Christian Hoppe ist Managing Director der Silicon Valley Bank Deutschland

Interview mit Christian Hoppe zum Deutschlandstart der Silicon Valley Bank : „Werden uns nicht nur auf Startups konzentrieren“

Mit der Silicon Valley Bank hat ein internationales Schwergewicht sein Deutschland-Geschäft in Frankfurt aufgenommen. In den USA gilt die SVB als „Hausbank der Hightechbranche“ und hat rund 30.000 Firmen mitfinanziert. Im Interview mit FinanceFWD spricht der Managing Director Christian Hoppe über die Pläne für den deutschen Markt, die Unterschiede zur amerikanischen Startup-Szene und die schwierige Risikobewertung von Jungunternehmen.

FinanceFWD: Herr Hoppe, wie viel Startup-Bank steckt in der SVB?

Hoppe: Die Silicon Valley Bank ist die Bank für innovative Ideen – das ist im Grunde von Anfang an Teil unserer DNS. Bekannt geworden sind wir ja über unser Engagement im Early-Stage-Bereich. Allerdings sind viele unserer Kunden seitdem erwachsen geworden. Deshalb sind viele Kredite, die wir mittlerweile an Firmen wie Cisco vergeben, gar nicht mehr im Startup-Bereich – da geht es dann schon um größere Summen, die eher im Bereich Corporate Finance angesiedelt sind. Early-Stage-Kredite sehen wir mittlerweile viel mehr als Einstieg in eine langfristige Beziehung.

FinanceFWD: Ihr seid eine klassische Bank. Wie passt das mit Startup-Finanzierungen zusammen?

Hoppe: Der Ansatz, der uns auszeichnet, ist der, dass wir die einzige Bank sind, die es sich zur Hauptaufgabe gemacht hat, Innovationen weltweit und jetzt auch in Deutschland zu fördern. Viele dieser innovativen Konzepte kommen häufig nun mal von Startups. Wir unterstützen allerdings nicht nur Wachstumsunternehmen, sondern führen zum Beispiel auch aktive Bankbeziehungen zu VC-Fonds.  

FinanceFWD: Warum ist Deutschland für die SVB in den Fokus gerückt?

Hoppe: Auf dem Zettel hatten wir den deutschen Markt bereits seit einigen Jahren. Im Fokus unserer Entscheidung für Deutschland als nächsten europäischen Standort stand für uns das enorme Potential und die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft, die sich über die vergangenen Jahrzehnte hier entwickelt haben. Hierzulande gibt es eine Reihe von beeindruckenden Technologie- und Life-Science-Unternehmen und eine wachsende Risikokapital- und Private Equity-Community, die sie unterstützt.

FinanceFWD: Mit welchen Business-Cases der heimischen Szene werdet ihr starten?

Hoppe: Wir arbeiten mit Marken wie dem Lieferdienst HelloFresh, dem Online-Dating-Unternehmen Spark Networks und dem Luft-Taxi-Anbieter Lilium sowie VCs wie Cherry Ventures und PE-Firmen wie Halder zusammen.

FinanceFWD: Im Vergleich zu den USA: Was zeichnet die Tech-und Fintech-Szene aus eurer Perspektive hierzulande aus?

Hoppe: Namen wie N26 und Solarisbank stehen in der deutschen Finzech-Szene für erfolgreiche Finanzierungsrunden. Und auch die Anzahl und Größe der Finanzierungsrunden in der deutschen Technologie-Branche wächst kontinuierlich: Im ersten Quartal 2018 wurden knapp 1,5 Milliarden US-Dollar in deutsche Technologie- und Innovationsunternehmen investiert – der zweithöchste Wert aller Zeiten. Deutsche Wagniskapitalgeber haben im zurückliegenden Jahr knapp 1,7 Milliarden Dollar an neuem Kapital aufgenommen, wovon die größte Summe in den nächsten Jahren wohl in den deutschen Markt investiert werden wird. Ein Höchstwert, schaut man sich die zurückliegenden zehn Jahre an. Hinzukommen erfolgreiche Börsengänge von Delivery Hero, HelloFresh und kürzlich auch Home24. Zwar liegen die Tech-Investitionen auf dem US-Markt für das erste Quartal 2018 mit insgesamt 22,1 Milliarden US-Dollar deutlich über den deutschen Zahlen, aber ein positiver Trend in Deutschland ist klar erkennbar.

FinanceFWD: Werden tatsächlich Kredite vergeben oder sind es doch Beteiligungen?

Hoppe: Wir vergeben tatsächlich Kredite. Der Vorteil an unserem Modell ist ja gerade, dass Unternehmen keine Anteile abgeben müssen.

FinanceFWD: Wie werden die Kredite abgesichert, wenn es doch kaum Assets gibt, die im Krisenfall verwertet werden können?

Hoppe: Gerade bei den ganz jungen Firmen verzichten wir mehr oder weniger auf Kreditsicherheiten. Early-Stage-Startups haben oft nicht mehr als ein paar IT-Assets in der Hinterhand. Sobald ein Unternehmen dann eine Series-A-Finanzierung vorweisen kann, erhöht das aus unserer Sicht die Wahrscheinlichkeit, dass Investoren auch eine weitere Finanzierung mitmachen. Denn es ist dann auch in ihrem Interesse, dass das Startup überlebt.

Für eine grundsätzliche Risikobewertung schauen wir uns zudem einige Leistungskennzahlen wie die Kosten für Kundengewinnung oder die Abwanderungsrate der bestehenden Kunden an. Wichtig sind für uns daneben vor allem die Gesellschafterstruktur, das Team an sich und natürlich das Geschäftsmodell. Nur wenn all das passt, vergeben wir auch Kredite.

