Branchengröße Ralf Fischer hat FinanceAds in Nürnberg gegründet. (Bild: IMAGO / agefotostock)

Finleap verkauft FinanceAds-Anteile

Exklusiv: Der Company Builder Finleap hat in den vergangenen Jahren zusammen mit FinanceAds ein Joint-Venture aufgebaut, das Millionen-Umsätze erzielt. Die Anteile an dem Affiliate-Netzwerk übernimmt nun FinanceAds-Gründer Ralf Fischer. Was steckt hinter dem Deal?

Die Fintech-Schmiede Finleap zieht sich aus einer weiteren ihrer Beteiligungen zurück. Ein Sprecher bestätigte am Wochenende Informationen von Finanz-Szene und Finance Forward, wonach die Berliner ihren Minderheitsanteil am Affiliate-Netzwerk FinanceAds International an einen der Mitgesellschafter veräußert haben – genauer: an die „verticalAds Group“ von Ralf Fischer, einer Branchengröße im deutschen Online-Marketing.

Über den Preis für das 45-Prozent-Paket wurde nichts bekannt. Branchenkenner gingen am Wochenende von einem gehobenen einstelligen Millionenbetrag aus; verbürgt ist die Summe allerdings nicht. Die Beteiligten wollten sich nicht äußern.

Als Nicht-Fintech spielte FinanceAds International in den vergangenen Jahren lediglich eine Nebenrolle im sogenannten Fintech-Ökosystem von Finleap. Das in Berlin beheimatete Unternehmen entstammt der von Fischer mitgegründeten Nürnberger „financeAds GmbH & Co. KG“, die seit Jahren als führendes Affiliate-Netzwerk für Banken und Versicherer hierzulande gilt.

2015 hatte die Nürnberger FinanceAds gemeinsam mit Finleap die Berliner FinanceAds  aufgesetzt, um mit dem neuen Vehikel auf Joint-Venture-Basis ins Ausland zu expandieren. Ausweislich der im Bundesanzeiger einsehbaren Geschäftsberichte scheint dieser Plan aufgegangen zu sein. So erwirtschaftete die „International“ im Geschäftsjahr 2019 Umsatzerlöse in Höhe von 8,4 Millionen Euro; unterm Strich blieb ein Jahresüberschuss von rund 700.000 Euro hängen.

Mit diesen Kenziffern dürfte financeAds International nicht nur zu den ertragsstärksten Finleap-Ventures gehören – sondern: Vor allem dürfte es das einzige sein, das zuletzt bereits schwarze Zahlen geschrieben hat. Innerhalb der Finleap-Welt hatte der Affiliate-Spezialist trotzdem nie den Stellenwert wie zum Beispiel die Solarisbank, der Online-Versicherungsmakler Clark oder der Asset-Management-Digitalisierer Elinvar.

Das liegt daran, dass das Geschäftsmodell von FinanceAds (anders als das der meisten Fintechs) als nur bedingt skalierbar gilt. Heißt: Dem Ertrags- und Ergebniswachstum und somit auch dem künftigen Unternehmenswert sind Grenzen gesetzt.

Was sagt der Rückzug aus financeAds über die weitere Finleap-Strategie?

Wie berichtet, hatte Finleap zuletzt einen markanten Strategiewechsel verkündet und im Zuge dessen die Belegschaft von einst bis zu 80 auf nur noch rund 15 heruntergefahren (wobei etliche der nicht mehr bei Finleap angestellten Mitarbeiter inzwischen für hauseigene Ventures wie Finleap Connect arbeiten). Der einstige Fintech-Inkubator hat die Entwicklung neuer Ventures faktisch eingestellt und konzentriert sich für den Moment auf seine bestehenden Beteiligungen.

Unklar ist, ob man dem Rückzug aus FinanceAds ebenfalls eine strategische Komponente beimessen  sollte. Dagegen spricht: dass der Affiliate-Spezialist wie skizziert ein Solitär war. Dafür könnte sprechen: Manche Finleap-Kenner prophzeien schon seit längerem, dass sich Finleap über die kommenden ein, zwei Jahre aus einzelnen Randbeteiligungen zurückziehen könnte, um sich stattdessen auf potenzielle Schwergewichte wie die Solarisbank, Clark oder Element sowie möglicherweise auf neue Investments zu fokussieren. In den vergangenen Jahren hatte sich Finleap bereits aus kleinere Beteiligungen wie Valendo oder Zinsbaustein zurückgezogen. Ein richtig fetter Exit steht aber noch aus.

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