Baufi24 sitzt in Hamburg (Bild: Niklas Ohlrogge on Unsplash)

Private Equity bläst zum Angriff auf Interhyp und Dr. Klein

Unter Leitung des Private-Equity-Fonds Nordic Capital tun sich mehrere Baufinanzierungs-Player zusammen. Darunter Baufi24, das im Zuge des Deals mit grob 130 Millionen Euro bewertet wird. Was steckt hinter der neuen Allianz?

Revolte im deutschen Baufinanzierungs-Markt: Einer der größten europäischen Finanzinvestoren, Nordic Capital, fordert die beiden Platzhirsche Interhyp und Hypoport („Dr. Klein“) heraus. Wie gestern mitgeteilt wurde, schmiedet der schwedische Private-Equity-Fonds zu diesem Zweck ein Bündnis zwischen der Baufi24 aus Hamburg, der Hüttig & Rompf AG aus Frankfurt sowie der Creditweb GmbH aus Köln.

Die drei Baufinanzierungs-Vermittler sind für sich genommen zwar weit kleiner als Interhyp und Dr. Klein, kommen zusammen allerdings auf ein vermitteltes Volumen von rund 5 Milliarden Euro. Zur Einordnung: Beim milliardenschweren Berliner Kreditvermittler Hypoport summierte sich das unter der Marke „Dr. Klein“ betriebene Endkunden-Geschäft im vergangenen Jahr auf 9,9 Milliarden Euro – keine komplett andere Dimension.

Baufi24, Hüttig & Rompf sowie Creditweb bleiben als eigenständige Gesellschaften erhalten. Die Anteile an den drei Unternehmen indes wandern unter das Dach einer neu gegründeten Holding, die als Bilthouse Gruppe firmiert. An dieser Holding sind zwar auch die diversen Altgesellschafter beteiligt – darunter neben den jeweiligen Gründern auch die beiden Venture-Capital-Firmen btoV und Helvetia, die im vergangenen Jahr eine 6,7 Millionen Euro schwere Finanzierungsrunde bei Baufi24 gestemmt hatten. Indes: Die Mehrheit an der Holding liegt künftig mit mehr als 50 Prozent der Anteile bei Nordic Capital.

Zu den finanziellen Rahmendaten des Deals schwiegen sich die beteiligten Parteien gestern aus. Laut exklusiven Informationen von Finance Forward und Finanz-Szene.de soll aber allein Baufi24 bei der Transaktion mit grob 130 Millionen Euro bewertet worden sein. Die Taxierung der beiden anderen Player ist unklar. Gemessen am vermittelten Volumen allerdings (2,85 Milliarden Euro in 2021) ist Hüttig & Rumpf sogar größer als Baufi24 – auch wenn Baufi24 als rasant wachsender, digital geprägter Player mutmaßlich auf die höhere Bewertung bei dem Deal gekommen sein dürfte.

Grob geschätzt dürfte man nicht völlig verkehrt liegen, wenn man der neuen Bilthouse Gruppe einen vermuteten Unternehmenswert von zumindest grob 200 bis 250 Millionen Euro zubilligt. Zumal: Nordic Capital hat nicht nur in die Übernahme von Anteilen investiert, sondern injiziert darüber hinaus weitere 30 Millionen Euro Cash in die neue Gesellschaft. Als „Primärinvestition“, wie es heißt – eine Formulierung die darauf hindeuten könnte, dass der mit tiefen Taschen ausgestattete schwedische Finanzinvestor gewillt ist, bei Bedarf nachzulegen. Weitere Übernahmen seien für den Moment aber keine geplant, ist zu hören.