FinanceFWD: Welcher Standort wurde für den das deutsche HQ gewählt und warum?

Hoppe: Wir haben uns als Bank für Frankfurt am Main entschieden. Frankfurt ist der Finanzplatz für Europa, Sitz der EZB. Dort befinden sich auch viele deutsche VC- und PE-Firmen. Natürlich wissen wir aber, wie dezentral die deutsche Wirtschaft organisiert ist. Einige der großen Namen sind in kleineren Städten zu finden. Dass wir in der Anfangsphase viel Zeit in Zügen und Flugzeugen verbringen werden, ist also mit eingeplant. Über kurz oder lang ist deshalb auf jeden Fall geplant, beispielsweise auch Mitarbeiter von Berlin aus operieren zu lassen.

FinanceFWD: Wie groß ist das hiesige Team und wer werden die Gesichter nach außen sein.

Hoppe: Aktuell sind wir neun Personen im Frankfurter Office. Unser Ziel ist es aber, bis zum Ende des Jahres die Zahl der Mitarbeiter bereits zu verdoppeln. Unser Deutschland-Chef ist Oscar Jazdowski. Oscar ist seit 16 Jahren Teil der SVB-Familie und hat unter anderem am Aufbau des China-Geschäfts mitgewirkt. Iris Bleck kümmert sich seit kurzem bei uns um das Thema Risk and Operations und soll im Laufe der nächsten Monate gemeinsam mit Oscar die Leitung der deutschen Niederlassung übernehmen. Ich bin seit 2017 dabei und kümmere mich als Managing Director um verschiedene Business Development-Fragen.

FinanceFWD: Es ist seit einiger Zeit zu beobachten, dass immer mehr US-amerikanische Geldgeber nach Deutschland kommen. Warum ist das so und warum sollte ich dann trotzdem zur Silicon Valley Bank kommen?

Hoppe: Bei uns ist alles auf die Bedürfnisse von Entrepreneuren ausgerichtet. Wir verstehen die Ziele, die Unternehmer verfolgen, und bieten den passenden Support und Service – vom Startup bis zum großen Konzern. Unser Mehrwert liegt dabei insbesondere in unserem breiten Netzwerk in Europa und den USA, das unseren Kunden insbesondere bei Expansionsplänen dabei hilft, Chancen und Risiken neuer Märkte früh zu erkennen. Wir sehen uns zuallererst als Geschäftspartner unserer Kunden und danach erst als Bank.

FinanceFWD: Auf welche Unternehmen legt die SVB ihren Fokus? Welche Entrepreneure bzw. welche Businessmodelle erscheinen euch besonders interessant?

Hoppe: Unser Fokus wird vor allem auf der Finanzierung von innovativen Wachstumsunternehmen und deren Investoren in ganz Deutschland liegen. Unser Leistungsportfolio umfasst dabei zunächst die Kreditvergabe an Unternehmen aus den Bereichen Technologie und Life Science sowie die Finanzierung von Akquisitionen und Umlaufkapital.

Wie gesagt: Auch wenn die Silicon Valley Bank besonders für ihre Arbeit im Early Stage-Bereich bekannt ist – angesichts unseres Namens ist das kein Wunder -, werden wir uns nicht nur auf Startups konzentrieren. Ein bedeutender Teil unseres Geschäfts macht die Buyout-Finanzierung im Bereich Technologie und Innovation aus. Die SVB ist eine echte Größe am Markt, wenn es um das Bereitstellen von Fremdkapital für Risikokapital- und Private Equity-Fonds geht. Das ermöglicht es ihnen, kurzfristig Geld von der SVB zu leihen, um die Zeit zu überbrücken, in der sie Kapital von Partnern einsammeln. Wir nennen das Ganze „Capital Call Lines of Credit“ und es wird Teil des Leistungsangebots sein, das wir VC- und PE-Fondskunden in Deutschland anbieten werden.

FinanceFWD: Was macht die amerikanische SVB anders als deutsche Banken?

Hoppe: Ich würde sagen, wir sind letztlich einfach bereit, bestimmte Risiken einzugehen, weil wir wissen, dass sich innovative Ideen nur so fördern lassen. Die großen Tech-Player wären heute nicht da, wo sie sind, wenn alle am Anfang vor Risiken zurückgeschreckt wären. Wir haben uns ganz und gar den Bedürfnissen von innovativen Wachstumsunternehmen verschrieben. Das machen in Deutschland bislang nur die wenigsten Banken.

FinanceFWD: Aus eurer Sicht: wann macht ein Kredit über die SVB Sinn, wann eine klassische VC-Finanzierung?

Hoppe: Das ist ja nicht zwangsläufig ein Entweder-oder. Die Mischung ist hier entscheidend. Gerade wenn junge Wachstumsunternehmen schon mal Wagniskapital eingesammelt haben, kann im nächsten Schritt eine Venture Debt-Finanzierung durchaus sinnvoll sein.

FinanceFWD: Gibt es bereits Pläne, weitere kontinentaleuropäische Länder ins Visier zu nehmen?

Hoppe: Aktuell konzentrieren wir uns voll und ganz auf das Deutschlandgeschäft. Mittel- bis langfristig sind aber natürlich auch Märkte wie Frankreich oder Skandinavien spannend für uns.

FinanceFWD: Herr Hoppe, besten Dank für das Interview und viel Erfolg!