Profitiert vom aktuellen Fintech-Hype: Investor Meyer Malka (Bild: PR)

Meyer „Micky“ Malka – der Fintech-Königsmacher von Ribbit Capital

Er stieg ein, als noch wenige an Finanz-Startups glaubten. Mittlerweile ist der venezolanische Geldgeber Meyer Malka mit seinem Fonds Ribbit Capital bei so gut wie jedem globalen Fintech-Star investiert: der Smartphonebank Nubank, der Trading-App Robinhood und Krypto-Börse Coinbase. Nur in Europa hängt er noch zurück – doch auch das soll sich ändern.

Mitten in der Nacht trafen sie sich für ein Notfallmeeting. Auf der einen Seite die Robinhood-Gründer, auf der anderen einige ausgewählte Investoren. Innerhalb von wenigen Stunden benötigte das Trading-Startup mehrere Milliarden Dollar, um inmitten des Chaos um die Gamestopp-Aktie weiter machen zu können. Unter den Geldgebern war auch Meyer „Micky“ Malka von Ribbit Capital – er machte es möglich und überwies mehr als 500 Millionen Dollar, sein bislang größter Scheck. Selbst für den Milliarden-Fonds ist die Wette riskant, auch wenn ein Börsengang bald anstehen wird.

Kaum ein großer Fintech-Deal wurde in den vergangenen Wochen unterschrieben, bei dem Malka und sein Team nicht am Tisch saßen. Am Mittwoch sammelte das Schnittstellen-Startup Plaid 425 Millionen Dollar ein – mit dabei: Ribbit. Die Kryptobörse Coinbase, die gerade beeindruckende Zahlen vorlegt hat, steht kurz vor einem 100-Milliarden-Börsengang – unter den ersten Geldgebern: Ribbit. Vor wenigen Wochen erhielt die brasilianische Smartphone-Bank Nubank weiteres Geld, zu einer 25-Milliarden-Bewertung. Auch dort ist Ribbit schon länger an Bord.

„Das Portfolio spricht für sich“, sagt ein bekannter deutscher Investor. Es geht soweit, dass „der Hype um Fintech“ und die hohen Bewertungen Malka selbst Sorgen bereiten, wie die Financial Times einen Kontakt des Geldgebers kürzlich zitierte. Wie viele US-amerikanische Top-Geldgeber sucht auch Ribbit seinen Weg gerade verstärkt nach Europa. Dominik Pasalic vom Fonds ist auch in Deutschland unterwegs und nimmt Kontakt auf, heißt es aus der Szene. Vor einigen Wochen investierte Ribbit dann bei dem Neobanken-Angreifer Vivid.

„Es war das erste Mal, dass ich gescheitert bin“

Der Legende zufolge interessierte sich der Venezolaner früh für Finanzen: Bereits in seiner Jugend soll Malka sein Bar-Mitzwa-Geld in Warren Buffetts Berkshire Hathaway investiert haben, schrieb die New York Times vor Jahren. Im Alter von 18 Jahren gründete er den Finanzmakler Heptagon Grupo Financiero, den das argentinische Startup Patagon kaufte. Schon ein Jahr später übernahm die Banco Santander die Firma für 750 Millionen Dollar – für die damalige Zeit eine Wahnsinnssumme. Der Deal ging noch kurz vor dem Dot-Com-Crash im Jahr 2000 über die Bühne.

Zusammen mit dem Patagon-Gründer zog es Malka ins Silicon Valley, sie starteten mit Bling Nation eine Firma für mobiles Bezahlen. Die beiden erlebten einen unterkühlten Empfang, berichtete sein Mitstreiter der Financial Times. Meyer Malka pendelte zwischen Venezuela und den USA, um seinen kranken Vater zu pflegen und kämpfte um das Startup. Vier Jahre nach dem Start gaben sie auf. „Es war das erste Mal, dass ich gescheitert bin“, erzählte Malka der New York Times vor Jahren. Er berappelte sich und startete nach einer Auszeit 2012 den Fonds Ribbit Capital. Damit sammelte er Geld für den Fintech-Fonds ein, bevor das Thema in Mode kam.

Mittlerweile hat sich Malka mit seinem Gespür für gute Deals und seiner Zuverlässigkeit einen Namen gemacht. 2,5 Milliarden Dollar verwaltet der Fonds, wie Unterlagen der Börsenaufsicht zeigen. Ribbit gehört damit nicht zu den größten Geldgebern, aber ist unter Fintech-Spezialisten der bekannteste Name. Zu seinem Portfolio gehören:

Brex – Kreditkarten-Startup für Firmen, anvisierte Bewertung: acht Milliarden Dollar
Coinbase – Krypto-Börse, erwartete Bewertung beim Direct Listing an der Börse: 100 Milliarden Dollar
Affirm – „Buy now, pay later“-Startup, Bewertung: zwölf Milliarden Dollar beim IPO
Credit Karma – Bonitäts-Dienst für 8,1 Milliarden an Intuit verkauft
Nubank – brasilianische Smartphonebank, Bewertung: 25 Milliarden Dollar
Robinhood – Trading-App Robinhood, Bewertung auf dem Zweitmarkt: 40 Millionen Dollar
Next Insurance – Versicherer für kleine Unternehmen, Bewertung: vier Milliarden
Plaid – Schnittstellen-Startup, Bewertung, 13 Milliarden Dollar

 

Einer der aktuellen Fonds soll jedes Jahr vor Steuern und Fonds-Gebühren um 30 Prozent steigen, heißt es in den SEC-Unterlagen. Der erste Geldtopf soll sich derweil viel besser entwickeln, berichtet die FT – auch weil Malka früh damit in Bitcoin investiert hat. Im aktuellen Aufwind der Fintech-Szene zahlen sich viele Wetten nun aus, wie zum Beispiel Coinbase – ebenfalls ein Investment des ersten 100-Millionen-Fonds.

Ein Test, wie gut der Ruf in Europa ist

Nur in Europa, abseits von Revolut und Funding Circle, gibt es bislang wenig Headliner. Gerade in Deutschland konkurrieren vor allem Hedosophia und Valar Ventures um die aussichtsreichen Startups. Hierzulande ist Ribbit schon früh bei Raisin eingestiegen, einer der Hoffnungsträger. Außerdem setzte Ribbit auf das Bonitäts-Startup Bonify. Das Vorbild Credit Karma wurde für 8,5 Milliarden Dollar an Intuit verkauft, ein großer Erfolg für den Fonds – doch in Deutschland ist das Fintech nach einem frühen Einstieg sicherlich hinter den Erwartungen des Wagniskapitalgebers zurückgeblieben, bei der letzten Finanzierung investierten Ribbit nicht mit.

Die neueste Ribbit-Wette ist nun Vivid. Mit der Smartphonebank will die russische Fintech-Bank Tinkoff ihren Erfolg in Europa wiederholen, Malkas Fonds führte die jüngste Finanzierungsrunde an. Der Fonds spricht verstärkt mit Gründern und anderen Investoren, heißt es aus der Szene. Malka dürfte sich zum Beispiel bemühen, Anteile der deutschen Trading-App Trade Republic zu erwerben. Eine große Finanzierungsrunde wird in den kommenden Monaten erwartet – in einem umkämpften Deal. Ein Test für Malka, wie gut sein Ruf in Europa schon ist.

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