Taxbutler-Gründer Matthias Raisch (Bild: PR)

Exklusiv: Ermittlungen gegen Taxbutler-Gründer eingestellt – neue Steuer-App in Planung

Um das Steuer-Startup Taxbutler gab es immer wieder Streit – unter anderem wurde dem Gründer Matthias Raisch Untreue vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat die Ermittlungen allerdings gestoppt. Und Raisch hat schon ein neues Projekt.

Für ein kleines Startup, das in der Spitze aus einem gerade mal zweiköpfigen Team bestand, hat Taxbutler schon für mächtig Wirbel gesorgt. Es fing damit an, dass der damalige Finanzstaatssekretär (und heutige Gesundheitsminister) Jens Spahn in den Anbieter einer Steuererklärungs-App investierte – als die Beteiligung öffentlich wurde, musste Spahn heftige Kritik für diesen Interessenkonflikt einstecken. Der Politiker verteidigte das Investment erst als hilfreiche Erfahrung und Taxbutler als „pfiffige Idee“ – nach wenigen Tagen knickte er aber ein und kündigte an, seinen Anteil wieder zu verkaufen.

Dann musste die Betreiberfirma Pareton im Sommer 2018 Insolvenz anmelden, den Geschäftsbetrieb einstellen und den einzigen Mitarbeiter entlassen. „Für die Skalierung des Geschäftsmodells und die Weiterentwicklung der Software hätten wir mehr Geld gebraucht“, erklärte Gründer und Geschäftsführer Matthias Raisch damals dem Spiegel. „Eine neue Finanzierungsrunde ist aber leider nicht zustande gekommen.“

Und kurze Zeit später stellten schließlich mehrere Gesellschafter Strafanzeige gegen Raisch und beschuldigten ihn, Firmengelder veruntreut zu haben. Der Geschäftsführer habe zwischen Januar und Juni 2018 „zweifelhafte und fragwürdige Zahlungen“ in Höhe von mehr als 12.000 Euro über Geschäftskonten getätigt, heißt es in der Anzeige. Unter anderem war von Juwelierrechnungen (2.800 Euro), Kosten für eine Ferienwohnung in Italien (500 Euro) und mehreren hundert Euro für Essen und Wein an einem Wochenende die Rede.

Nach Informationen von Finance Forward hat die zuständige Staatsanwaltschaft Stuttgart das Ermittlungsverfahren wegen vorgeblicher Untreue inzwischen eingestellt. Es habe nicht ausreichend Anhaltspunkte für eine Anklageerhebung gegeben, so Staatsanwalt Heiner Römhild.

Das Insolvenzverfahren der Pareton GmbH läuft unterdessen weiter. Die wichtigsten Assets der Firma sind bereits im Juni verkauft worden: Das Nürnberger Fintech Billomat, das eine Buchhaltungssoftware für Gründer und Unternehmer anbietet, übernahm Code, Domain und Marke von Taxbutler. Bis Ende des Jahres wollte Geschäftsführer Paul-Alexander Thies die App überarbeiten und unter dem Namen Steuer2Go wieder auf den Markt bringen. Der Plan stehe weiterhin, heißt es von Billomat – auch wenn sich das Ganze als etwas komplizierter als gedacht herausgestellt habe. So habe man „festgestellt, dass es hinsichtlich der Sicherheit und Performance Mängel gab“, weswegen das Billomat-Team „daraufhin dieses Jahr eine neue App entwickelt“ habe, so Geschäftsführer Thies. Noch vor Weihnachten soll Steuer2Go in den App-Stores zu finden sein.

Taxbutler-Gründer Matthias Raisch ist nach eigenen Angaben in seinen ursprünglichen Beruf im Vertrieb betrieblicher Altersvorsorge zurückgekehrt. Und er hat ein neues Steuer-App-Projekt, auch wenn er angibt, dafür „nur unterstützend“ tätig zu sein: Steuergott.com, ein Angebot der srs Fintech UG, deren Geschäftsführer Raisch ist. Neben Raischs Ehefrau sind Sebastian Schedlbauer aus München und die Kommunikationsagentur Storming aus Leonberg bei Stuttgart Gesellschafter. Deren Geschäftsführer Arthur Schenk erklärt, er habe die Idee dafür mit Schedlbauer entwickelt und Raisch zum Start hinzugezogen – der gescheiterte Taxbutler-Gründer sei für Koordination und Organisation in der ersten Zeit geholt worden. „Wir hatten Lust, das Ding nochmal ganz neu aufzusetzen“, erzählt Schenk. „Herr Raisch hat Taxbutler trotz einigen Geldern nicht zum Laufen bekommen. Wir haben ihn gefragt: Warum bist du gescheitert?“ Daraus habe man Lehren gezogen und fange nun noch einmal von vorne an. Im Moment befinde sich die App in einer Testphase. Und Anfang 2020 soll Raisch zumindest als Geschäftsführer wieder ausscheiden.

Dass Raisch nach dem Asset-Deal mit Billomat einen neuen Konkurrenten hochzieht, sieht das Nürnberger Fintech nicht als Problem. „Wir bei Billomat und Steuer2Go freuen uns über jeden Marktbegleiter, da so dem Thema Fintech und Steuern immer größere Aufmerksamkeit geschenkt wird“, sagt Geschäftsführer Thies. „Ein Wettbewerbsverbot zu vereinbaren, war für uns deshalb nie ein Thema.“

Der mit Abstand wichtigste „Marktbegleiter“ ist ohnehin das Berliner Startup Taxfix, das mit etwa 40 Millionen Euro finanziert ist und zu dessen Investoren etwa der deutsch-amerikanische Milliardär Peter Thiel gehört, der auch das spektakuläre Wachstum von N26 finanziert. Ob die kleinen Wettbewerber gegen diese Übermacht überhaupt ausrichten können, wird zu sehen sein.

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