Eine Werbetafel von Western Union in München (Bild: imago / agefotostock)

Wie läuft die neue Banking-App von Western Union?

Im Frühjahr ist Western Union in Deutschland mit einem Girokonto gestartet. Davon verspricht sich der US-Zahlungsdienstleister eine stärkere Kundenbindung – und wirbt auf sozialen Medien für die neue App. Erste Zahlen zeigen nun, ob der Plan aufgeht.

Mehr als 150 Millionen Kunden bedient Western Union eigenen Angaben nach jedes Jahr weltweit. Sie senden oder empfangen Geld in mehr als 200 Ländern. Doch trotz seiner Position als Marktführer gerät das Traditionsunternehmen zunehmend unter Druck: Agile, gut finanzierte Startups haben in den vergangenen Jahren das Geschäft für sich entdeckt, mit Smartphone-Apps greifen sie an.

Ein Trend, bei dem das US-Unternehmen nicht weiter zuschauen wollte. Seit dem Frühjahr hat es eine Banking-App im Angebot, die ersten Märkte sind Deutschland und Rumänien. Betrieben wird „WU+“ von der Western Union International Bank mit Hauptsitz und der nötigen Banklizenz in Wien. Auf sozialen Netzwerken bewirbt Western Union das Angebot als „neue Art von digitalem Banking“ mit einem Willkommensbonus von 50 Euro.

Wie läuft das Angebot hierzulande bislang an?

Mehr als 100.000 Downloads

Das Girokonto stellt sich gegen den Vorteil, den das Kernangebot von Western Union gegenüber Banken und Co. hat: Die Kunden brauchen für die Geldtransfers kein Konto, bloß Bargeld und den Namen des Empfängers. Der Versender zahlt das Geld in eine Filiale und erhält dafür einen Code, den er dem Empfänger gibt. Dann kann dieser das Geld bei seiner Western-Union-Filiale abholen.

Mit dem neuen Angebot wird Western Union seine Kunden besser kennen, sie müssen sich anmelden und verifizieren, die Hürde, wer alles als Kunde gilt, wird also etwas angehoben. Das Unternehmen spricht von einem „Omnichannel-Erlebnis“, was etwas wie ein komplizierteres Synonym für die in der Fintech-Szene vielzitierte Super-App klingt. Die App basiert auf der Cloud-Banking-Software von Mambu, einem Berliner Startup, mit dem auch N26 arbeitet.

Die Kunden können mit der App Geld in verschiedenen Währungen weltweit versenden, bekommen zu ihrem Girokonto eine Platinum Visa Debitkarte und können anderen Kunden von WU+ gebührenfrei Geld überweisen. Auf Spareinlagen gibt es einen Einführungszins von drei Prozent.

Die Standardversion des Kontos ist kostenlos, für den Premium-Account zahlen die Kunden monatlich 3,99 Euro – hier gibt es noch fünf Währungskonten und vier Zielsparkonten. Bei bestimmten Einzeltransaktionen fallen Gebühren an. Ein Vorteil gegenüber Neobanken wie N26 oder Vivid ist bei WU+, dass die Kunden über die Filialen Geld einzahlen können.

In Deutschland wurde die App nach Schätzungen des Analysetools Airnow Data bislang 116.000 Mal heruntergeladen. Nicht jeder Download wird zur Kontoeröffnung geführt haben, aber die Zahlen zeigen einen Trend auf. Als N26 2016 an den Markt ging, erreichte sie nach zwölf Monaten 100.000 Kunden. Seitdem hat sich allerdings auch viel getan, die Zielgruppe von WU+ kennt das Prinzip der Smartphone-Konten bereits. So brauchte N26-Angreifer Vivid 2020 nur noch ein halbes Jahr für die gleiche Zahl an Kunden.

Mit dem Angebot greift Western Union vor allem die gängigen Fintechs wie N26 mit ihren Smartphone-Konten an. Seit dem vergangenen Jahr bietet beispielsweise auch der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna Girokonten in Deutschland an. Ein direkter Konkurrent ist Wise aus London, das früher als Transferwise bekannt war.

Wie die Downloadstatistik zeigt, kann es WU+ bereits mit den bekannten Finanz-Startups in Deutschland aufnehmen (siehe Grafik). Seit Mai kommt Western Union mit seiner Banking-App pro Monat auf ähnlich viele Downloads in Deutschland wie etwa N26 oder Wise. Eine Anfrage von Finance Forward ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Wachsen will es vor allem durch die Expansion in weitere Märkte. „Im nächsten Schritt wird das Angebot in Italien und Polen eingeführt und soll schließlich in ganz Europa sowie weiteren Märkten weltweit ausgerollt werden“, zitiert das Handelsblatt einen Sprecher. Und auch in Deutschland gibt es noch weitere Möglichkeiten zu wachsen. Um wirklich hervorzustechen, müsste sich das Angebot von Western Union allerdings noch weiter von der Konkurrenz abgrenzen.

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