Sparkassen starten Echtzeit-Überweisungen für Millionen: Wir haben uns bei Deutschlands Banken umgehört

„Instant Payments“ sind das Banking-Thema der Woche: Die Sparkassen starten mit der superschnellen Echtzeitüberweisung deutschlandweit durch. Wann zieht die Konkurrenz nach? Wir haben bei Deutschlands größten Geldhäusern nachgefragt.

Nach einem schleppenden Auftakt gewinnen Instant Payments (IP) nun langsam an Traktion: Ab dem 10. Juli können die rund 50 Millionen Kunden der bundesweit 385 Sparkassen ihr hartverdientes Geld noch schneller loswerden. „Schnell“ heißt in diesem Fall: praktisch in Echtzeit bzw. mit maximal zehn Sekunden Verzögerung. Die Vorteile liegen auf der Hand: Je schneller ein Händler sein Geld bekommt, desto schneller erhält der Käufer seine Ware. „Absolut praktisch kann das auch für die Industrie sein“, erklärt Ernst Stahl von der Universität Regensburg, der wiederholt zu dem Thema geforscht hat. „Da stellt sich die Frage nach den Kosten nicht so stark, umso mehr aber die nach der schnellen Verfügbarkeit. Mit ‚IP‘ kann sich etwa ein Warenabnehmer erstmal davon überzeugen, ob die Lieferung auf dem LKW auch korrekt ist. Wiederum kann der Spediteur dann nach wenigen Sekunden den Zahlungseingang verbuchen und entladen.“

„Die Sparkassen können sich jetzt mal als Vorreiter etablieren“

Technisch möglich sind solche schnellen Transfers von Konto zu Konto in Europa seit November. Bislang bot in Deutschland nur die HypoVereinsbank die Echtzeitüberweisungen an. Nun legen die Sparkassen als erste Institutsgruppe in Deutschland nach. „Die Unicredit hat das ganz geschickt gemacht und gleich im November den Launch verkündet. Aber das ist jetzt gefühlt schon lange her“, so Stahl. „Insofern für die Sparkassen eine tolle News. Die meisten teilen sich ja die Finanz Informatik, den gemeinsamen IT-Dienstleister, der die Technologie für alle Institute zum 10. Juli ausrollt. So kann man sich jetzt über alle Standorte hinweg als Vorreiter etablieren.“

Zuvor war noch SEPA das Maß aller Dinge. Während Bankkunden dem Standard seit der Einführung im November 2016 die unmerkbaren IBANs zu verdanken haben, ermöglichte SEPA europaweit standardisierte und vereinfachte Überweisungen. Maximaldauer: ein Tag. Allerdings erinnert der Prozess dahinter an finsterstes Finanzmittelalter: Die Überweisung wird vom kontoführenden Geldinstitut an die Bundesbank weitergeleitet, wo das Clearing erfolgt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt am Tag erfolgt ein Buchungsschnitt und sämtliche Zahlungen werden unter den Banken verrechnet. Erst danach wird der Geldbetrag dem Empfänger gutgeschrieben. Völlig egal, ob die Überweisung schriftlich oder online getätigt wurde.

„Verrückt, dass der physische Warenstrom den digitalen Finanzstrom überholt.“

„Nun kann es regulär durchaus sein, dass man nach einer Bestellung am Freitagnachmittag zwei Paar Schuhe am Samstag geliefert bekommt und ein Paar wieder zurückschickt, das dann Montagmorgen wieder im Lager des Händlers eintrifft“, so Stahl. „Die Zahlung selbst per Lastschrift würde z. B. erst am Dienstag ausgeführt werden. Eigentlich verrückt, dass der physische Warenstrom mitunter schneller abläuft als der digitale Finanzstrom.“

Dass Instant Payments daran etwas ändern, sieht Stahl angesichts der aktuellen Implementierung durch die Banken noch skeptisch: „Beim Nutzer gibt’s immer noch ein mentales Problem: Wenn Banken in Deutschland zwei Möglichkeiten anbieten, die ‚klassische‘ Überweisung oder die Echtzeitüberweisung – und letztere etwas kosten sollte. Dann ist bei Privatpersonen die Wahrscheinlichkeit extrem gering, dass er sich für den schnellen Weg entscheidet. Denn bei ihm ist das Geld eh sofort weg.“

Die Niederlande machen’s besser. „Klar, ist ein kleineres Land mit weniger Banken. Aber dort lässt man den Kunden gar nicht mehr wählen zwischen der ’normalen‘ SEPA-Überweisung und Instant Payment“, erklärt der Payment-Forscher. „Der Bankkunde überweist einfach das Geld, das System schaut dann, ob die Bank des Empfängers auch ‚IP‘ unterstützt.“

Was sagen die deutschen Banken zur Instant Payments? Und wann ihre Kunden in Echtzeit Überweisungen tätigen? Wir haben uns mal bei den wichtigsten Geldhäusern umgehört.

