Trading 212 baut sein deutsches Büro in Düsseldorf auf (Bild: Yusuf Evli/Unsplash)

Fintech Trading 212 kommt nach Deutschland

Exklusiv: Die populäre bulgarische Handelsplattform Trading 212 eröffnet in Düsseldorf ein Büro. Reguliert wird das Unternehmen bislang von der britischen Finanzaufsicht – doch jetzt bemüht es sich um eine Bafin-Lizenz.

An Trading 212 kam man in den vergangenen Wochen nicht vorbei. Das bulgarische Fintech flutet mit seiner Werbung das Netz, die Anzeigen waren auf Twitter oder in Smartphonespielen zu finden. Selbst unter Videos des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen warb das Unternehmen.

Die Downloadzahlen explodierten – von 400 Downloads pro Woche auf etwa 15.000, wie Zahlen des Analysetools Priori Data zeigen. Die Trading-App ist aktuell auf Platz elf der deutschen iOS-Charts in der Kategorie „Finanzen“, weit vor vielen anderen deutschen Fintech-Konkurrenten. Die hierzulande weitgehend unbekannte App witterte in der Coronakrise ihre Chance: Als die Finanzmärkte einbrachen, fingen viele Anleger plötzlich an, auf Aktien oder andere Finanzprodukte zu wetten.

Trading 212 nimmt dabei nicht nur bei den Marketingausgaben den deutschen Markt verstärkt in den Fokus. Mitgründer Ivan Ashminov, der das Unternehmen vor 16 Jahren in Bulgarien gegründet hat, will unbedingt eine Lizenz der deutschen Finanzaufsicht Bafin erhalten und kündigt an, ein Büro in Düsseldorf zu eröffnen.

Bafin und Verbraucherschützer schauen kritisch auf CFD-Trading

Kunden können mit der Trading-212-App Aktien und Teilaktien handeln, doch den Großteil des Geschäfts macht der sogenannte CFD-Handel aus. Die Abkürzung steht für Contracts for Difference, es ist eine Art Wette auf den Kurs einer Aktie, einer Kryptowährung oder eines Indizes. Mit einem Hebeleffekt versprechen die Anbieter hohe Gewinne, die Kunden müssen nur einen Bruchteil des Gesamtgegenwerts als Einlage hinterlegen. Dafür erhalten sie jedoch keine tatsächlichen Unternehmensanteile und müssen ein hohes Verlustrisiko in Kauf nehmen. Andere bekannte Anbieter sind Plus500, CMC Markets, IG oder Etoro. Verbraucherschützer warnen vor dieser Art hochspekulativer Finanzprodukte.

„Wegen der extrem hohen Risiken raten Verbraucherzentralen generell vom CFD-Trading ab“, sagt Jörn Rehren von der Marktbeobachtung Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband. „Aber wer dies dennoch ganz bewusst tun will, sollte zumindest darauf achten, dass der CFD-Anbieter von der Finanzaufsicht reguliert wird“. Denn in der jüngsten Vergangenheit habe es immer wieder Beschwerden zu angeblichen Handelsplattformen gegeben, die einen CFD-Handel nur vortäuschen – sie hätten den Verbrauchern aber letztlich nur das Geld aus der Tasche gezogen.

Auch die Bafin hat sich in der Vergangenheit bereits kritisch mit CFD-Trading auseinandergesetzt. Die entsprechenden Regulierungen sind streng. Besonders eine Begrenzung der sogenannten Hebel und die starke Einschränkung der Werbung im vergangenen Jahr hatte Anbietern das Geschäft erschwert. Seither sind bestimmte hohe Hebel nicht mehr erlaubt. Zudem müssen Anbieter darauf hinweisen, wie viel Prozent der eigenen Kleinanlegerkonten beim CFD-Handel Geld verlieren. Die Anbieter bewegen sich in der Regel zwischen 70 und 85 Prozent, bei Trading 212 sind es 76.

Doch Trading 212 setzt trotzdem auf den CFD-Handel – und das Geschäft ist einträglich. 2018 erzielte das Fintech einen Umsatz von 53 Millionen Pfund, wie Zahlen im britischen Handelsregister zeigen, der operative Gewinn lag bei 28 Millionen. Aktuellere Zahlen sind noch nicht veröffentlicht. Das Unternehmen wird bislang von der britischen Finanzaufsicht FCA reguliert, die Kundengelder liegen bei der Barclays Bank. Wegen des Brexits braucht das Unternehmen für das Geschäft in der Europäischen Union allerdings ab Ende des Jahres eine andere Lizenz. Eigentlich besitzt das Unternehmen bereits eine Lizenz aus Bulgarien. Ivan Ashminov, der das Unternehmen nach außen repräsentiert und die Strategie bestimmt, will jedoch unbedingt eine Lizenz aus Deutschland bekommen.

Der Gründer will versuchen, mit einer Lizenz der Behörde Bafin das Vertrauen der deutschen Kunden zu gewinnen. Der Aufwand lohne sich für sein Unternehmen, sagt er. Abgesehen von der der FCA sei die deutsche Finanzaufsicht besonders renommiert, er erhofft sich dadurch mehr Vertrauen von den deutschen Kunden. Immerhin sei der Markt einer der wichtigsten. Um eine Lizenz zu erhalten, gibt es zwei Wege: Entweder, Trading 212 beantragt eine eigene Lizenz, oder es kauft ein Unternehmen, das eine entsprechende Investment-Lizenz bereits besitzt.

Langfristig plant das Unternehmen Vermögensverwaltung

Dafür hat Trading 212 nun Michael Lippa als Deutschlandchef eingestellt, der zuvor beim Brokerhaus IG war. Und da Lippa in Düsseldorf ansässig ist, wird dort auch die deutsche Zweigstelle aufgebaut – zunächst mit fünf bis sechs Mitarbeitern. Von den insgesamt etwa 200 Mitarbeitern sind etwa 170 in Bulgarien, die Hälfte davon in der IT. In den vergangenen Monaten habe das Unternehmen 40 neue Kollegen eingestellt, sagt der Mitgründer. In London sind es samt CEO Nick Saunders lediglich sechs, die sich wegen der FCA-Lizenz um Compliance-Themen kümmern. Und ab sofort eben auch in Düsseldorf. Hier soll das Team das deutschsprachige Produkt und den Erwerb der Bafin-Lizenz sowie Compliance-Aufgaben betreuen.

Eigentlich ist Trading 212 bereits seit etwa fünf Jahren in Deutschland aktiv, das zeigen auch Downloadzahlen aus der Zeit davor. Doch dann war es lange ruhig um das Unternehmen. Es hatte sich zunächst auf den britischen Markt beschränkt. Dort sei der Erfolg durch den App-Boom nach Einführung des iPhones maßgeblich vorangetrieben worden, heißt es vom Unternehmen. Inzwischen verzeichne es 300.000 Invest-Accounts und arbeite profitabel. Eigenen Angaben zufolge ist Trading 212 komplett eigenfinanziert.

Jetzt ist der Brexit ein Anlass, den zweitwichtigsten Markt, Deutschland, noch einmal zu beleben. Das aktuelle Geschäft mit CFDs und Teilaktien diene jedoch in erster Linie der Kundengewinnung für einen größeren Plan: Langfristig will Ivan Ashminov sein Geld mit Vermögensverwaltung verdienen. Wie das konkret aussehen wird, da hat sich Ashminov noch nicht entschieden. Ein möglicher Weg, sagt er, sei Robo-Investing.

Ivan Ashminov hat Trading 212 im bulgarischen Sofia gegründet (Bild: PR)
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