Die Sparkasse Düsseldorf (Bild: imago)

Sparkasse oder Solarisbank? Wo Startups ihre Fundings bunkern

Skalierende Startups wollen ganze Branchen neu erfinden und digitalisieren. Doch wie halten sie es mit ihrer eigenen Bank? Setzen sie auf traditionelle Häuser wie die Sparkasse – oder lagern sie ihr Kapital bei den Finanz-Startups? Eine Analyse.

Bei Neobanken mit Begriffen wie „traditionell“ und „damals“ zu hantieren, ist vermutlich eher schräg. Heute machen wir es trotzdem mal: Traditionell kommen Neobanken im eigenen Metier, sprich bei Startups, eher selten zum Zuge. So zumindest hatten wir es vor zwei Jahren mal festgestellt, als wir untersucht hatten, welche jungen Unternehmen auf welche „Hausbank“ vertrauen. Das Ergebnis damals: Die meisten Startups setzen bei der Wahl ihres Geldinstituts eher auf Sparkassen, Volksbanken und sonstige klassische Institute – und weniger auf die Challenger-Banken.

Doch ist das immer noch so?

Die aufs KMU-Segment spezialisierten Neobanken waren in den zurückliegenden zwei Jahren ja alles andere als untätig. Der Berliner Business-Banking-Spezialist Penta kam nach unseren Berechnungen zuletzt auf eine Bewertung von 300 Millionen Euro und dürfte inzwischen deutlich mehr als 40.000 Kunden zählen. Die auch im deutschen Markt aktive französische KMU-Bank Qonto wiederum wurde von Investoren letztes Jahr mit sagenhaften 4,4 Milliarden Euro taxiert. Und auch weitere ausländische Fintech-Banken wie Finom oder Revolut dienen sich mittlerweile hiesigen GmbHs an.

Bekommen die Alt-Banken die neue Konkurrenz inzwischen zu spüren? Um das herauszufinden, haben wir – erneut mithilfe unseres Recherche-Partners Startupdetector – unsere Analyse von 2020 wiederholt. Basis für die Zählung sind die Konten, auf die das Geld aus den Finanzierungsrunden der Startups fließt. Für die Auswertung untersuchte Startupdetector sämtliche Kapitalerhöhungen junger deutscher Unternehmen zwischen Mitte November 2021 bis Ende März 2022. Insgesamt gab es in diesem Zeitraum 1.004 Fundings, von denen sich bei 275 Fundings dem Handelsregister entnehmen ließ, bei welchem Institut das Eigenkapital lagert.

Hier, was bei der Untersuchung herausgekommen ist:

Zumindest auf den ersten Blick muss man zwar konstatieren: Die Tradition der Traditionsbank scheint bei den Startups ungebrochen. Von den 275 analysierten Jung-Unternehmen haben 43 Prozent ihr Geschäftskonto bei einer Sparkasse oder Volksbank, weitere 41 Prozent bei einer der hiesigen Großbanken. ABER: Mit einem Anteil von immerhin acht Prozent taucht auch die Solarisbank – also eine Fintech-Bank – jetzt weiter vorn im Ranking auf. Dies ist zumindest ein Achtungserfolg, auch wenn unklar bleibt, auf welche Endkunden-Bank(en) die Mandate entfallen (da die Solarisbank als „Banking as a Service“-Spezialist ja selbst am Frontend nicht auftritt). Der wahrscheinlichste Kandidat, zumindest für die Mehrzahl der Mandate, ist Penta. Daneben käme theoretisch auch Finom infrage.

Fast noch interessanter: Beschränkt man sich bei den 275 Startups auf jene, die in den zurückliegenden zwei Jahren gegründet wurden (also 2020 oder 2021), dann fällt die Aufholjagd der Solarisbank (bzw. ihrer B2C-Partner) sogar noch stärker ins Auge. Unter den 2020 gegründeten Startups (die, siehe oben, zwischen November 2021 und März 2022 gefundet haben...) belegt die Berliner Challenger-Bank mit acht Nennungen schon Platz 3 hinter Sparkassen (12) und Volksbanken (10); und bei den 2021 gegründeten Startups ist es mit elf Nennungen hinter den Sparkassen (12) sogar Rang 2.

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