vor zwei Jahren die Erlaubnis der Bafin bekommen. Das ist ein starkes Signal“, so der Binance-Chef.

Was Changpeng Zhao hierzulande vor hat, wie er auf den Crash blickt und wie er zu seinem geschrumpften Vermögen steht, darüber spricht er im Interview mit Capital (€).

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