Der Finanzkonzern W&W schaut sich digitale Geschäftsfelder an. (Bild: imago images/Objektif)

Neues Portal Rente.de startet – wer steckt dahinter?

Exklusiv: Hinter der prägnanten Domain Rente.de entsteht eine neue App, betrieben vom Finanzkonzern W&W aus Stuttgart. Das Unternehmen wagt sich damit in einen schwierigen Markt.

Es ist einer der Finanzmärkte, in dem sich erst wenige Fintech-Unternehmen tummeln: die Altersvorsorge. Während es im Banking mit N26 und Revolut, bei Robo-Advisorn Scalable Capital oder bei Zinsportalen bereits größere Digital-Player gibt, trauen sich erst wenige Startups mit speziellen Produkten an das Sparen fürs Alter.

Schließlich ist es einfacher, einen Nutzer mit Online-Werbung zu überzeugen, sich ein Konto mit schicker Banking-App zu holen – als etwa eine Riester-Rente. Ein Gründer, der seit Jahren in dem Markt unterwegs ist, berichtet von dem schwierigen Marketing. Sein Startup hätte schließlich fast komplett auf Online-Werbung verzichtet und vor allem auf Weiterempfehlungsprämien gesetzt.

Mit dem Start von Rente.de traut sich nun ein wichtiger deutscher Player in das Online-Segment. Der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische, der zum Beispiel Bausparverträge und Versicherungen verkauft, hat mit seiner Digitaltochter Brandpool vor wenigen Wochen den Beta-Test von Rente.de begonnen. Seit Kurzem ist diese Phase offenbar beendet – und die App startet (die iOS-App soll in Kürze kommen).

Bislang ein One-Trick-Pony

Das Portal konzentriert sich bislang auf einen konkreten Anwendungsfall. Nutzer können per Smartphone ihren Rentenbescheid abfotografieren und die App von Rente.de will die Ergebnisse analysieren und erklären. Zum Beispiel: wie viel Geld der Nutzer im Alter voraussichtlich erhält. Die betriebliche Altersvorsorge und Riester-Rente berücksichtigt das Portal dabei ebenfalls.

Die App will vor allem Konsumenten ansprechen, die sich noch nicht mit dem Thema beschäftigen. Weitere Funktionen sind noch nicht freigeschaltet. Das Unternehmen leitet seine Nutzer bei Wunsch an die eigene Versicherungsapp Treefin weiter. Zu den Plänen von Rente.de will sich die W&W-Digitaltochter nicht äußern.

Schafft es Rente.de, eine kritische Masse an Nutzern zu gewinnen, sind weitere Geschäftsmodelle denkbar. Es könnte sich etwa anbieten, dass die Nutzer in der App konkrete Altersvorsorge-Produkte vergleichen und sich kaufen können. Mögliche Partner könnten Startups wie Vantik sein. Das Fintech aus Berlin bietet Altersvorsorge mit ETF-Sparplänen an. Oder Fairr, das eine Riester-Rente anbietet, und mittlerweile von Raisin übernommen wurde.

Wer bekommt den Kunden?

Gerade der Zugang zum Kunden ist in diesem Markt entscheidend. Viele Altersvorsorge-Produkte werden zurzeit noch über Makler vermittelt. Vergleichsportale wie Check24 bieten Rentenversicherungen an und das Makler-Startup Clark hat einen Renten-Rechner in seine App integriert.

W&W muss nun beweisen, dass es schafft, die Kunden zu überzeugen – bei akzeptablen Marketingkosten. Entscheidend für das Geschäftsmodell wird zudem sein, wie gut die angebotenen Produkte in die App integriert sind. Der Markt für die Altersvorsorge-Produkte wird sich in den kommenden Monaten bewegen.

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