Karriereziel Firmenpatriarch – wie Talente sich in den Mittelstand einkaufen
Ex-Deloitte-Berater Urs Weingart und andere Talente von BCG, McKinsey oder Rocket Internet entdecken einen neuen Karrierepfad: Mithilfe von Investoren ein Familienunternehmen übernehmen – und reich werden. Die Münchner Uni-Gründerschmiede UnternehmerTUM assistiert künftig dabei.
Noch vor fünf Jahren hätte sich Urs Weingart (32) nicht vorstellen können, dass er einmal als Chef bei einem Hersteller von Münzfernrohren und Souvenirautomaten landet. „Ich hätte jeden für verrückt erklärt, der mir das erzählt“, sagt er. Zu der Zeit krempelte er für die Beratung Deloitte kriselnde Unternehmen um – und plante seinen nächsten Karriereschritt. Vielleicht ein eigenes Start-up gründen? Zusammen mit seinem Vater arbeitete er schon während des Studiums an einem Business für Nahrungsergänzungsmittel, erzählt Weingart. Später habe er sogar an vier konkreten Ideen gearbeitet, „darunter ein Abogeschäft für Babyklamotten“. Die Start-up-Gründung schien logisch, eigentlich.
Doch nun leitet er – als Zweitjüngster im ganzen Unternehmen – Euroscope in Wuppertal, eine Firma mit 40 Angestellten, deren Münzfernrohre auf dem Pariser Eiffelturm oder im Berliner Zoo stehen. Weingart gehört die Traditionsfirma sogar, die im nächsten Jahr ihren 100. Geburtstag feiern wird. 2023 hat er sie dem Gründerenkel Jochen Winkels (71) abgekauft. „Mittlerweile bin ich in die Automaten und Fernrohre verliebt“, sagt er und beschreibt die technischen Details, auf die es ankommt, um in der profitablen Nische weiter Marktführer in Europa zu bleiben.
Ermöglicht hat das alles ein Modell, das derzeit viele potenzielle Nachwuchsunternehmer und Kapitalgeber elektrisiert: ein Search Fund. Dabei machen sich ambitionierte Talente mit dem Geld von Investoren auf die Suche nach Mittelständlern, um irgendwo in der Provinz selbst Unternehmer zu werden – und den Finanziers eine schöne Rendite zu bescheren.