Einer der seltenen Auftritte von Rocket-Chef Oliver Samwer auf der Techkonferenz Noah (Bild: Britta Pedersen/dpa)

Drei Milliarden-Startups im Portfolio – Rocket Internet ist fast unbemerkt zum globalen Fintech-Investor aufgestiegen

Der Internetinvestor Rocket Internet bewies mit seinen selbstaufgebauten Fintech-Startups in der Vergangenheit kein gutes Händchen – gerade musste Zinsgold aufgeben. Doch was kaum bekannt ist: Rocket hat sich in den vergangenen Monaten gleich an mehreren aussichtsreichen internationalen Finanz-Startups beteiligt.

Er habe mehr Geld als Ideen, sagte Rocket-Internet-CEO Oliver Samwer kürzlich vor seinen Aktionären. Auf der verzweifelten Suche nach möglichen neuen Geschäftsmodellen schaue sich der Company Builder zunehmend auch die Bereiche Proptech, Traveltech, B2B und Software as a Service an. Und den Fintech-Markt.

Dabei hat Rocket mit dem Aufbau eigener Finanz-Startups bislang höchst durchwachsene Erfahrungen gemacht. Das zeigt aktuell das Beispiel Zinsgold: Die Plattform für Festgeldvermittlung, die die Berliner Firmenfabrik erst 2017 zusammen mit der Fintech Group gestartet hatte, wurde vor wenigen Tagen liquidiert. Von Rocket gibt es keinen Kommentar zu den Hintergründen. Aber klar ist: Der Angriff auf die erfolgreichen Wettbewerber Weltsparen und Zinspilot, die allesamt Kundengelder an europäische Banken mit höheren Zinsniveaus vermitteln, gelang nicht. Die Konkurrenten sind mit vielen Millionen finanziert und können mehr als eine Milliarde an Kundeneinlagen vorweisen.

Schon in der Vergangenheit tat sich der Samwer-Inkubator mit seinen eigenen Fintech-Startups schwer: Die Kreditplattformen Zencap und Lendico verkaufte das Unternehmen, das Payment-Startup Payleven wurde mit Sumup fusioniert und um den Kreditvermittler Spotcap ist es ruhig geworden – ein großer Exit im Portfolio blieb aus.

Parallel aber hat CEO Oliver Samwer in den vergangenen Jahren seinen Company Builder zu einem der wichtigsten europäischen Wagniskapitalgeber umgebaut, er gründet neue Ventures nun nicht mehr selbst, sondern beteiligt sich hauptsächlich an anderen Startups. Mehrere hundert Beteiligungen zählen bereits dazu. Dabei ist Rocket fast unbemerkt zu einem wichtigen globalen Fintech-Investor aufgestiegen, wie eine Analyse des Portfolios zeigt.

Gleich dreimal setzte Rocket in den USA und Großbritannien auf aussichtsreiche Unternehmen. So investierten die Berliner mit ihrem Investmentarm Global Founders Capital bereits 2017 in Next Insurance. Die von drei Israelis gegründete US-Firma vertreibt Versicherungen über das Internet an kleinere und mittlere Unternehmen, wie zum Beispiel Nagelstudios oder Anwaltskanzleien. In diesem Jahr legte die deutsche Rückversicherung Munich Re nach und machte das Startup zum Unicorn – also zu einem Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar.

Das Fintech Brex, bei dem Rocket auch beteiligt ist, zählt zu einem der weiteren heißen globalen Fintech-Wetten. Das Unternehmen bietet eine Firmenkreditkarte an, mit dem man sich auf einfache Weise Geld leihen kann. Das beeinflusst dabei nicht das Kreditscoring des Antragstellers. Die kalifornische Firma wird mittlerweile von ihren Geldgebern mit 2,6 Milliarden US-Dollar bewertet, zwei Jahre nach dem Start.

Dritter großer Hoffnungsträger ist die Smartphone-Bank Revolut. Dort stieg Rocket Internet bei der vergangenen Finanzierungsrunde mit einem zweistelligen Millionenbetrag ein. Zusätzlich soll es dem Unternehmen einen 100-Millionen-Pfund-Kredit geben, wie Finance Forward berichtete. Die Challengerbank gilt mit ihren acht Millionen Bankkunden als ärgster Konkurrent von N26.

Auch hierzulande hat Rocket einige Fintech-Hoffnungsträger im Portfolio. Darunter die deutsch-britische Kreditplattform Iwoca, die mittlerweile eine Milliarde an Krediten vergeben hat. Oder das Factoring-Startup Billie, das sich gegen zahlreiche Konkurrenten durchsetzen konnte.

Gleichzeitig hat Rocket Internet in den vergangenen Monaten in unzählige weitere Fintech-Startups überall auf der Welt investiert. In der Startup-Szene wird dieser Ansatz auch „Spray and pray“ genannt. Darunter befinden sich zum Beispiel das schwedische Anlagestartup Anyfin, bei dem auch der bekannte Investor Accel beteiligt ist. Oder das französische Teenager-Konto Pixpay und das philippinische Payment-Startup Paymongo.

Gerade die Finanzkraft von Rocket Internet könnte weitere Fintechs anziehen. Denn das Unternehmen stellt seinen Fintechs auch Fremdkapital aus seinen riesigen Cashreserven zur Verfügung: So legte Rocket Internet über die Kreditplattformen in seinem Portfolio Geld an, die diese dann an die Endkunden in Form von Krediten weitergeben. Nach Informationen von Finance Forward gehört zum Beispiel Iwoca dazu. Diese Zinseinnahmen haben den Umsatz von Rocket stark gesteigert, wie sich in den Quartalszahlen zeigte. Noch hat sich keine der neuen Fintech-Wetten von Rocket Internet ausgezahlt – doch die Momentaufnahme zeigt ein starkes Portfolio. Und mit dem Fremdkapital für Iwoca und Co. verdient Rocket schon jetzt gutes Geld.

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