Stephan Stricker, CEO von Pair Finance.

Inkasso-Startup Pair Finance wird für rund 100 Millionen Euro verkauft

Der Geldgeber Pollen Street Capital übernimmt die Mehrheit des Inkasso-Startups Pair Finance. Es ist der nächste Exit eines Startups, das der Company Builder Finleap gestartet hat.

Pair Finance gehört zu den weniger bekannten Startups aus dem Portfolio des Fintech-Inkubators Finleap. Während die Szene viel über das Banking-Startup Solaris oder das zugekaufte Penta sprach, flog Pair Finance unter dem Radar. Zu unrecht. Finanz-Szene schrieb mit Blick auf die Zahlen noch vor einigen Monaten von der „heimlichen Perle im Finleap-Reich“.

Das 2016 gegründete Finleap-Startup wurde früh vom Münchner Investor Yabeo finanziert, später beteiligte sich auch die Payment-Tochter von Zalando. Das Unternehmen positionierte sich als modernes Inkasso-Unternehmen, das es mit neuen Kommunikationsmitteln gelingt, die säumigen Forderungen besser einzutreiben. Zu den Firmenkunden gehören beispielsweise der große „Buy now, pay later“-Anbieter Klarna. 2020 kam das Unternehmen auf einen Umsatz von knapp neun Millionen Euro, bei einem Gewinn von 1,3 Millionen Euro.

Bereits Ende 2021 machte die Nachricht die Runde, dass Pair Finance einen Käufer sucht. Jetzt ist klar: Der britische Investor Pollen Street Capital übernimmt die Mehrheit an dem Berliner Inkassounternehmen, wie das Branchenmagazin Versicherungsmonitor am Montagabend berichtet. Der Jahresumsatz liege mittlerweile bei 30 Millionen Euro, heißt es.

„Wir errechnen für jeden Kunden, auf welchem Weg wir ihn am besten ansprechen“

Der Kaufpreis soll nach Informationen von Finance Forward bei etwas mehr als 100 Millionen Euro liegen, allerdings übernimmt der neue Investor wohl nur 60 Prozent der Anteile, damit würde die Bewertung bei rund 170 Millionen bis 200 Millionen Euro liegen. Ein Ergebnis, das der aktuellen Marktlage geschuldet ist. Ende 2021 hätte das Unternehmen sicherlich noch andere Summen abrufen können. Für die Geldgeber ist der Exit wegen des schwierigen Umfeldes ein Erfolg. Finleap bleibt mit einem Minderheitsanteil weiter an Bord, heißt es dem Bericht. Es ist nach dem Verkauf des Banking-Startups Penta an den französischen Konkurrenten Qonto der zweite Exit innerhalb von wenigen Wochen.

Für Online-Händler ist es wichtig, auf neue Anbieter im Inkasso zu setzen – auf diesen Trend setzte Pair mit den Kundinnen und Kunden von Klarna oder Zalando, die zu spät zahlen. „Wir errechnen für jeden Kunden, auf welchem Weg wir ihn am besten ansprechen“, sagte Pair-Finance-CEO Stephan Stricker vor einiger Zeit zu Finance Forward. Auch über Whatsapp kontaktiert das Unternehmen beispielsweise die Kunden mit verspäteten Zahlungen und bietet etwa eine Ratenzahlung an. Pair Finance verdient eine Gebühr an den Forderungen, die es zurückholen kann.

Für den Online-Händler Zalando war Pair Finance so interessant, dass es schon in einer frühen Phase Interesse an einer Übernahme gehabt haben soll, heißt es aus der Branche. Der Deal kam nicht zustande. Stattdessen beteiligte sich das Unternehmen in mehreren Finanzierungsrunden.

Nun soll das Unternehmen weiter mit der Hilfe des neuen Eigentümers wachsen. Pollen Street, das Fintechs wie Bunq und Tandem im Portfolio hat, plant nun eine Internationalisierung voranzutreiben.

Hinweis: Eine Information zum Kaufpreis wurde nachträglich ergänzt.

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