Blockchain-Unternehmer Gerhard Schmid 2018 in München (Bild: Catherina Hess/SZ Photo)

Mobilcom-Gründer scheitert mit Blockchain-Startup

Exklusiv: Gerhard Schmid war das Gesicht für Aufstieg und Niedergang des Neuen Marktes. Mit einem Blockchain-Projekt wagte er vor einem Jahr den Neustart – und muss nun, nur wenige Monate später, wieder aufgeben.

Voller Hoffnung war das kleine Entwicklerteam Ende 2018 nach Südkorea gereist. Für ihr Blockchain-Startup wollten sie Millionen einwerben. Auf einer Konferenz mit dem Namen „Next Satoshi“ stellte der Gründer das Projekt Baas.Business vor, eine Art Appstore für die Blockchain. So berichtet es ein ehemaliger Mitarbeiter.

Das allein wäre noch keine große Geschichte. Wäre da nicht der Kopf des Projektes: Gerhard Schmid, heute 67 Jahre alt, einst ein Star des Neuen Marktes, der den Mobilfunkanbieter Mobilcom groß machte und an die Börse brachte. Zu Hochzeiten war das Unternehmen mehrere Milliarden wert. Gründer Gerhard Schmid zählte auf dem Papier zu den 100 reichsten Deutschen. Doch er stürzte genauso spektakulär ab: Als die New Economy zusammenbrach, musste er Privatinsolvenz anmelden.

Auch Schmids unternehmerischer Neustart mit dem Blockchain-Startup ist nach einem Jahr schon wieder vorbei. Das zeigen Recherchen von Finance Forward und Capital. Baas.Business ist pleite, kürzlich hat Schmid den Antrag auf Insolvenz gestellt. Der umstrittene Gründer beerdigt damit seine großen Pläne.

Der Hype um die Blockchain hatte ihn im vergangenen Jahr angezogen. Er habe sich, so Schmid zur SZ, gefragt: „Wo muss ich drehen, damit unten Geld rauskommt?“ Mit seinem Start-up wollte er das Rädchen gefunden haben.

Schmid setzte etwa auf das Potenzial der Technologie, Patientenakten mithilfe der Blockchain fälschungssicher zu speichern. Schmids App­store sollte helfen, Anbietern Kunden zu bringen. Als erster Anwendungsfall plante das Startup, Unterschriften mithilfe der Blockchain zu digitalisieren. Startkapital habe Schmids Familie gegeben, hieß es. Für die Suche nach größeren Investoren reiste er mit seinem Team um die Welt.

Bis 2023 wollte er laut einer internen Präsentation bis zu 78 Millionen Euro einsammeln. Die Geldgeber wollte er mit einem Wertpapier anlocken, das 18 Prozent Zinsen versprach. Die Resonanz in Südkorea soll trotz des verlockenden Angebots verhalten gewesen sein, berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter.

So geriet der Unternehmensaufbau bald ins Stocken. Schon im Frühjahr 2019 soll die Firma Mitglieder des kleinen Entwicklerteams nicht mehr bezahlt haben, berichten mehrere ehemalige Mitarbeiter. Einer von ihnen hat vor dem Hamburger Landgericht ein Urteil gegen das Startup erwirkt – denn es schuldete ihm insgesamt 15.470 Euro. Das Urteil liegt Capital und Finance Forward vor. Mehrere der Mitarbeiter verließen das Startup nach kurzer Zeit wieder, weil sie nicht bezahlt wurden.

Schmid versuchte noch mit einem kleinen Team weiterzumachen – vergeblich. Im Oktober war dann endgültig Schluss. Er habe es nicht geschafft, eine Anschlussfinanzierung einzuwerben, teilt Schmd mit. Der Insolvenzverwalter sucht nun Käufer für eine halbfertige Technologie.

Die Meldung erscheint auch in der neuen Capital 01/2020. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, hier zur Digital-Ausgabe bei iTunes und GooglePlay

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