Die Solarisbank baut ihre Organisation um (Bild: PR)

Solarisbank baut Organisation um – und schafft „Business Units“ ab

Exklusiv: Die Solarisbank schafft neue Führungspositionen, die auf die Expansionspläne einspielen. Daraus ergeben sich einige offene Fragen.

Die Solarisbank steht im Zuge ihrer internationalen Expansion vor einem tiefgreifenden Umbau ihrer Organisation. Wie aus einer vergangene Wochen veröffentlichten Stellenausschreibung hervorgeht (aus der inzwischen die entscheidenden Passagen herausgekürzt wurden), schafft das Berliner Fintech drei neue „Senior Vice President“-Positionen, die laut unseren Informationen dem Produktvorstand Jörg Howein zugeordnet werden. Insidern zufolge werden dafür die bisherigen „Business Units“ abgeschafft.

Das Entscheidende hieran: Die Leiter der vier „Business Units“ (nämlich für Digital Banking, Lending, Identity und Digital Assets) trugen bislang die volle „P&L“-Verantwortung. Sie waren also nicht nur für die Produkte, sondern auch für den kommerziellen Erfolg ihrer jeweiligen Einheit zuständig. Im Zuge der Neuorganisation soll die kommerzielle Verantwortung nun allerdings teilweise auf die Ländergesellschaften übergehen – was insofern sinnig erscheint, als dort auch der Vertrieb stattfindet und sich die Solarisbank von ihren jüngst erschlossenen Auslandsmärkten Spanien, Italien und Frankreich ein kräftiges Ertragswachstum verspricht.

Der Einfluss der drei Country Manager Jean-Francois Guillaumin (Frankreich), Michael Köhler (Italien) und Francisco Jamarillo (Spanien) dürfte also größer werden. Denkbar erscheint zudem, dass die Solarisbank die Position eines Deutschland-Chefs einrichtet. Diesbezüglich sei aber noch keine Entscheidung gefallen, heißt es im Umfeld des „Banking as a Service“-Spezialisten.

Delia König wird „neue Aufgaben“ übernehmen. Höhere?

In der zwischenzeitlich gelöschten Passage der Stellenausschreibung hieß es wörtlich:

„Due to the ongoing growth, new market entries [Anm. der Red.: Zuletzt war das britische Fintech Contis übernommen worden], and trajectory of the equity story [Anm. der Red.: Die Solarisbank will 2022 an die Börse], Solarisbank decided to reorganize to reduce complexity within the organization.“

Daraus ergibt sich die Frage: Wenn sich der Vorstand von der Abschaffung der „Business Units“ die besagte Komplexitäts-Reduzierung erhofft – was wird dann aus den vier „Managing Directors“, die bislang an der Spitze der drei Einheiten stehen, nämlich Leif Wienecke (Digital Banking), Delia König (Identity), Nicolas Knecht (Lending) und Julian Grigo (Digital Assets)? Interessant: In der ursprünglichen Fassung der vergangene Woche veröffentlichten Stellenausschreibung war zwar, wie gesagt, von drei „SVP“-Positionen die Rede (mutmaßlich exakt für Digital Banking, Lending und Identity).

Ausgeschrieben war allerdings nur eine der Stellen, nämlich für das Thema Identity. Die naheliegende Schlussfolgerung, dass die bislang für die Identity-Einheit zuständige Delia König das Thema nach der Reorganisation nicht mehr direkt verantworten wird, wurde Finanz-Szene bestätigt. Allerdings betonte der Solarisbank-Sprecher, dass die Jung-Managerin das Fintech in keinem Fall verlassen und „im kommenden Jahr neue Aufgaben übernehmen“ werde. Tatsächlich wird König innerhalb des Unternehmens schon länger auch mit höheren Positionen in Verbindung gebracht.

Man suche „erfahrene Top-Manager“, sagt der Solarisbank-Sprecher

Eine weitere Interpretation der Stellenausschreibung könnte sein, dass die weiteren „Business Units“-MDs (also Wienecke, Knecht und Grigo) zumindest zwei der drei neuen „SVP“-Posten übernehmen. Das allerdings wollte der Sprecher nicht bestätigen. Stattdessen betonte er allgemein, dass die Solarisbank „auch die Produktorganisation stärken will“ und nach „erfahrenen Top-Managern“ suche. In der Tat stellt sich die Lage wohl so da, dass der interne Umbau zwar angestoßen, aber noch lange nicht abgeschlossen ist, die Dinge also gerade erst anfangen zu fließen. Entsprechend groß ist infolge der ursprünglich allzu ausführlichen Stellenausschreibung nun die interne Aufregung – zumal die Solarisbank eine (zumindest unterhalb des Vorstands) extrem junge Organisation ist, in der die Schaffung neuer Positionen immer auch mit persönlichen Aufstiegschancen verbunden wird.

Was wird zum Beispiel mit dem bislang für die Internationalisierung und die „Business Units“ zuständigen Generalbevollmächtigten Timo Weber? Was aus dem für die großen B2B-Partner zuständigen Generalbevollmächtigten Krishna Chandran? Wird die Solarisbank im Zuge des Börsengangs möglicherweise ihren bislang vierköpfigen Vorstand erweitern? Und wenn ja, wer käme dafür infrage? Weber, Chandran – oder bräuchte eine junge, um Investoren werbende Organisation wie die Solarisbank nicht auch irgendwann auch mal eine Vorständin? Denn, eines hat das Berliner Milliarden-Fintech in den vergangenen Jahren ja trotz diverser Vorstandsumbesetzungen noch nicht geschafft: auch mal einen weiblichen Vorstand zu präsentieren.

Die internen Spekulationen jedenfalls haben begonnen.

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