Auch im Apple-Store kann man künftig einen Ratenkredit von Zinia bekommen (Bild: IMAGO/Schöning)

Neuer „Buy now, pay later“-Partner von Apple: Die Expansionspläne des Santander-Fintechs

Die spanische Großbank Santander stellt in Deutschland das von Wirecard zugekaufte Payment-Geschäft ein – und entlässt rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Parallel verkündete die Bank einen Großauftrag für den eigenen „Buy now, pay later“-Anbieter Zinia: Die Ratenzahlungen für Apple-Produkte übernimmt das Fintech in Deutschland exklusiv. Was hat die Bank vor?

Gleich zweimal produzierte Santander innerhalb von wenigen Tagen Schlagzeilen in Deutschland. Sie könnten dabei kaum unterschiedlicher sein: Kurz nach der Keynote des iPhone-Herstellers Apple kam die Nachricht, dass die eigene „Buy now, pay later“-Marke Zinia künftig der Exklusiv-Partner von Apple in Deutschland werde. Wer sich etwa ein iPhone per Kredit finanzieren lassen will, kann über die Fintech-Firma von Santander einen Kredit erhalten. Ein Milliarden-Auftrag.

Nur wenige Tage vorher hatte Santander bekannt gegeben, dass es den einst von Wirecard gekauften Geschäftszweig einstellen möchte. In der Geschäftseinheit Pagonxt sind in München, Dubai, Chennai und London nach eigenen Angaben noch rund 540 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, die nun ihren Job verlieren. Begründet wird dies mit dem umkämpften Payment-Markt.

Ein zu später Start?

Auf das ebenfalls umkämpfte „Buy now, pay later“- und Neobanken-Geschäft setzt die spanische Großbank dagegen weiterhin. Das zeigt nicht nur der neue Apple-Deal. Mit seinen Marken Zinia für den Raten- und Rechnungskauf sowie mit dem Fintech Openbank versucht die Bank seit Jahren auch in Deutschland zu expandieren.

Aktuelle Zahlen für Deutschland gibt es nicht, insgesamt sprach die Digitalbank vor rund einem Jahr von zwei Millionen Kundinnen und Kunden – allerdings in allen fünf Märkten. Die Bank startete erst im Herbst 2019 in Deutschland, zu der Zeit waren Anbieter wie N26 oder Revolut bereits stark. Zu den größten Spielern dürfte sie nicht zählen. Mit 3,8 Prozent Zinsen auf die Einlagen versuchte Openbank in diesem Frühjahr noch einmal Kunden anzulocken.

Verlagerung zu Openbank

Unterdessen stärkt Santander die Fintech-Sparte mit seinem bestehenden Deutschland-Geschäft. Dort schwächelte die Kreditvergabe im vergangenen Jahr. Der Umsatz in dem Segment sank um 17,5 Prozent auf 461 Millionen Euro. Ein Grund: In dem Jahr sei die Entscheidung gefallen, das Kreditgeschäft künftig über die „Buy now, pay later“-Einheit abzuwickeln. „Damit verlagerte sich dieses Kreditneugeschäft zunehmend zu einer anderen Gesellschaft, nämlich der Openbank“, heißt es im Geschäftbericht.

Der Apple-Deal ist dabei nur einer der großen Partner-Händler, auch Elektronik aus den Warenhäuser Media Markt und Saturn lassen sich per Rechnungs- und Ratenkauf von Zinia kaufen, das zu Openbank gehört. So versucht die Bank über eingebette Kredit- und Payment-Lösungen das Wachstum anzukurbeln.

Fraglich ist, ob sich die Marken Zinia und Openbank in Zukunft behaupten können. Denn Santander tritt nicht als White-Label-Partner im Hintergrund auf, sondern will mit der eigenen Payment-Marke auffallen. Auch für Zinia hat die Bank eine eigene App entwickelt. Das Kalkül dürfte sein, dass die Kundinnen und Kunden nach einem iPhone-Kauf die App weiter verwenden, um bei anderen Händlern zu bezahlen. Dann teilweise mit deutlich höheren Zinsen. Doch auch in diesem Markt ist der Wettbewerb groß und Zinia muss sich gegen bekannte Marken wie Klarna und Paypal durchsetzen.

Hinweis: Die Mitarbeiterzahl wurde nachträglich aktualisiert