Danyal Bayaz, Ex-Berater und grüner Finanzpolitiker (Bild: imago images / Christian Spicker)

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass nur ein kleiner Kreis die Fäden gezogen hat“ – Wirecard-Aufklärer Danyal Bayaz im FinanceFWD-Podcast

Der Wirecard-Skandal hat das politische Berlin erreicht: Ein Untersuchungsausschuss des Bundestags geht dem Fiasko auf den Grund. Für die Grünen mischt Danyal Bayaz bei der Aufarbeitung mit – im Podcast berichtet er über seine Arbeit.

Ob per Videoschalte oder persönlich – es ist gut möglich, dass am morgigen Donnerstag einer der Hauptverantwortlichen des Wirecard-Skandals seinen ersten öffentlichen Auftritt, seit der Insolvenz des einstigen Payment-Wunders hat. Ex-CEO Markus Braun soll vor dem im Oktober eingerichteten Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags aussagen. Damit beginnt die politische Aufarbeitung eines der größten Wirtschaftsskandale in der Geschichte der Bundesrepublik so richtig.

Einer der wichtigsten Treiber bei der Aufklärung ist der Grünen-Abgeordnete Danyal Bayaz. Der ehemalige Unternehmensberater sitzt seit 2017 im Bundestag und machte sich in der Finanz- und Startup-Politik einen Namen. Seit dem Sommer kümmert er sich aber vor allem um den Wirecard-Skandal – und seine Verbindungen in die Politik.

Auch wenn noch längst nicht alle Mechanismen der Betrugsmaschine Wirecard aufgearbeitet seien, hat Bayaz schon eine gewisse Vorstellung davon, wie es gelaufen sein muss: Er ist sich zum Beispiel sicher, dass nicht ein kleiner Kreis um Ex-CEO Braun oder gar allein der geflüchtete Ex-COO Jan Marsalek mit seinen Geheimdienstverbindungen verantwortlich gewesen seien: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass nur ein kleiner Kreis die Fäden gezogen hat“, sagt Bayaz.

Politik und Behörden seien seiner Ansicht nach nicht nur bei der Aufsichtsarbeit gescheitert – er geht noch weiter: Es stehe „der Verdacht im Raum, dass nicht nur die Kontrollmechanismen versagt haben, sondern dass man sich aus industriepolitischen Gründen vor das Unternehmen gestellt hat, um jeden Verdacht im Keim zu ersticken“.

Insbesondere bei der Finanzaufsicht Bafin sieht Bayaz Reformbedarf – er fordert einen „Kulturwandel“ ein: „Wir brauchen eine stärkere Finanzaufsicht, die kriminalistisch denkt.“ Ein gutes Vorbild sei die gefürchtete US-amerikanische Börsenaufsicht SEC. Möglichen Betrügern solle gleich klar werden: „Leute, versucht es gar nicht, sonst kriegt ihr es mit uns zu tun!“

Mehrfach verweist Bayaz im Podcast auf die FinanceFWD-Folge #45 mit Fahmi Quadir – die US-Shortsellerin bezeichnete Wirecard darin als „Geldwaschmaschine“ – und berichtet, wie sie Anfang 2019 vergeblich bei der Bafin gegen das Leerverkaufsverbot für Wirecard-Aktien protestierte.

Aufgenommen wurde der Podcast übrigens am vergangenen Donnerstag – der Streit um ein persönliches Erscheinen von Markus Braun vor dem Ausschuss wurde erst später öffentlich und daher nicht im Podcast thematisiert.

Im FinanceFWD-Podcast spricht Bayaz über …

… seine Sicht auf das Unternehmen Wirecard und den Betrugsprozess
… sein Verständnis für zornige Anleger
… das Zögern der Grünen, ob es einen Untersuchungsausschuss geben soll
… Auftrag und Chancen des Ausschusses
… Zusammenarbeit und politische Konflikte bei der Aufklärungsarbeit
… Defizite bei der Bafin und Reformvorstöße wie das FISG-Gesetz
… die Frage, was der Wirecard-Skandal über den Finanzstandort Deutschland und die hiesige Fintechszene aussagt

Den FinanceFWD-Podcast gibt es auch bei SpotifyDeezer oder iTunes. Wenn Euch das Format gefällt, freuen wir uns über jede positive Bewertung!

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