Das sagen die deutschen Banken

 

Commerzbank

„Instant Payments befinden sich in einem frühen Stadium“, erklärt die Commerzbank. „Wir entwickeln aktuell unseren Implementierungsplan, weil wir unseren Kunden diese Bezahlart anbieten möchten.“ Der genaue Zeitpunkt sei jedoch abhängig von dazugehörigen nutzenstiftenden Dienstleistungen, die für unsere Kunden über die bestehenden Bezahlarten im Electronic Banking hinausgehen müssten. „Diese Dienstleistungen müssen sich noch weiter herausbilden und an die Zahlungsfunktionen der Kreditinstitute angebunden werden.“

Comdirect

„Wir sehen das Thema als große Chance für unsere Kunden und wollen Instant Payment perspektivisch anbieten“, erklärt man bei der Coba-Tochter auf Anfrage. Weitere Einzelheiten zum Stand der Implementierung und einen Zeithorizont will man noch nicht nennen.

Postbank

Die Deutsche-Bank-Tochter verweist darauf, dass Kunden Echtzeit-Überweisungen innerhalb des Postbank-Netzes bereits seit Jahren nutzen können. Soweit bekannt. „Perspektivisch möchten wir natürlich unseren Kunden auch Echtzeit-Überweisungen in alle SEPA-Länder ermöglichen“, heißt es auf Anfrage. „Daher läuft in unserem Hause derzeit ein Projekt zu ‚Instant Payments'“. Wann diese als Feature für Kunden verfügbar sein werden, dazu will man sich noch nicht äußern.

Deutsche Bank

Offiziell äußern will man sich bei der Deutschen Bank noch nicht zu den „IP“-Plänen. Doch wie man übereinstimmend aus der Branche zu hören bekommt, peilt das größte deutsche Geldhaus die Implementierung im dritten Quartal 2018 an.

Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, kurz BVR

„Die Genossenschaftliche FinanzGruppe der Volksbanken und Raiffeisenbanken plant ihren Beitritt zum November 2018“, erklärt uns der BVR auf Anfrage. „Die Teilnahme am Echtzeit-Überweisungsverfahren ist für die europäischen Kreditinstitute bislang freiwillig. Allerdings ist absehbar, dass das neue Zahlverfahren zunehmend an Marktbedeutung gewinnen wird.“ Für die Volks- und Raiffeisenbanken passiert die Implementierung im Rahmen der laufenden Digitalisierungs- und Innovationsprojekte.

„Die DZ BANK und die Fiducia & GAD IT werden in diesem Zusammenhang bis Ende November 2018 die notwendigen Voraussetzungen für die technische Erreichbarkeit der dort angeschlossenen Genossenschaftsbanken schaffen“, heißt es weiter. Zum einen würde diese technische Erreichbarkeit der genossenschaftlichen FinanzGruppe infrastrukturell „passiv“ umgesetzt, das heißt als Erreichbarkeit für entsprechende eingehende Zahlungen. „Zum anderen werden entsprechende Produktangebote entwickelt, die die Genossenschaftsbanken ihren Bankkunden für eine Erteilung von Echtzeit-Überweisungszahlungen anbieten können. Vorgesehen ist derzeit eine stufenweise Einführung entsprechender Produktangebote in Abhängigkeit vom konkreten Marktbedarf im 1. Halbjahr 2019.“ Grundsätzlich entscheide natürlich jedes Institut selbst, ob, wie und zu welchen Konditionen es seinen Kunden Instant Payment anbietet.

ING-Diba

Für die ING-DiBa stehen „Instant Payments in Fokus“, um dem Kunden nach eigenen Angaben „den bestmöglichen Service im Bereich Daily Banking und Payments“ zu bieten. Einen Implementierungszeitpunkt möchte die Onlinebank derzeit allerdings noch nicht nennen.

N26

Ganz pragmatisch zeigt man sich bei N26: “Die Integration von Instant Payments ist für Ende 2018/Erstes Quartal 2019 vorgesehen.”

Targobank

Die Targobank erklärt auf Anfrage, die Einführung von Instant Payments für das erste Halbjahr kommenden Jahres.“

Santander

„Der Start von Instant Payments bei Santander in Deutschland verzögert sich etwas“, erklärt man auf Anfrage. „Aber wir gehen davon aus, dass wir die Echtzeitüberweisungen ab Herbst anbieten können.“

Sparkassen

Ab 10. Juli 2018 können Sparkassenkunden Echtzeitüberweisungen im Online Banking und auch in der S-App beauftragen. „Damit sind die für unsere Kunden wichtigsten Zugangskanäle nutzbar“, heißt es auf Anfrage. Und wer es nun ganz genau wissen will: „Geplant für nächstes Jahr ist auch die Abwicklung von Sammelüberweisungen per Instant Payment.“

DKB

Die Deutsche Kreditbank will sich auf Anfrage zum aktuellen Stand noch keinen Kommentar abgeben.

„Unwahrscheinlich, dass Instant Payment nächstes Jahr kostenlos sein wird“

Die Kosten scheinen gerade noch der größte Knackpunkt zu sein. Während einige Sparkassen bis zu 2 Euro pro Echtzeitüberweisung veranschlagen, ist der Service für andere Sparkassen-Kunden gebührenfrei. Das dürfte sich auch branchenweit vorerst nicht ändern: „Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Instant Payment nächstes Jahr für die meisten Bankkunden kostenlos sein wird“, so Stahl. „In Nullzins-Zeiten werden die Banken aller Voraussicht nach versuchen, mit Zusatzoptionen Geld zu verdienen – auch wenn sich mit diesem Feature aus den genannten Gründen wohl kein Geld verdienen lässt.“