DFKP-Gründer Paul Weber (Foto: StefanWieland.com)

Wichtiger Fincompare-Manager hat die Firma verlassen – und baut nun einen Konkurrenten auf

Exklusiv: Paul Weber startete zusammen mit Stephan Heller die Finanzierungsplattform Fincompare. Doch vor einem halben Jahr verließ Weber das Fintech. Seit Kurzem arbeitet er an einem Wettbewerber, mehrere ehemalige Mitarbeiter sind schon an Bord.

Stephan Heller ist das Gesicht von Fincompare. Er ist es, der auf den Bühnen der Fintech-Konferenzen über das Startup spricht, das Unternehmenskredite von Partnern wie der Commerzbank oder dem Kreditstartup Iwoca vermittelt. Das „Check24 für Firmenkredite“ will der Gründer damit aufbauen. Im vergangenen Jahr investierte die niederländische Bank ING mehrere Millionen in Hellers Geschäftsidee.

Im Hintergrund baute ein Partner das Geschäft mit auf: Paul Weber. Er war Geschäftsführer und als Chief Commercial Officer für den Vertrieb zuständig. Er trat auch als Mitgründer auf. Im Frühjahr 2019 verließ er Fincompare nach zweieinhalb Jahren. Eine Pressemitteilung dazu gab es nie.

Seit wenigen Tagen deutet viel darauf hin, dass sich die beiden Geschäftspartner nicht im Guten getrennt haben – auch wenn Paul Weber das im Gespräch mit Finance Forward bestreitet. Denn unter der Domain dfkp.de erreicht man sein neuestes Projekt. Und das hat es in sich: Unter dem Namen Deutsche Firmenkredit Partner baut der Fintech-Gründer einen direkten Konkurrenten zu seinem ersten Unternehmen auf.

Weber will mit seinem neuen Startup ebenfalls Firmenkredite vermitteln. Die Finanzierungsvolumina sollen zwischen 50.000 und 20 Millionen Euro liegen. Der Ablauf: Erst gibt ein Unternehmer seine Daten ein und wird beraten, bevor ein Kreditgeber für das Unternehmen gefunden wird. Innerhalb von zwei bis fünf Tagen nach der Entscheidung über die Kreditvergabe soll das Geld schon ausgezahlt werden, schreibt DFKP auf seiner Homepage. Weiter heißt es: „Wir arbeiten mit den wichtigsten deutschen KMU-Finanzierern zusammen.“ Darunter befänden sich Geschäftsbanken, Neobanken und Schwarmfinanzierer befinden. Zehn Partner seien schon an Bord, teil Weber mit. Alles in allem handelt es sich bei dem neuen Berliner Fintech um einen Wettbewerber von Fincompare.

„Der Mittelstand braucht kein Fintech, der braucht Beratung“

Der Markt sei groß genug für mehrere Teams, sagt Weber. Solche Abspaltungen seien „nicht unüblich“. Fincompare wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern.

Webers neues Projekt soll sich indes in einem strategischen Ansatz unterscheiden: „Der Mittelstand braucht kein Fintech, der braucht Beratung“, sagt Weber. Deswegen wolle sein Startup auch auf menschliche Berater setzen. Fincompare konzentriert sich hingegen darauf, die Kreditvergabe stärker zu automatisieren. Doch lässt sich für DFKP das Geschäft dann auch größer ausrollen? Schließlich braucht es dafür unzählige Berater. Eine berechtigte Frage, findet Weber, „aber es bringt nichts, wenn du eine Technik baust, die keiner verwendet“.

Um mit der Beratung zu starten, hat der Gründer einige Mitarbeiter aus der Fincompare-Mannschaft abgeworben. Sechs Team-Mitglieder von DFKP waren in der Vergangenheit dort tätig. Tom Schifferdecker zum Beispiel arbeitete für zwei Jahre als Corporate Finance Advisor, Benedikt Matzinger, der Leiter der Finanzierungsberatung des neuen Unternehmens, war zuvor bei Fincompare involviert. Ansonsten fällt eine prominente Personalie auf: Julian Blessin, Mitgründer des Scooter-Startups Tier Mobility, wird als Fachmann für den Markenauftritt präsentiert. Er ist als Berater an Bord.

Finanzierung für den neuen Angreifer

Fincompare, 2016 gestartet, ist selbst ein Angreifer. Compeon aus Düsseldorf betreibt eine vergleichbare Plattform seit 2012 und konnte Ende 2017 eine Finanzierung über zwölf Millionen Euro verkünden. Das Konzept habe Heller „nicht so spannend“ gefunden, sagte er der Börsen-Zeitung. Fincompare kann seit dem Start auf 7.000 aktive Kunden verweisen, zu Umsätzen äußert es sich nicht. In den kommenden Monaten soll eine weitere Finanzierungsrunde über zehn bis 15 Millionen Euro folgen, sagte der Gründer gegenüber der Finanzzeitung.

Sein ehemaliger Geschäftspartner Weber hat für sein neues Unterfangen auch schon Kapitalzusagen. Einen siebenstelligen Betrag soll ein Unternehmer investiert haben, der noch nicht genannt wird und im Handelsregister bislang nicht eingetragen ist. Das reiche aus, um „schlank und fokussiert“ arbeiten zu können, so Weber. Er sei derzeit nicht auf der Suche nach Geld von Wagniskapitalgebern.

Auch wenn der Gründer den Eindruck nicht erwecken will, dass es so ist – in der Berliner Fintechszene bahnt sich ein neuer Konkurrenzkampf an. In jedem Fall einer, der sich um Talente, Aufmerksamkeit und Marketingpreise drehen wird.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels wurde Paul Weber als Mitgründer bezeichnet. Von Fincompare heißt es, Weber sei erst später in das Unternehmen gekommen. Weber war bei dem Startup Geschäftsführer und wichtiger Manager.

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