Neuer Ansatz: Seriengründerin Jessica Holzach glaubt, dass „der aktuelle KI-Push nicht unbedingt hilft, ein Funding-Modell wie Fintech zu beleben“. (Foto: [M] Christian Goksu / 0TO9)

Wie Seriengründerin Jessica Holzbach künftig 1000 Fintechs bauen will

Nach zwei erfolgreichen Exits wechselt die Seriengründerin die Seiten. Als Deutschlandchefin des schwedischen Company Builders 0to9 will sie dem hiesigen Fintech-Ökosystem neuen Anschub geben. Die Details ihres Plans verrät sie im Podcast.

An Angeboten mangelte es Jessica Holzbach (35) nach ihrer beruflichen Auszeit nicht. Die Seriengründerin, die mit Penta und Pile bereits zwei Fintechs erfolgreich aufgebaut und verkauft hat, ist in der Finanzszene bestens vernetzt. Investoren, Banken und andere buhlten um ihre Dienste – „es war tatsächlich alles einmal dabei“, berichtet sie im aktuellen Finance-Forward-Podcast. Trotzdem fiel ihr auf: Die Dynamik im Markt hat merklich nachgelassen. „Ich glaube, dass der aktuelle KI-Push auch nicht unbedingt hilft, ein Funding-Modell wie Fintech zu beleben, weil es einfach ein bisschen länger dauert, diese Unternehmen aufzubauen“, sagt sie.

Ihre eigene Euphorie für das Thema ist ungebrochen. Sie sehe noch enormes Potenzial für neue Geschäftsmodelle. Auch deswegen entschied sich Holzbach für ihre neue Rolle – und hat nun die Seiten gewechselt: Statt selbst das nächste Start-up zu gründen, leitet sie das Deutschlandgeschäft für den Company-Builder 0to9 und will Gründerinnen und Gründer künftig von der Idee bis zur Profitabilität begleiten.

Die Firmenschmiede aus Schweden, gegründet vom ehemaligen Bankmanager Tord Topsholm, versteht sich als „Bank für Unternehmertum“. Sie bietet Start-ups neben Kapital auch einen administrativen Unterbau. Fintechs können Kernfunktionen wie IT, Compliance oder Marketing an die Plattform auslagern und sparen sich so langwierige und teure Eigenentwicklungen. Besonders spannend dürfte aber die schwedische Banklizenz sein, die Portfoliounternehmen über 0to9 zugänglich gemacht wird. Die Idee sei, dass die Lizenz über das sogenannte EU-Passporting auch nach Deutschland gebracht werde, verrät Holzbach. Unternehmen könnten damit hierzulande deutlich schneller Finanzangebote auf den Markt bringen.

Das Modell von 0to9 sieht zwei Wege vor: die Finanzierung bestehender Teams und den Aufbau komplett neuer Ideen nach klassischem Inkubatorvorbild. In letzterem Fall sichert sich der Finanzier deutlich mehr Anteile an dem neuen Start-up. „Wir nehmen dann oft Mehrheitsanteile, weil wir die Unternehmen auch bis zur Profitabilität durchfinanzieren“, sagt Holzbach. Die unternehmerische Freiheit der Gründer solle trotz Minderheitsbeteiligung gewahrt bleiben, betont sie. „Wir sind alle ehemalige Gründer und wissen, wie wenig man von außen den Ton angeben kann, wenn man nicht mitten im Daily-Business ist.“

Die Ambitionen des Teams sind groß. 1000 neue Fintechs sollen in den nächsten 20 Jahren entstehen. Und die Projekte sollen bereits nach ein bis zwei Jahren profitabel wirtschaften. Doch die Erwartung sei nicht, dass jedes Projekt zum Milliardengeschäft wie bei N26 werde. „Für uns wäre es auch in Ordnung, wenn es nischiger bleibt, profitabel wird und sich selbst trägt, zum Beispiel der absolute Spezialist in Autofinanzierung“, sagt die Managerin.

Welche Lehren Jessica Holzbach aus ihrer Zeit beim Inkubator Finleap gezogen hat, was sie nun besser machen will – und welche Rolle KI dabei spielen soll: Darüber hat sie im Podcast mit manager-magazin-Redakteur Caspar Schlenk gesprochen.

Im Podcast „Finance Forward“ sprechen wir alle zwei Wochen mit den spannendsten Persönlichkeiten aus der neuen Finanzwelt – über Fintechs, Fonds, Krypto und Family-Offices. Sie können den Podcast über manager-magazin.de sowie auf SpotifyApple und Deezer abonnieren.