Pikant: Die neue Gruppe wird geführt von einem Ex-Interhyp-Manager

Die Baufi24 ist von Haus aus ein Spezialist für Lead-Gewinnung. Heißt: Das 2006 gegründete Startup sammelte in den Anfangsjahren per Online-Marketing die Kontakte von potenziellen Kreditnehmern, um diese Kontakte dann an Baugeld-Vermittler und sonstige Marktteilnehmer weiterzureichen. In der jüngeren Vergangenheit wandelte sich das Hamburger Unternehmen jedoch immer stärker selber zum Vermittler – und unterstrich diesen Kurs vor zwei Jahren durch die Verpflichtung von Tomas Peeters, einstiger Strategiechef der ING Diba und vor seinem Wechsel zu Baufi24 Vorstand beim Rivalen Interhyp.

Zum neuen CEO Peeters gesellte sich kurz darauf als neuer Aufsichtschef der frühere Interhyp-Vorstandschef Michiel Goris. Und: Zur ungefähr gleichen Zeit erfolgte auch die Übernahme des auf CRM-Systeme für Baufinanzierungen spezialisierten Berliner Fintechs Loanlink. In dem neuen Dreier-Konstrukt mit Hüttig & Rompf sowie Creditweb dürfte Baufi24 nunmehr die faktische Führungsrolle zukommen – was sich auch daran zeigt, dass Vorstandschef Peeters in Personalunion auch die CEO-Rolle in der neuen Holding einnimmt.

Gleichwohl betonte Peeters gestern im Gespräch mit Finanz-Szene und Finance Forward die Eigenständigkeit der drei Unternehmen – und den komplementären Charakter des neuen Bündnisses. Tatsächlich verfolgt die Frankfurter Hüttig & Rompf AG, gegründet Ende der 80er, ein dezidiert anderes Geschäftsmodell als Peeters’ Baufi24. Mit rund 300 Mitarbeitern lebt der Offline-Player von seinen langjährigen Beziehungen zu großen Bauträgen und Immobilienmaklern.

Heißt in der Praxis beispielsweise: Wenn ein auf Wohnimmobilien spezialisierter Projektierer seine im Bau befindlichen Eigentumswohnung vermarktet, dann hat er in vielen Fällen mit Hüttig & Rompf den passenden Baufi-Vermittler gleich hintendran. Im Gegensatz dazu gilt Creditweb als stark bei Vertriebspartnerschaften – während Baufi24 neben der Online-Kompetenz in den vergangenen Jahren auch einen starken Offline-Kanal aufgebaut haben. Konkret betrieben die Hamburger (nach dem Vorbild von Dr. Klein) zuletzt rund 80 Geschäftsstellen, überwiegend auf Franchise-Basis. Die physischen Standorte von Hüttig & Rompf sowie Creditweb eingerechnet, kommt die neue Gruppe sogar auf etwa 130 Geschäftsstellen.

Aus Sicht von Nordic Capital ist der Einstieg in die deutsche Baufi-Vermittlung, gelinde gesagt, mutig. Denn: Kein Fintech und kein klassischer Player hat sich in den vergangenen Jahren ernsthaft gegen das Duopol von Interhyp und Hypoport aufgelehnt – auch nicht der Vergleichs-Gigant Check24, der zwar ein Baufi-Portal unterhält, allerdings basierend auf einer Kooperation mit Hypoport.

Im B2B-Bereich dürfte die Vormachtstellung von Interhyp mit der Prohyp-Plattform sowie Hypoport mit den drei Plattformen Europace, Genopace und Finmas nicht zu knacken sein. Doch auch im B2C-Bereich ist der Abstand zwischen den beiden Marktführern und der Konkurrenz gewaltig. Zumal Interhyp sogar noch einmal deutlich größer ist als (siehe oben) der Rivale Hypoport mit Dr. Klein: Im vergangenen Jahr kamen die Münchner auf ein insgesamt vermitteltes Volumen von grob 34 Milliarden Euro. Brancheninsider schätzen, dass grob die Hälfte hiervon auf den B2C-Betrieb entfallen ist.

Das Kalkül der Nordic Gruppe dürfte sein: Wenn die Plattformisierung in der privaten Baufinanzierung weiter voranschreitet, dann ist im Markt genügend Platz auch für einen dritten großen B2C-Player.

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