Patrick Gruhn: „FTX war wohl die größte Fehleinschätzung meines Lebens“
Er verkaufte sein Start-up für 320 Millionen Dollar an die Kryptobörse FTX, heuerte dort als Topmanager an – und erlebte den Crash. Im Podcast spricht der deutsche Unternehmer Patrick Gruhn über diese chaotische Zeit, warum er seine Firma zurückkaufte und wie er wieder angreifen will.
Der 11. November 2022 verfolgt Patrick Gruhn (44) bis heute. Es ist der Tag, an dem sein damaliger Arbeitgeber in einen der größten Finanzskandale der vergangenen Jahre schlitterte. FTX, einst drittgrößte Kryptobörse der Welt mit mehr als einer Million Kunden, meldete an jenem Freitag Insolvenz an.
Die Nachricht sei selbst für die Topmanager „ein Schock“ gewesen, erzählt Gruhn im Finance-Forward-Podcast. „Wir konnten uns überhaupt nicht erklären, wie das möglich war.“ In den Wochen und Monaten danach kam heraus: FTX-Gründer Sam Bankman-Fried (33), das zerzauste Krypto-Wunderkind aus Stanford, hatte Kundengelder in Milliardenhöhe veruntreut.
Gruhn erlebte die letzten Tage vor dem FTX-Crash aus nächster Nähe: Er war zu diesem Zeitpunkt Europachef der Kryptobörse. Sein Aufstieg in die Führungsriege von Bankman-Fried führte über viele Umwege, wie er im Podcast erzählt. Der gebürtige Hannoveraner gründete im Alter von 18 Jahren eine Web-Hosting-Firma, studierte Jura, sattelte später mit einer eigenen Kanzlei auf Kryptorecht um und engagierte sich nebenher bei einem katholischen Fernsehsender.
Mit seiner dritten Gründung, dem Aktientoken-Anbieter Digital Assets AG, gelang ihm und seinem Mitgründer Robin Matzke (36) der große Durchbruch: Im Herbst 2021 verkauften sie die Firma für rund 320 Millionen US-Dollar an FTX.
Der Deal sei durchaus kompetitiv gewesen, sagt Gruhn. Ein Wettbewerber aus China habe damals sogar noch mehr für seine Firma geboten. „Dann haben wir gesagt: 100 Millionen mehr ist nett, aber FTX klingt einfach besser“, so der Unternehmer. „Das war wohl die größte Fehleinschätzung, die ich in meinem Leben getroffen habe.“
Im Zuge der Übernahme trat Gruhn als Europachef bei FTX an. Doch nur ein Jahr später implodierte die Kryptobörse. Die ersten Tage nach der Insolvenz beschreibt er als reines Chaos: Unter anderem habe er einen Wallet-Diebstahl live mitbekommen, bei dem „ein paar hundert Millionen“ verschwunden seien.
Inzwischen hat Gruhn erneut gegründet: Mit der Kryptoplattform Perpetuals.com will er im Derivatemarkt angreifen. Was er aus der FTX-Pleite gelernt hat, wie er Sam Bankman-Fried erlebte und was er mit der Wiederauferstehung von FTX Europe zu tun hat: Darüber hat er im Podcast mit manager-magazin-Redakteurin Hannah Schwär gesprochen.
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