Die Neufund-Gründer Zoe Adamovicz und Marcin Rudolf

Exklusiv: Neufund partnert mit Binance und Malta Stock Exchange, um Security Tokens handelbar zu machen

Der Blockchain-VC Neufund hat Binance, die weltgrößte Kryptobörse, und die Malta Stock Exchange als Partner gewonnen. Dies geht aus einem Schreiben hervor, das FinanceFWD vorliegt. Der Plan: Im Laufe des Jahres sollen die Beteiligungstoken (Equity Tokens) von Unternehmen, die das Berliner Startup über seine Blockchain-Fundingplattform anbietet, auf Binance und anderen Kryptobörsen handelbar sein.

Um zu begreifen, was Sinn und Zweck dieser Partnerschaft ist, muss man das Geschäftsmodell von Neufund verstehen: Das Berliner Startup bietet einen sogenannten Equity-Token-Fundraising-Service auf der Blockchain an. Das klingt erstmal nach ICO 2.0, meint aber vielmehr die Verschmelzung von Venture und Crypto-Kapital. So viel zur Theorie. In der Praxis bedeutet das: Über die Neufund-Plattform sollen Unternehmen Anteile in Form von Token ausgeben können. Diese räumen wiederum privaten, aber auch institutionellen Investoren Aktionärsrechte ein.

Bislang beschränkt sich das ICO-Business zu großen Teilen auf die Ausgabe von Utility Tokes, deren eigentliche Funktion oftmals gar nicht wirklich ersichtlich ist bzw. die eine wirklichen Use Case schuldig bleibt. Zudem sind ICOs enorm in Verruf geraten: Nach jüngsten Schätzungen handelte es sich bei 80 Prozent der in 2017 durchgeführten Initial Coin Offerings um Betrugsfälle. Verständlicherweise groß ist der Bedarf im Markt an Token bzw. deren Ausgabe, die dabei aufs Wesentliche reduziert sind: das Einsammeln von Kapital. Hier will Neufund ansetzen und die „virtuellen“ Blockchain-basierten Tokens mit „echten“ Unternehmensanteilen verknüpfen.


Pilotprojekt für Ende 2018 geplant

Weil diese „tokenisierten“ Unternehmensanteile auch handelbar sein sollen, stellen sich zwei Fragen: Wo handeln? Und wie? Denn offizielle Handelsplätze dafür gibt es praktisch noch nicht. Hier kommt die Partnerschaft mit der Malta Stock Exchange und Binance scheinbar zum rechten Zeitpunkt.

„Wir freuen uns, die Partnerschaften mit der Malta Stock Exchange und Binance bekannt zu geben, die eine hohe Liquidität der auf Neufund ausgegebenen Equity Tokens gewährleisten werden. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass Security Tokens rechtsverbindlich angeboten und gehandelt werden können“,

wird Neufund-CEO Zoe Adamovicz in dem Schreiben zitiert, das FinanceFWD vorliegt.

Für Ende 2018 ist ein Pilotprojekt angesetzt, um „die Reaktion des Marktes zu testen und die gesamte Projektidee in einem risikominimierten Umfeld umzusetzen“. Dabei ist offenbar ein IPO mit den von Neufund ausgegebenen Tokens geplant – unter anderem auf Binance, der nach Volumen größten Kryptobörse der Welt. Nach Warnungen japanischer Regulatoren ist das Unternehmen gerade im Begriff, seinen Sitz nach Malta zu verlegen. Der Inselstaat im Mittelmeer etabliert sich derzeit als weiterer europäischer Blockchain- und Krypto-Hub – oder wie man sich selbst nennt: #BlockchainParadise.

ICO ist tot, es lebe der Security Token

Für Binance geht es bei der Partnerschaft letzten Endes darum, das eigene Geschäftsmodell zu diversifizieren, das Portfolio zu erweitern und somit auch für institutionelle Anleger interessanter zu machen. Dabei scheinen sich „Security Tokens“ als das „next big thing“ bei den Kryptobörsen zu etablieren. Nicht zuletzt auch, weil die Konkurrenz zunehmend wächst und die Margen sinken. Erst Anfang der Woche gab der Binance-Konkurrent Coinbase bekannt, gleich drei Finanzdienstleister zu übernehmen, um künftig Security Tokens anbieten zu können.

„Wir freuen uns mit Neufund über die bahnbrechende Idee, ein komplettes Ökosystem für die Ausgabe und den Handel von Dienstleistungen auf Blockchain zu schaffen“,

wird Binance-CEO Chanpeng Zhao zitiert.

Der Markt für Security Tokens gilt als potenziell milliardenschwer und noch kaum erschlossen. Der große Vorteil: Im Gegensatz zu Utility Token unterliegen sie zwar einer Regulierung, werden deswegen aber auch von Behörden akzeptiert. Gleichzeitig können Anleger sie günstiger und schneller handeln als Aktien an einer Börse – wenn auch bislang praktisch nicht über eine Kryptobörse. Gleichzeitig bieten Security Tokens Vorteile für Unternehmen im Vergleich zu einem Börsengang, dem umfangreiche Beratungsleistungen vorausgehen, die mit hohen Kosten verbunden sind. Eine Hürde, die zumal kleine und mittlere Unternehmen (KMUs), nicht nehmen konnten, um über einen Börsengang Kapital einzusammeln.

Die Partnerschaft hat sich abgezeichnet

Als erste Partner für die Equity Token Offerings konnte Neufund zuletzt den Onlinehändler Brille24, das Blockchain-Startup Blockstate, das E-Mobility-Startups AutUniti und Emflux Motors, der Gebrauchtwaren-Marktplatz MySwooop und den IoT-Inkubator Next Big Thing  gewinnen. Welche Tokens dann via Binance und die Malta Stock Exchange getraded werden im Laufe des Jahres, ist noch unklar.

Dass die Unternehmen miteinander partnern, hat sich abgezeichnet. So berichtete Bloomberg am 12. Juli, dass Binance eine fünfprozentige Beteiligung an der „Founders Bank“ erworben hat. Die „welterste dezentrale Bank“  soll auf einem blockchainbasierten System beruhen, also dezentral organisiert sein. Wie Neufund ebenfalls am 12. Juli bekanntgegeben hat, lassen sich die Beteiligungstoken der Founders Bank über die eigene Plattform erwerben. Insofern waren Binance und Neufund bereits im Austausch. Der Hauptsitz des dezentralen Geldhauses, das auf eine EU-Lizenz, soll in Malta sein.