Volders-Gründer Jan Hendrik Ansink (Bild: PR)

Kündigungsservice Volders hat Aboalarm gekauft

Exklusiv: Zwei große Anbieter für Kündigungsservice von Abos und Verträgen schließen sich zusammen: Das Berliner Startup Volders schluckte bereits im Sommer unbemerkt den Konkurrenten Aboalarm. Zusammen entsteht eine profitable Firma mit einem Jahresumsatz von zehn Millionen Euro.

Jan Hendrik Ansink leitet seit einigen Monaten ohne viel Aufsehen einen deutschen Marktführer. Sein 2014 gegründetes Startup Volders hat bereits im Sommer den ärgsten Konkurrenten Aboalarm akquiriert. Durch den bislang nicht bekannten Zukauf ist nun ein Platzhirsch unter den Kündigungsservice-Anbietern hierzulande entstanden.

Mit den Apps lassen sich Abos oder Verträge digital kündigen. Zusammen laufen über die beiden Firmen jeden Monaten nach eigenen Angaben 110.000 Kündigungen. Daraus ergibt sich künftig auf das Jahr hochgerechnet ein Umsatz von rund zehn Millionen Euro. Das neue Startup arbeitet dabei profitabel, sagt Gründer Ansink.

Für Aboalarm ist es bereits der zweite Exit. Ende 2017 kaufte der Medienkonzern Prosiebensat.1 den beiden Gründern ihre Firma ab. Szenekopf Bernd Storm, der die Startup-Konferenz Bits & Pretzels organisiert, hatte das Unternehmen zusammen mit Stefan Neubig aufgebaut – ohne Investorengelder. Ihr Startup, das ihnen beiden zur Hälfte gehörte, veräußerten sie für insgesamt zehn Millionen Euro an den Medienkonzern. Der Kündigungsservice war bei der Vergleichsplattform Verivox angesiedelt, die zum Digitalgeschäft von Prosiebensat.1 gehört.

Schon öfter bei Aboalarm angeklopft

Bei dem Käufer Volders handelt es sich um einen Konkurrenten aus Berlin, dessen Wachstum Geldgeber wie Reimann Investors oder der Business Angel und Mcmakler-Gründer Felix Jahn in den vergangenen Jahren finanzierten. „Die ursprüngliche Vision war es, einen Vertragsmanager zu bauen – mit ganz unterschiedlichen Funktionen“, sagt Gründer Ansink. „Am Anfang der Coronapandemie haben wir uns allerdings entschieden, den Fokus auf den Kündigungs-Service zu legen.“ Seitdem sei das Startup stark gewachsen.

Jede digitale Kündigung kostet bei Volders mindestens 6,99 Euro, das Startup verkauft weitere Service wie Anwaltsberatung dazu. „Wir wissen, welcher Kommunikationskanal bei welchem Unternehmen der beste ist und stellen die Kündigung darüber zu“, sagt der Gründer. Dieser Komfort rechtfertige den Preis, sagt Ansink.

Schon früher hätte der Gründer Interesse an Aboalarm gezeigt. „Im Frühjahr zeichnete sich dann ab, dass der Aboalarm-Eigner gesprächsbereit ist“, erzählt der Gründer. Das Medienunternehmen befindet sich zurzeit im Umbruch. Beide Parteien einigen sich auf den Verkauf. Einen Kaufpreis nennen beide nicht, allerdings dürfte die Summe wesentlich niedriger sein als die ursprünglich gezahlten zehn Millionen Euro.

Marken bleiben bestehen

Beide Marken bleiben bestehen. Aus diesem Grund sah das Unternehmen auch erst einmal keine Notwendigkeit, den Kauf zu verkünden. Das Team verdopple sich durch die Übernahme um 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf rund 50. „Durch den Zusammenschluss bekämpfen wir uns im Marketing nicht mehr und können gezielter werben“, sagt der Volders-Gründer.

Bei dem Kauf übernimmt Volders auch den Aboalarm-Service Finlytics. Damit lassen sich Banktransaktionen analysieren, wenn man über eine Open-Banking-Schnittstelle sein Bankkonto verbindet. Diesen selbst entwickelten Service will Volders verstärkt an andere Unternehmen vertreiben.

„Nachdem wir den Zusammenschluss hinter uns haben, werden wir über neue Produkte nachdenken“, sagt Jan Hendrik Ansink. Globale Vorbilder gibt es: Im vergangenen Jahr kaufte eine Versicherung den US-Konkurrent Truebill für 1,2 Milliarden Dollar. „Der Deal zeigt, dass es weiter Interesse an dem Geschäftsmodell gibt“, sagt der Volders-Gründer.

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