Smava-Chef Alexander Artopé (Bild: PR)

In etwa auf N26-Niveau: Smava nennt erstmals Ertragszahlen

Smava gibt Einblicke in manche seiner Zahlen – und kann überzeugen. Reicht es, um bald den Marktführer Check24 einzuholen?

Das Berliner Kredit-Vergleichsportal Smava nennt erstmals konkrete Umsatzzahlen – und die klingen durchaus imposant: Wie Firmenchef Alexander Artopé diese Woche im Exklusiv-Gespräch mit Finanz-Szene.de enthüllte, sollen sich die Erträge im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 162 Millionen Euro summiert haben, angeschoben natürlich auch durch die Fusion mit dem Hamburger Wettbewerber Finanzcheck. Zur Einordnung: Damit dürfte Smava umsatzmäßig für den Moment etwa in der Liga der N26 Bank spielen. Die hat für 2021 zwar noch keine Zahlen genannt, war aber 2020 auf aggregierte Erträge in Höhe von 128 Millionen Euro gekommen – wobei Smava freilich schon etliche Jahre länger am Markt ist.

Die Smava-Zahlen sind weder im Bundesanzeiger noch sonstwie einsehbar. Artopè stellte im Gespräch allerdings eindeutig klar, dass es sich bei den 162 Millionen Euro tatsächlich um die reinen, durch Kreditvermittlung erzielten Umsatzerlöse handelt – die Angaben also valide sind (einzige Anmerkung diesbezüglich: Da der Zusammenschluss mit Finanzcheck erst im Jahresverlauf vollzogen wurden, muss man streng genommen von Pro-Forma-Zahlen reden). Einen Vergleichswert für das Vorjahr wollte Artopè nicht nennen, er betonte jedoch, “dass wir bei unserem Ziel, Check24 als Marktführer abzulösen, gut vorankommen und den Abstand weiter verkürzt haben dürften”. Wie viel Umsatz der Münchner Vergleichs-Gigant in seinem Ratenkreditgeschäft macht, gehört zu den bestgehüteten Branchengeheimnissen überhaupt. Wenn man von ganz, ganz grob 200 Millionen Euro ausgeht, dürfte man aber zumindest nicht völlig verkehrt liegen. Check24 wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Ein paar Mutmaßungen über Marge und Volumen

Smava gehört zu jenen Fintechs, deren langfristiges Potenzial sich – auch für Investoren – sehr schwer abschätzen lässt. Sollte es den Berlinern tatsächlich gelingen, Check24 als Marktführer im Ratenkredit-Segment abzulösen, hätte man es vermutlich mit einem Milliardenunternehmen zu tun, das sich über die Börse irgendwann sehr gut verkaufen lassen müsste. Weniger klar ist, ob Smava auch als “ewige” Nummer zwei in der Lage wäre, über eine Steigerung des vermittelten Volumens und vor allem auch über höhere Margen die für eine Milliardenbewertung notwendige Profitabilität zu erreichen. Denn: Auch wenn sich mit der Kreditvermittlung vergleichsweise stolze Umsätze generieren lassen – die Erträge sind über TV-Werbung und Google-Spendings meist teuer erkauft. So arbeitet Smava für den Moment weiterhin defizitär (wie defizitär genau, wollte Artopé nicht sagen), auch wenn sich die Margen im Zuge des Zusammenschlusses mit Finanzcheck weiter verbessert haben sollen.

