Check24-Zentrale in München (Bild: IMAGO / Ralph Peters).

Kehrtwende: C24 Bank führt Girocard ein

Das Vergleichsportal Check24 versuchte zum Start der eigenen Bank, ohne „EC-Karte“ auszukommen. Die Strategie ging nicht auf – und die C24 Bank führt die Girocard doch noch ein, wie Finanz-Szene berichtet.

Der Trend und damit die Zeit laufen gegen die Girocard. Das ist zumindest der Eindruck, den man in den vergangenen Jahren beim Blick auf die Kartenstrategien der deutschen Banken gewinnen musste. Immer mehr Institute führten eine konkurrierende Debitkarte von Mastercard oder Visa ein. Manche machten sie – auf Kosten der Girocard – sogar zum Top-of-Wallet-Produkt. Kein Wunder, dass Neobanken wie N26 oder die Solarisbank die Girocard erst gar nicht im Portfolio haben.

Die Frage drängt sich also auf: Ist die „EC-Karte“, wie sie von vielen Menschen immer noch genannt wird, ein Auslaufmodell? Geht es komplett ohne Girocard?

Ja, geht es. Glaubte jedenfalls auch der Vergleichsriese Check24, als er im Oktober 2020 eine eigene Retailbank namens „C24 Bank“ ins Rennen schickte. Ziemlich genau ein Jahr später fällt die Antwort aber plötzlich anders aus. Nach exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de will die C24 Bank die Girocard (neben der bislang stand-alone vertriebenen Mastercard Debit) nun doch ins Portfolio aufnehmen. Das Angebot gilt für die Nutzer der kostenpflichtigen Kontomodelle „Plus“ oder „Maxkonto“ ebenso für – bei aktiver Kontonutzung – die Gratiskunden. Zusätzliche Gebühren fallen keine an.

Man geht sicherlich nicht zu weit, wenn man den Schritt als Eingeständnis wertet, dass es ohne die Girocard offenbar schwieriger ist, Kunden zu einer aktiv genutzten Bankverbindung zu bewegen – gerade wenn man, anders als viele sonstige Neobanken, nicht in erster Linie auf eine junge, urbane Klientel abzielt. Mit der nachträglichen Einführung der Girocard komme die C24 Bank dem Wunsch vieler Kunden nach, sagt Lasse Schmid, des Generalbevollmächtigte in Frankfurt ansässigen Instituts: „Vor allen Dingen in ländlichen Regionen und bei kleinen Händlern erhöht sich durch die Girocard noch einmal die Zahl der Akzeptanzstellen.“

Innerhalb der klassischen Kreditwirtschaft dürfte die Kehrtwende von Check24 mit Genugtuung aufgenommen werden. Zumal die Verfechter ja nicht müde werden zu betonen, dass auf die Girocard immer noch 40 Prozent aller Umsätze im stationären Einzelhandel entfallen – auch wenn das jahrelange Wachstum zuletzt abrupt stoppte. Zum Vergleich: Laut Zahlen des EHI Retail-Instituts kam die Mastercard Debit 2020 immer noch auf einen POS-Marktanteil von nur knapp 1 Prozent.

Während Challenger-Banken wie N26 oder Vivid Money dem Beispiel der C24 Bank eher nicht folgen werden, könnte die Entscheidung in den Vorstandsetagen einiger klassischer Banken sehr wohl zu Diskussionen führen – namentlich bei solchen Instituten, die überlegen, die Girocard wegen ihrer mangelnden Online-Fähigkeit und eingeschränkten Auslands-Fähigkeit perspektivisch komplett zu ersetzen.

Übrigens: Wie viele Kunden die C24 Bank ein Jahr nach Marktstart hat, wollte Check24 auf Anfrage nicht präzisieren. Man sei „zufrieden“ mit der Kundenentwicklung und orientiere sich aktuell eher an Features und Usability und nicht auf – am Markt in der Regel teures – Neukundenwachstum.

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