Stehauf-Gründer: Vivid-Gründer Alexander Emeshev will im zweiten Versuch erfolgreich werden (Foto: [M] Caroline Pitzke / manager magazin)

„Wir mussten sparsam sein, um zu überleben“

Alexander Emeshev hat die Neobank Vivid Money in Berlin aufgebaut – und im vergangenen Jahr radikal den Kurs gedreht: Er richtet sich nun an Geschäftskunden und scheut auch einen Preiskampf nicht, um sich gegen Milliardenkonkurrenten zu behaupten.

Alexander Emeshev (40) scheut den Kontakt mit der Konkurrenz nicht. Jeden Tag beobachte er genau, was die Banking-Apps treiben, ob sie ein neues Feature einführen oder einen Tarif ändern, erzählt der Chef von Vivid Money, der lange als ernst zu nehmender Herausforderer der Neobanken N26 und Revolut galt. Mit aggressivem Marketing war sein Fintech schnell gewachsen. Es erhielt 200 Millionen Dollar als Finanzierung von Investoren wie Softbank oder Ribbit – zu einer Bewertung von 750 Millionen Euro. Vor rund einem Jahr beschloss Emeshev dann einen radikalen Schnitt und fuhr das Marketing für Endkunden komplett herunter. Seitdem fokussiert sich Vivid Money auf Geschäftskunden.

Heute bedient Emeshev 100.000 Freiberufler und Firmen mit der eigenen Konto-App. In diesem Jahr will er diese Zahl noch einmal verdoppeln, sagt Emeshev im Finance-Forward-Podcast.

Dafür tritt das Fintech wieder mit aggressiven Zinsangeboten im Markt auf und will sich damit gegen Fintechs wie Finom oder Qonto durchsetzen. Der Vorteil des Strategiewechsels sei, dass man pro Produkt mit besseren Margen rechnen könne, so Emeshev. Die Gebühr bei der Verwendung einer Karte ist im Geschäftsbereich etwa höher als bei Endkunden.

Verbrannte Vivid Money in der Hochphase viel Geld, sei man nun besser aufgestellt: Würde die Firma das Marketing einstellen, sei sie profitabel, sagt der Gründer. Das gebe ihm als Chef die Wahl, ob er neues Geld für das Wachstum suche – oder einfach erst einmal das Marketing runterfahre.

Im Gegensatz zu wichtigen Finom oder Qonto komme sein Unternehmen aus einem Markt mit extrem niedrigen Margen – und habe deswegen Team und Technik genau darauf eingestellt. „Wir mussten sparsam sein, um zu überleben“, sagt der Gründer. Deswegen stelle er sich schon darauf ein, bei einem starken Wettbewerb die Preise weiter zu senken.

Über seine großen Pläne, die hohe Bewertung aus Hype-Zeiten und die Hintergründe des Pivots hat manager-magazin-Redakteur Caspar Schlenk mit Alexander Emeshev gesprochen.

Im Podcast „Finance Forward“ sprechen wir alle zwei Wochen mit den spannendsten Persönlichkeiten aus der neuen Finanzwelt – über Fintechs, Fonds, Krypto und Family-Offices. Sie können den Podcast über manager-magazin.de sowie auf SpotifyApple und Deezer abonnieren.