Von den 30 größten Deals im dritten Quartal 2020 entfallen 18 auf britische Startups (Bild: William Santos/Unsplash)

Britische Startups dominieren Europas Fintech-Deals – Vorkrisenniveau bleibt unerreicht

Eine exklusive Auswertung zeigt die größten Finanzierungsrunden europäischer Fintechs im dritten Quartal 2020. Wichtiges Ergebnis: Startups aus Großbritannien waren am weitaus erfolgreichsten im Funding.

Nach einem schwächeren zweiten Quartal konnten Fintech-Startups in den vergangenen drei Monaten wieder mehr Geld in Finanzierungsrunden einsammeln – die Summen aus der Vor-Corona-Zeit wurden aber noch nicht wieder erreicht. Das zeigt eine Auswertung der 30 größten europäischen Fintech-Deals aus dem dritten Quartal 2020, die der französische Fintech-Wagniskapitalgeber BlackFin Tech für Finance Forward erstellt hat. Beeinflusst wurde die Statistik besonders vom schwedischen Payment-Unternehmen Klarna, das 650 Millionen Dollar zu einer Rekordbewertung von etwa neun Milliarden Euro bekam.

Beachtlich ist, dass 18 der 30 größten Finanzierungsrunden auf britische Startups entfielen. Deutschland, die Niederlande, Schweden und die Schweiz haben jeweils zwei Fintechs in der Liste. Wie auch schon im vorigen Quartal haben besonders etablierte Player erneut Kapital einsammeln können, ein Großteil der Runden bereits C- und D-Runden.

Obwohl der Brexit laut vieler Experten eigentlich für Unsicherheit sorgen sollte, scheint es der britischen Fintech-Szene weiter gutzugehen. Verantwortlich dafür ist vor allem das Ökosystem, das sich in den vergangenen Jahren in London etabliert hat. Nach der Finanzkrise von 2008 hatte die britische Regierung und ihre Finanzbehörden einige Steuererleichterungen und andere Anreize geschaffen, um Startups mit neuen Ideen zu fördern und Innovationen anzuregen. „Deshalb sind Hunderte von Startups nach Großbritannien gezogen und haben so ein starkes Ökosystem geformt“, sagt Fintech-Experte Chris Skinner, der den beliebten Blog The Finanser betreibt. In räumlicher Nähe zu den Startups sitzen Banken, Technologie- und Beratungsunternehmen, Wirtschaftsprüfer und Regulierungsbehörden. „Diese Mischung und Kombination ist einzigartig in Großbritannien und sie wird auch weiterhin bestehen bleiben.“

Investoren setzen verstärkt auf B2B-Fintechs

Auffällig ist ebenfalls, dass es mit Klarna und Mollie ausgerechnet zwei Payment-Unternehmen waren, die die beiden größten Summen im Quartal einstreichen konnten – parallel zum Wirecard-Skandal. Durch die Coronakrise und den damit verbundenen Anstieg digitaler Zahlungen boomt die Branche, zu der auch Unternehmen wie Checkout, Transferwise und Rapyd gehören. Checkout konnte erst im Juni seine Bewertung auf 5,5 Milliarden Euro steigern – und war kurzzeitig eines der am besten bewerteten europäischen Fintechs. Dass im Paymentbereich noch Luft nach oben ist, zeigt ein Blick in die USA: Wettbewerber Stripe wird sogar mit 36 Milliarden Dollar bewertet. Trotz des Wirecard-Skandals ist das Vertrauen der Investoren in Payment-Startups also weiterhin stabil.

Nachdem sich Endkunden-orientierte Fintechs wie N26, Monzo, Trade Republic, Taxfix, Revolut, Qonto und Starling im Frühjahr bereits eingedeckt haben, sammelten im dritten Quartal 2020 eher B2B-Fintechs Kapital ein. Insgesamt ist es offenbar das Jahr der Startups hinter der vordersten Fintech-Front: So konnten bislang 373 Startups aus dem B2B-Bereich insgesamt fünf Milliarden Euro einsammeln, wie die britische Fachpublikation Sifted unter Berufung auf Dealroom-Daten berichtet. Neobanken kamen insgesamt auf 3,1 Milliarden Euro in 209 Deals. Manche Startups wurden sowohl in den B2B- als auch in den B2C-Bereich eingerechnet, etwa Klarna, das sowohl Zahlungen abwickelt als auch Konsumentenkredite vergibt.

Im dritten Quartal kamen laut der Erhebung von BlackFin Tech insgesamt 109 Finanzierungsrunden zustande, 1,6 Milliarden Euro wurden investiert. Das meiste Geld fließt jedoch in wenige, große Fintechs. Allein die Top 30 kommen auf 1,4 Milliarden Euro. Im ersten Quartal lag die Summe mit 1,7 Milliarden leicht höher, im zweiten mit 1,3 Milliarden Euro etwas niedriger.

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