Benjamin Bilski als the_bentrepreneur auf Instagram

Trotz Wirbel um „Traumgehälter“ bei Naga: So protzt der Vorstand auf Instagram

Nicht nur wegen zuletzt verdreifachter Vorstandsgehälter kam das Hamburger Fintech Naga nicht aus den Schlagzeilen. Doch den Ball flach halten? Das scheint zumindest Teilen des Vorstands fern zu sein.

Update vom 16. Juli, 23.59 Uhr: Allem Anschein nach wurde das öffentliche Instagram-Profil von Herrn Bilski wenige Stunden nach Veröffentlichung dieses Artikels auf privat umgestellt. Wir haben die Postings deswegen als einfache Bilder eingefügt und den Artikel aktualisiert.

Nach nur zwei Jahren der Börsengang, dann kurze Zeit später einer der größten deutschen ICOs: 2017 ritt Naga ganz oben auf der Fintech-Welle mit. 63.000 Anleger erwarben Token im Wert von 42 Millionen Euro. An der Börse wird Naga derzeit mit rund 112 Millionen Euro bewertet. Kurzum: Die Kassen sind gut gefüllt. Doch wie ist es um sichtbare Erfolge bestellt? Das Hamburger Fintech reichte Anfang Juli den Jahresabschluss für 2017 nach und warf damit etliche Fragen auf. 11 Millionen Euro Umsatz haben die Hamburger demnach gemacht. Woher das Geld genau stammt? Gar nicht so einfach herauszufinden. Gründerszene hat’s versucht. Demnach kam über die Hälfte der 11 Millionen aus einer Beratungsleistung im Rahmen des ICOs über die „Naga Development Association“ mit Sitz im zentralamerikanischen Belize. Die wiederum gab die Token im Rahmen des ICOs aus, um dann wiederum 6,3 Millionen Dollar an Naga zu zahlen.


Zwar wurde die Trading-App Naga Trader (vorher: Swipestox) vollmundig als „das weltweit schnellst wachsende soziale Netzwerk für Börsenhändler“ angepriesen. Tatsächlich erlauben aber Player wie eToro schon seit geraumer Zeit den Handel von CFDs (Contracts for Difference). Im Geschäftsbericht heißt es, man habe 2017 „2.983 neue Kunden dazugewonnen“ und zum Jahresende seien „12.000 aktive Kunden betreut“ worden. Zum Vergleich: eToro kommt (Stand: September 2017) auf fünf Millionen Nutzer. Über „Naga Virtual“ (zuvor: Switex), das zweite Geschäftsfeld der Naga Group, sind bislang keine harten Zahlen bekannt. Der offizielle Start der Plattform, auf der Gamer und Spiele-Publisher virtuelle Güter handeln sollen, wird seit Anfang 2017 verschoben. Im März folgte dann der Hinweis, man launche eine „Beta-Version“ der Handelsplattform.

Nach dem fulminanten 2017 scheint sich die Naga Group weder an der Börse, noch im Kryptomarkt wirklich beweisen zu können. Die Aktie hat allein im laufenden Jahr rund 60 Prozent an Wert verloren. Die eigene Kryptowährung „Naga Coin“ sollte ihren Wert eigentlich innerhalb eines Jahres auf zwei Dollar verdoppeln. Kursziel bis 2022: acht Dollar. Aktuell hat der NGC aber enorm an Wert eingebüßt und dotiert auf nur noch 0,29 Dollar. „Wir haben viele Anleger bereits jetzt schon reich gemacht“, behauptet CTO Benjamin Bilski dennoch gegenüber Gründerszene.

240.000 Euro pro Kopf für den Naga-Vorstand

Harte Wachstumszahlen könnten dem Kurs nach oben verhelfen. Doch aktuell scheinen sich nur die Gehälter des Naga-Vorstands nach oben zu entwickeln. 240.000 Euro zahlten sich die drei Gründer Yasin Sebastian Qureshi, Bilski und Christoph Brück laut eigenem Geschäftsbericht aus. Eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr. Kommentieren will das Unternehmen das nicht.

Auf Instagram zeigt der Naga-CTO derweil, wie gut es sich als Fintech-Gründer in Deutschland leben lässt. Hier mit einem AMG GTS (Basispreis: 117.000 Euro). Natürlich in der Unternehmensfarbe. So viel zum „sichtbaren“ Erfolg.

 

Nicht nur zu Land ist der Gründer luxuriös unterwegs und zeigt sich auf Instagram vor beeindruckender Kulisse beim „Flyboarden“ in Dubai.

 

Zu Land? Zu Wasser? Wenn man schon mal in Dubai ist, kann man gleich noch erwähnen, wie sehr man das Fliegen hasst – um über der Palm Jumeirah „in die Luft gehen“ (Anm. d. Red.: Twitter-Link nachträglich eingefügt).

Wie sehr der Naga-Vorstand das Fliegen hasst, darauf lässt dieser Post allerdings nicht wirklich schließen.

 

Ebenso wenig wie dieses Video, das den einstigen Profi-Schwimmer am Steuer eines Privatjets zeigt.


 

Ein bisschen Jetset-Flair für die Fintech-Branche

Da werden Erinnerung an das einstige Enfant terrible der deutsche Fintech-Szene, Sebastian Diemer (übrigens schon 2017 beim „Flyboarden“ vor Bali zu beobachten), wach. Der Kreditech-Gründer zeigte sich in den sozialen Medien gerne beim Extremsport und Luxusurlauben. Mit Hashtags wie #poweroftheuniverse, #pushharder oder #limitless positioniert sich der 29-jährige Bilski als Macher mit grenzenloser Motivation. Eine Platzierung unter den Top 30 unter 30 des Forbes-Magazine mag dem Erfolg der Fintech-Gründer durchaus Recht geben. Doch dachten wir, dass die Ära der #getonmylevel-Protztums zumindest für die deutsche Fintech-Branche längst vorbei ist. Um deren Gründer war es zuletzt relativ still geworden in den sozialen Medien.

Wohl auch deswegen findet man von Bilskis Vorstandskollegen Yasin Sebastian Qureshi (Mitgründer der Varengold Bank) und Andreas Luecke (Jurist), der für den Rechtsanwalt Christoph Brück nachrückte, keine vergleichbaren Auftritte auf Facebook, Instagram und Co.. Aber vielleicht ist ein bisschen #Jetsetlife für Fintech-Deutschland, das sich im Vergleich zur US-Konkurrenz recht brav und zurückhaltend gibt, gerade genau das Richtige. Immerhin gilt doch jede PR als gute PR, oder? Also, liebe Fintech-Gründer: Zeigt her, was ihr habt!