Ein Deal zwischen Investify und der Hamburger Sparkasse platzte. (Bild: Cristina Gottardi/Unsplash)

Beim Robo-Advisor Investify bricht die Unternehmensbewertung ein

Exklusiv: Das Kölner Fintech Investify ist mit einem der aussichtsreichsten Robo-Advisor im deutschen Markt gestartet. Nach einem geplatzten Deal musste das Unternehmen nun das Geschäftsmodell anpassen – und seine Bewertung nach unten korrigieren.

Es war ein Lebenszeichen nach einigen verdächtig ruhigen Monaten. Mitte September verkündete Investify, der deutsch-luxemburgische Robo-Advisor, neue Investorengelder – die Höhe und weitere Details der Finanzierung nannte Geschäftsführer Harald Brock allerdings nicht. „Für die strategische Weiterentwicklung in den kommenden Jahren konnte eine Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen werden“, hieß es in einer Mitteilung.

Wie sich nun herausstellt, war die Finanzierungsrunde des Fintechs jedoch nicht unbedingt erfolgreich. Dokumente aus dem luxemburgischen Handelsregister zeigen, dass die Unternehmensbewertung von zuvor etwa 23 Millionen Euro regelrecht in sich zusammengefallen ist.

In der Abwertung von Investify spiegelt sich der schwierige Markt wider. In den vergangenen drei Jahren sind zahlreiche Robo-Advisor auf dem deutschen Markt gestartet. Sie investieren die Kundengelder automatisiert in sogenannte Exchange-Traded Funds (ETFs). Marktführer ist Scalable Capital mit fast zwei Milliarden Euro an Kundeneinlagen, andere große Player sind Liqid und Cominvest der Comdirect. Ob sich die vielen anderen Anbieter am Markt dauerhaft behaupten können, ist fraglich. Im vergangenen Jahr kam es schon zu einer ersten Übernahme.

Investify war 2017 mit einem etwas anderen Konzept gestartet: Ab einer Anlagesumme von 5.000 Euro können Kunden ihr Geld mit einem Investmentfokus anlegen, beispielsweise in Themen wie Nachhaltigkeit oder Robotik. Investoren wie das Family Office Kontora und das Erzbistum Berlin hatten den Start mit einem zweistelligen Millionenbetrag finanziert.

Für das weitere Wachstum steckten nun die Altgesellschafter im September noch einmal 2,5 Millionen Euro in das Unternehmen. Die Besonderheit: Sie erhöhten das Eigenkapital massiv, um genau die 2,5 Millionen. Jeder Anteil hatte damit nur ein Wert von einem Euro. Zum Vergleich: Bei der Series-A-Finanzierungsrunde betrug der Wert, den die Geldgeber pro Anteil in die Firma investierten, die sogenannte Emissionsprämie, noch mehr als 40 Euro. Etwa zehn Millionen Euro überwiesen sie damals an die Firma. Die Unternehmensbewertung beläuft sich jetzt nur noch auf etwa drei Millionen Euro, das neue Geld mit eingerechnet.

Eine neue Verbindung von Fintech und Sparkassen

Der Hintergrund: Vor zwei Jahren war das Unternehmen mit einem erfolgsversprechenden Deal gestartet. Es hatte eine Partnerschaft mit der Hamburger Sparkasse vereinbart. Die Vertriebler der Haspa, Deutschlands größter Sparkasse, sollten den Anlage-Roboter des deutsch-luxemburgischen Unternehmen ihren Kunden erklären und verkaufen. Eine neue Verbindung von zwei Welten, von Fintech und Sparkassen.

Zusätzlich sollte sich das Finanzinstitut auch finanziell an dem Robo-Advisor beteiligen, der sogar gesondert Spezialisten angestellt hatte, um die Vertriebler der Sparkasse zu schulen, wie es aus der Branche heißt. In der Szene wurde die Kooperation als Einfallstor in die Sparkassenwelt gesehen. „Hätte es bei der Haspa geklappt, wäre der Weg für viele Sparkassen offen gewesen“, sagt ein Branchenkenner.

Nach einem Jahr Testphase war jedoch im Sommer 2018 klar: Der Deal hielt nicht, die Zusammenarbeit wurde beendet, wie Gründerszene damals berichtete. „Einer der Gründe war sicherlich, dass die Deka mit dem Bevestor einen eigenen Robo-Advisor aufgebaut hat und Investify eine interne Konkurrenz im Sparkassenlager gewesen wäre“, sagt Harald Brock im Gespräch mit Finance Forward. Die Deka gehört zur Sparkassen-Finanzgruppe. Der Investify-Chef betont: „Wir verstehen den Schritt und sind weiterhin mit der Haspa freundschaftlich verbunden.“ Die vermittelten Kunden würden weiterhin betreut.

„Die Investoren sind davon ausgegangen, dass der Haspa-Deal zustande kommt“

Auch die 23-Millionen-Bewertung sei vor diesem Hintergrund zu sehen. „Die Geldgeber haben damals auch investiert, weil sie davon ausgegangen sind, dass der Haspa-Deal zustande kommt“, sagt Brock. Investify musste sich danach erst einmal berappeln und suchte nach weiteren Bankpartnern, die das Produkt vertreiben könnten. Es startete schon vor einiger Zeit Kooperationen mit der christlichen Genossenschaftsbank Pax-Bank und einem weiteren Partner.

Nach dem Deal hätten die Gesellschafter sich den Markt genau angeschaut und seien vor den hohen Marketingausgaben im Endkundenmarkt zurückgeschreckt. Es folgte der Pivot: Das Fintech entwickelt nun die technische Plattform für andere Unternehmen. „Unsere Partner können unter ihrer Marke zum Beispiel eine digitale Vermögensverwaltung, innovative Sparverträge oder den digitalen Fondsvertrieb über die Investify-Plattform anbieten“, so Brock, der im Frühjahr als Geschäftsführer an Bord kam. Der Absturz der Bewertung sei diesem Pivot geschuldet.

Insgesamt 175 Millionen Euro betreut Investify laut Brock mittlerweile, dazu zählen allerdings abgesehen von Kundeneinlagen auch Gelder von professionellen Investoren, die bei Investify liegen. Wie groß der Anteil der Endkundengelder ist, verrät Brock nicht. Für die Kunden bleibe Investify hauptsächlich ein „Showcase“, einen Kundenservice gebe es allerdings weiterhin. Ins Marketing soll nicht mehr viel Geld fließen – der Fokus liegt klar auf dem neuen Geschäftsmodell. Der erste Kunde mit einer White-Label-Lösung soll Anfang des Jahres starten.  „Die Verhandlungen mit weiteren Partnern sind auf der Zielgerade“, sagt der Geschäftsführer. Er hofft, bald erste Namen verkünden zu können.

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