Timeless Investments: Berliner Fintech klagt nach Schließfachraub erneut gegen Versicherung
Drei Jahre nach dem spektakulären Uhrenraub in Berlin-Charlottenburg wartet Timeless Investments noch immer auf Entschädigung. Nun zieht das Berliner Start-up, hinter dem die Investoren EQT und Porsche stehen, erneut gegen die Mannheimer Versicherung vor Gericht.
Drei Jahre ist der spektakuläre Schließfachraub in Berlin-Charlottenburg her. Ähnlich wie jetzt um die Weihnachtstage in der Sparkasse Gelsenkirchen verschaffte sich damals eine Gruppe Vermummter trickreich Zutritt zu einer Tresoranlage. An einem Samstag räumten sie Hunderte Schließfächer leer und erbeuteten unter anderem rund 1000 Luxusuhren. Der Gesamtschaden wurde zwischenzeitlich auf 49 Millionen Euro geschätzt, die Richter gingen während der späteren Verhandlung von nur noch mindestens 17,6 Millionen Euro aus.
Der Fall erschütterte damals auch zwei bekannte deutsche Start-ups: das Fintech Timeless Investments und den Online-Luxusuhrenhändler Watchmaster. Letzterer musste aufgrund des entstandenen Schadens nur einen Monat später Insolvenz anmelden. Für beide Unternehmen begann ein juristisches Gezerre. Sowohl der Insolvenzverwalter von Watchmaster als auch die Führung von Timeless Investments kämpfen um Entschädigung. Die Mannheimer Versicherung AG nämlich, bei der die Wertgegenstände versichert waren, hat den Schaden bislang nicht erstattet.
Nun kommt neue Bewegung in den Fall. Wie Timeless Investments auf seiner Website bekannt gibt, hat es erneut Klage gegen das Versicherungshaus beim Landgericht Berlin eingereicht. Auf Anfrage wollte sich CEO Malte Häusler (45) zum aktuellen Geschehen nicht äußern. Auch ein Sprecher der Mannheimer Versicherung erklärte, man kommentiere keine laufenden Verfahren.
Vorherige Klage blieb erfolglos
Unter der Marke Timeless bietet Häusler Anlegerinnen und Anlegern die Chance, in Sachwerte wie Luxusuhren, Sneakers, Whisky oder gar Oldtimer zu investieren. Das 2018 gegründete Berliner Start-up kauft die Sammlerstücke, lagert sie in Tresoren ein und verkauft tokenisiert Anteile daran schon ab 50 Euro, die auch über die Plattform handelbar sein sollen. Hinter der Firma stehen prominente Investoren: Aktuell sind EQT Ventures und Porsche Investment die größten Shareholder.
Das Problem: Die 2022 in der Berliner Fasanenstraße geraubten Wertsachen sind bis heute verschollen. Solange die Versicherung nicht zahlt, können die Anlegerinnen und Anleger ihre über Timeless erworbenen Anteile nicht zu Geld machen.
Bereits Ende 2023 hatte Timeless Klage gegen die Mannheimer Versicherung eingereicht, diese jedoch später wieder zurückgezogen, um zunächst den Ausgang des damaligen Strafverfahrens abzuwarten. Auch der Insolvenzverwalter von Watchmaster, Philipp Hackländer, war bereits gegen die Versicherung vorgegangen, blieb jedoch erfolglos. Das Gericht entschied seinerzeit, die Mannheimer Versicherung dürfe die Schadensregulierung bis zum Abschluss der polizeilichen Ermittlungen aufschieben.
Die sind längst abgeschlossen. Bereits seit Juli 2024 liegt ein Urteil vor: Vier Männer, teils dem Clan-Milieu zugeordnet, wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Auch der Geschäftsführer der Tresoranlage wurde schuldig gesprochen. Er hatte gestanden, den Tätern den Zugang zu den Räumlichkeiten ermöglicht zu haben. Der Richter sprach bei der Urteilsverkündung von hoher krimineller Energie; die Spur der Beute habe sich jedoch verloren.
Es dauerte anschließend Monate, bis Timeless Investments endlich Einblick in Teile der Ermittlungsunterlagen und die schriftliche Urteilsbegründung erhalten hatte. Die Mannheimer Versicherung habe in der Folge trotz Aufforderung eine Entschädigungszahlung abgelehnt, so das Unternehmen. Die Gründe dazu bleiben bislang offen und dürften nun im Gerichtsverfahren erörtert werden.