Der Auto1-Vorstand Christian Bertermann, Hakan Koç, Markus Boser (von links)

Wie Auto1 mit einem Fake-Fintech Copycats abschütteln wollte

Das Berliner Startup Auto1 hat gerade den größten europäischen Tech-Börsengang hingelegt. Wie nun bekannt wurde, taten die beiden Gründer anfangs so, als würden sie ein Fintech aufbauen. Die Geschichte eines irren Täuschungsmanövers.

Der erste Frankfurter Börsengang in diesem Jahr hat es in sich: Auto1, die Firma hinter der Plattform wirkaufendeinauto.de, stieg gleich am ersten Tag um fast 50 Prozent im Wert – die Firma wird dabei mit 11,7 Milliarden Euro bewertet. Ein großer Erfolg für die beiden Gründer Hakan Koç und Christian Bertermann sowie die frühen Geldgeber wie Cherry Ventures.

Anlässlich des Börsengangs hat Cherry-Investor Filip Dames nun eine Geschichte aus der wilden Anfangszeit von Auto1 bestätigt, die seit Jahren in der Szene kursiert. „Aus Sorge andere würden das Geschäftsmodell kopieren, hielten sich alle Gesellschafter an die Geschichte, dass Hakan und Christian offiziell eine ‚Credit Card Fraud Analytics Company‘ gegründet hätten“, schreibt er in einem Blogbeitrag. Bertermann und Koç gingen mit ihrer vorgetäuschten Gründungsidee noch weiter. Sie starteten eine eigene Fakegesellschaft unter dem Namen Blueshield UG, wie Finance Forward aus dem Firmenumfeld erfuhr. Die Gesellschaft besteht bis heute.

Die Auto1-Gründer tarnten sich also anfangs als Fintech-Startup, um nicht kopiert zu werden. Besondere Angst sollen die Macher vor Oliver Samwer gehabt haben, heißt es in der Berliner Startup-Szene. Der Rocket-Chef war in dieser Zeit dafür berüchtigt, erfolgreiche Geschäftskonzepte zu kopieren.

Die ersten drei Jahre verschanzte sich Auto1 am Berliner Stadtrand, statt sich wie andere Startups mitten in Berlin zu präsentieren. „Sie hatten sogar zahlende Kunden und einen Investor, der in die Fakegesellschaft investieren wollte“, schreibt Dames. Als sie dann ihre tatsächliche Gesellschaft gründeten, ernannten sie sich selbst nicht einmal zu Geschäftsführern, um weiter unter dem Radar zu bleiben. Der Plan funktionierte.

Mit den späteren realen Fintech-Plänen von Auto1 lief es dagegen weniger rund. Die Gesellschafter verkrachten sich und trugen den Streit öffentlich aus. Auto1 hat einen Großteil seiner Anteile verkauft und befindet sich nun in einem Markenstreit mit den neuen Eigentümern, wie aus dem Börsenprospekt hervorgeht.

Die komplette Entstehungsgeschichte hinter Auto1 lest ihr auf Capital.de. Das Magazin erhielt 2019 einen exklusiven Einblick in den Maschinenraum des Unternehmens, das die Geheimhaltung pflegt.

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