Jenseits der Realität – das große Wirecard-Finale vor Gericht
Nach fast dreieinhalb Jahren nähert sich der Strafprozess gegen Ex-Wirecard-Boss Markus Braun dem Ende. Er inszeniert sich als dümmster CEO aller Zeiten, bevor er womöglich als größter Betrüger der deutschen Wirtschaft verurteilt wird. Doch seine Strategie droht zu scheitern.
In seinem alten Leben als CEO hat Markus Braun (56) die Pressemitteilungen für den Milliardenkonzern Wirecard geschrieben: Jubelmeldungen, die enge Mitarbeiter mitunter zur Verzweiflung trieben. Einen Deal wollte Braun einmal schon bekannt geben, als die Verhandlungen noch liefen. Umsatzprognosen für ein neues Produkt verzehnfachte er mal eben, als sie ihm nicht hoch genug erschienen. Zahlen aus der Welt der Fantasie.
Heute, als Untersuchungshäftling in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim und Hauptangeklagter in einem Jahrhundertprozess, schreibt Braun ebenfalls regelmäßig und viel. Höchstpersönlich verfasst er die Beweisanträge, die er seine Verteidiger wieder und wieder stellen lässt. Braun fordert darin mal die Anhörung neuer Zeugen, mal Akten aus anderen Verfahren, mal detaillierte Ermittlungen zu Zahlungsflüssen im Asiengeschäft seines Pleiteunternehmens.
„Die Anträge sind erzählend geschrieben und entsprechen so gar nicht der klassischen Art und Weise, wie ein Jurist sie aufbauen würde“, sagt einer der Prozessbeteiligten. Und ein anderer: „Brauns Neigung zum Storytelling, zur großen Welterklärung mit seinem Spin ist auch dabei unüberhörbar.“