Schön zu wissen (auch für die Banken) wäre es, auf was für einem vermittelten Kreditvolumen die Umsatzerlöse von 162 Millionen Euro basieren – diesen Wert indes wollte Artopé nachvollzíehbarerweise nicht auch noch nennen. Wenn man freilich davon ausgeht, dass das jüngste Umsatzwachstum nicht nur aus der Marge, sondern auch aus dem Volumen kam, halten wir auf Basis früherer Berechnungen eine Größenordnung irgendwo um die 4,5 Milliarden Euro für realistisch. Hieraus ergäbe sich eine Marge von 3,6 Prozent. Sprich: Von je 10.000 Euro vermitteltem Kreditvolumen blieben in diesem Fall 360 Euro bei Smava hängen. Und noch ein Faktor, den es zu bedenken gilt: Wie viel von den 162 Millionen Euro kommt aus dem Direktgeschäft mit dem Endkunden – und wie viel aus B2B-Partnerschaften mit Portalen wie Autoscout oder Mobile.de (diese binden Smava als Finanzierungs-Tool in ihre Abschlussstrecken ein, verlangen dafür aber eine mutmaßlich üppige Beteiligung an der Marge). Zu dieser Frage ließ sich Artopè entlocken, dass man 2021 im deutlich lukrativeren B2C-Geschäft zumindest mal nicht weniger stark gewachsen sei als im B2B-Geschäft. Zur Verteilung wollte der Smava-Chef nichts sagen. In der Branche geht man allerdings davon aus, dass der weit überwiegende Teil des Umsatzes B2C-Umsatz sein müsste.

Smava fundet nochmal – und setzt auf Baufinanzierung

So oder so – was die Zahlen in jedem Fall zeigen dürften: Die Smava-Investoren (darunter die stark engagierten Venture-Capital-Spezialist Earlybird und Vitruvian) halten offensichtlich an ihrer ambitionierten “Anti-Check24-Wette” fest beziehungsweise sind sogar bereit, ihren Einsatz noch ein Stück weit zu erhöhen. Denn: Wie sich einem diese Woche veröffentlichten Handelsregister-Eintrag entnehmen lässt, hat es jüngst noch mal eine – wenn auch nicht allzu üppige – Kapitalerhöhung gegeben. Artopé sprach uns gegenüber von einem “zweistelligen Millionenbetrag”, die Geldgeber kämen aus dem bestehenden Gesellschafterkreis. Zur Bewertung wollte sich der Smava-Chef nicht äußern. Allerdings wird im Umfeld des Unternehmens betont, dass sich die Taxierung im Vergleich zur großen “Wir übernehmen Finanzcheck”-Runde Anfang 2021 trotz der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in keinem Fall verschlechtert habe.

Mit der frischen Finanzierung will Smava laut Artopé den Einstieg in die Baufinanzierung forcieren. Dieses Geschäft lief zuletzt bereits nebenher, nun wollen die Berliner die private Wohnimmobilienfinanzierung offenbar perspektivisch zur zweiten Säule neben der Konsumentenfinanzierung ausbauen (Technologiepartner ist hierbei übrigens nach Finanz-Szene-Informationen die Berliner Hypotheken-Plattform Hypoport). Zuletzt sei man monatlich in diesem Bereich bereits “auf gut 10.000 Kreditanfragen” gekommen, sagte Artope und wähnt sich damit – ein Einschätzung, die wir uns nicht zwingend zu eigen machen – schon jetzt “unter den fünf größten Plattformen”. Wie viele tatsächlich vermittelte Kredite aus den Anfrage erwuchsen, wollte der Smava-Chef nicht sagen.

Auch jenseits des Ertragswachstums im Kerngeschäft und dem Hochfahren des Baufi-Geschäfts sieht Artopé sein Unternehmen auf Kurs. So sei die Integration von Finanzcheck bis Jahresende plangemäß abgeschlossen worden – sowohl von der IT her als auch personell (mit entsprechenden Kostensynergien). Laut einer Social-Media-Auswertung von Finanz-Szene hatte die fusionierte Smava/Finanzcheck heute (wenn man sich auf die bei Linkedin registrierten Mitarbeiter beschränkt) zusammengerechnet zuletzt 428 Beschäftigte (davon 304 bei Smava und 124 bei Finanzcheck) – demnach ist die Beschäftigtenzahl bei Smava binnen 24 Monaten um 18 Prozent zurückgegangen, bei Finanzcheck sogar um 30 Prozent.

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