Nach einem Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ wurde David Schirrmacher bekannt (Bild: Von Floerke)

Von-Floerke-Gründer startet Finanzierungsberatung – seine Crowdinvestoren bangen weiter um 1,2 Millionen

Ein Auftritt in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ machte David Schirrmacher deutschlandweit bekannt. Sein Unternehmen schlitterte kürzlich spektakulär in die Krise. Nun will ausgerechnet er als Finanzierungsberater neustarten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unterdessen weiter und die Crowdanleger sind verärgert.

Eine gewöhnliche Website, mit Stockfotos bebildert, ist kürzlich online gegangen. „Wir helfen Ideen zu finanzieren“, ist auf der Startseite von Kapitalvermittler.co zu lesen. Ein erfahrener Bankkaufmann und ein Gründer wollen durch ihre Beratung anderen Unternehmern beispielsweise dabei helfen, ein Exist-Stipendium zu beantragen oder eine Crowdfunding-Kampagne aufzusetzen.

Man könnte die Seite sofort wieder wegklicken, wäre da nicht der Name im Impressum: David Schirrmacher. Kein anderer Gründer hat die Startup-Szene in den vergangenen Monaten so in Atem gehalten: Streit mit dem Promi-Investor Frank Thelen, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, Livestreams im Vollsuff und ein Polizeieinsatz. Der Gründer produzierte immer neue Schlagzeilen. Vor einigen Wochen meldete er mit seinem Mode-Startup Von Floerke schließlich Insolvenz an.

Seine Geschichte begann vor vier Jahren mit einem Auftritt in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“. Alle Investoren waren damals von dem selbstbewussten Gründer begeistert. Judith Williams und Frank Thelen investierten in sein Mode-Startup, das Fliegen und Strümpfe verkaufte. 2018 kam Schirrmacher dann auf die Idee, zusätzlich günstig Spirituosen anzubieten. Er verhob sich an dem neuen Geschäftszweig und schaffte es nicht, den Ansturm der Kunden zu bewältigen.

Das neue Geschäft missfällt alten Geldgebern

Es hagelte Kritik in den sozialen Medien, die Kunden waren enttäuscht, weil sie ihre Lieferungen nicht erhalten hatten. Die Krise ging weiter: In den darauffolgenden Monaten zerstritt sich Schirrmacher öffentlich mit seinem Geldgeber Frank Thelen und beschimpfte ihn in Facebook-Livestreams, bei denen er sich betrank. Eine treue Fangemeinde verfolgte jeden Schritt des Gründers.

Lange verhandelte Schirrmacher mit seinen Geldgebern vergeblich über einen Schuldenschnitt. Schließlich meldete der Gründer Anfang Oktober Insolvenz an. Unter den Gläubigern befinden sich auch Crowdanleger. Die Ironie: Schirrmacher will laut Homepage künftig auch andere Gründer zu dieser Anlageform, dem sogenannten Crowdlending, beraten. Ein Schritt, der Geldgebern missfällt. „Wer nicht mit Crowdgeld umgehen kann, sollte auch keine Finanzierungsberatung starten“, sagt etwa ein Anleger, der nicht genannt werden will.

Von David Schirrmacher heißt es, er berate andere Startups schon seit etwa zwei Jahren – für eine Provision von fünf Prozent. Los ging es, mit der Mitarbeit an der Crowdfunding-Kampagne für das Food-Startup Little Lunch. Die Finanzierungsplattform Kapilendo habe ihn dafür mit 12.500 Euro entlohnt, heißt es. Auf die Frage, welche Lehren er aus seiner eigenen Kampagne gezogen habe, gibt es von David Schirrmacher keine Antwort.

Die Staatsanwaltschaft sammelt Unterlagen

Insgesamt 1,2 Millionen Euro hatten die Kleinanleger über die Finanzierungsplattform Kapilendo in sein Mode-Startup Von Floerke investiert. Sie bangen weiter um ihr Geld. Kapilendo schickt in regelmäßigen Abständen eine Mitteilung an die betroffenen Von-Floerke-Anleger, mit dem Hinweis, dass die Kanzlei Taylor Wessing mit dem Insolvenzgericht und der Staatsanwaltschaft in Kontakt stehe. Andere Informationen sind in den Mails an die Investoren nicht enthalten, wie die Nachrichten zeigen, die Finance Forward vorliegen.

Selbst der vorläufige Insolvenzverwalter ist noch nicht bestimmt. Vom Gericht in Münster heißt es, der Insolvenzantrag von Anfang Oktober werde noch geprüft. Und die Staatsanwaltschaft, die wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung ermittelt, sammelt gerade noch die Unterlagen von anderen Behörden, heißt es von einem Sprecher. Voraussichtlich wird sich das Verfahren noch Monate hinziehen. So lange kann David Schirrmacher sein Geschäft hochziehen – es wird sich zeigen, ob er Kunden findet.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, David Schirrmacher habe von Little Lunch die Provision erhalten. Er hat das Geld nach eigenen Angaben aber von der Finanzierungsplattform Kapilendo erhalten.

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