Ein Sortierzentrum in Berlin-Schönefeld (Bild: Florian Gaertner/photothek).

Vor dem Weihnachtsgeschäft: Amazon startet Ratenfinanzierung

Exklusiv: Der mächtige Online-Händler Amazon kooperiert in Deutschland künftig mit Barclaycard, um seinen Kunden Ratenfinanzierungen anzubieten. Es ist ein weiterer Schritt, mehr Finanzprodukte über die eigene Plattform zu vertreiben.

Kurz vor dem großen Weihnachtsgeschäft führt Amazon eine neue Bezahlmethode ein: Kunden können künftig in Deutschland ihre Einkäufe in Raten bezahlen. Der Online-Händler arbeitet dafür mit der Direktbank Barclaycard zusammen. Nach einem Testlauf, über den das Branchenmedium Caschys Blog berichtet hatte, startet das Kreditprodukt nun umfassend. Bisher gab es die Ratenzahlung nur für wenige ausgewählte Produkte, vor allem die eigene Hardware.

Amazon setzt nun auf den sogenannten „Buy now, pay later“-Trend. Kunden von Mediamarkt oder Otto können ihre Einkäufe seit Jahren in Raten zahlen. Wichtige Player wie Klarna, Paypal, Ratepay, Afterpay oder auch Banken bieten die Zahlungsmethode an. International boomt die Branche, auch weil der Online-Handel durch die Corona-Pandemie einen Wachstumsschub erlebt hat.

Zinskonditionen im Mittelfeld

Die Ratenfinanzierung ist ab einem Einkauf von 100 Euro möglich und lässt sich in bis zu 48 Zahlungen aufteilen. Die Kunden müssen sich über den Dienstleister Webid identifizieren und erhalten ein Finanzierungsbudget, das sie für mehrere Einkäufe einsetzen können. Ein Vorteil gegenüber anderen Anbietern.

Die Zinsen betragen 7,69 Prozent pro Jahr – Konditionen, die im Mittelfeld liegen. Mediamarkt bietet mit Partnerbanken beispielsweise eine Ratenzahlung mit null Prozent Zinsen an – allerdings nur bis zu einem Limit von zehn Raten, dann steigt der Zins auf 8,49 Prozent. Bei Otto (in Kooperation mit Ratepay) ist die Methode mit etwa 15 Prozent pro Jahr deutlich teurer.

Weiterer Schritt in die Finanzbranche

Es ist ein weiterer Schritt des Online-Händlers Amazon, mehr Finanzprodukte direkt über seine Plattform zu vertreiben. Erst kürzlich verkündete das Unternehmen in Deutschland eine Partnerschaft mit der ING, um Kredite an Online-Händler zu vergeben. In Kooperation mit der Landesbank Berlin gibt Amazon außerdem eine Kreditkarte heraus.

Die Kooperation mit Barclaycard, das die Kredite vergibt, besitzt eine Signalwirkung für das Unternehmen. Amazon dürfte dabei an den Einnahmen mitverdienen. Branchenexperten sehen darin einen logischen Schritt für Amazon. Die Identifizierung per Video führt allerdings dazu, dass einige Kunden wieder abspringen dürften – ein Vorteil für Konkurrenten, bei denen diese Identifizierung nicht notwendig ist. Im Weihnachtsgeschäft kann sich das Finanzprodukt nun erstmals beweisen.

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