Scalable Capital aus München kann ein beachtliches Umsatz-Multiple aufweisen (Bild: Jan Antonin Kolar/Unsplash)

140er-Multiple – auf den Umsatz: Die irren Bewertungen deutscher Fintechs

Das britische Checkout.com wird von Investoren jetzt mit 40 Milliarden Dollar bewertet, andere europäische Finanz-Startups sind ebenfalls massiv im Wert gestiegen. Doch auch deutsche Player wie Scalable Capital und N26 können durchaus mithalten, zeigt eine Auswertung.

Das Münchner Investment-Fintech Scalable Capital und das britische Payment-Fintech Checkout.com spielen auf den ersten Blick in unterschiedlichen Ligen. Hier: Das deutsche „Gerade mal so eben“-Unicorn, das diese Woche seine 2020er-Zahlen veröffentlichte und einen soliden, aber noch nicht wirklich berauschenden Umsatz von 12,9 Millionen Euro sichtbar machte (plus 83 Prozent). Und dort? Der britische Gigant, der am Mittwoch Vormittag vermeldete, seine Bewertung bei der jüngsten Finanzierungsrunde auf astronomische 40 Milliarden Dollar gesteigert zu haben.

Gleichwohl: Auch wenn es im ersten Moment so aussieht, als hätten die Bewertungen europäischer Mega-Fintechs wie Revolut, Klarna oder Checkout.com mit den Bewertungen hiesiger Solide-Fintechs wie der Solarisbank oder Scalable Capital nicht mehr viel zu tun – bei genauerem Hinsehen ist der Hype um die Scalables dieser Republik mit dem Hype um die Checkouts dieser Welt durchaus vergleichbar. Das jedenfalls zeigt sich, wenn man die zuletzt erzielten Bewertungen von fünf deutschen und sechs anderen europäischen Fintech-Unicorns einfach mal mit deren 2020er-Umsatzzahlen vergleicht.

(Das diese Übung reichlich vulgär-analytisch daherkommt, ist uns übrigens vollkommen bewusst. Daher weiter unten noch ein paar Fußn0ten, damit wir nicht in kritischen Leser-Mails ertrinken).


Disclaimer: Die methodischen Unzulänglichkeiten beginnen schon damit, dass wir mit dem 2020er-Umsätzen arbeiten und nicht mit den 2021ern. Der Grund hierfür: Die aktuellen Umsatzzahlen haben wir nicht. Dann ist der Begriff „Umsatz“ als solcher sehr schwammig – genau genommen haben wir es nämlich mit unterschiedlichen Umsatz- beziehungsweise Ertragskennziffern und unterschiedlichen Bilanzierungs-Methoden zu tun. Und nicht zu vergessen: Bei einigen wenigen Werten (das sind die mit „Sternchen“ gekennzeichneten) handelt es sich zu allem Überfluss auch noch um Schätzwerte.

Jedenfalls: Um mit den vielen Schwächen der Übung wenigstens transparent umzugehen, hier noch ein paar Anmerkungen zu den einzelnen Fintechs und Zahlen:

– Bitpanda: Es handelt sich um den „Netto-Umsatz“, also quasi das, was beim Krypto-Handel (Bitpanda ist ein auf Kryptowährungen spezialisierter Broker) bei Bitpanda hängen bleibt.

– Bunq: Wir haben Zinserträge (nicht: Zinsüberschuss), Provisionserträge (nicht: Provisionsüberschuss) und sonstige betriebliche Erträge summiert.

– Checkout.com: Im 2020er-Abschluss ist bei den (umgerechneten) 279 Millionen Euro von „Revenue“ die Rede.

– Klarna: Hier berufen wir uns auf eine Pressemitteilung der Schweden, in der es um das „Total Net Operating Income“ geht.

– Monzo: Siehe Bunq.

– N26: Hier geht es um einen Schätzwert basierend auf dem 2019er-Abschluss, Plausibilitäten und eigenen Recherchen. Was die Definition angeht: siehe Bunq, siehe Monzo.

– Revolut: Im Abschluss ist von „Revenue“ die Rede, wir sind uns leidlich sicher, dass damit dasselbe gemeint ist wie bei Monzo und Bunq.

– Scalable Capital: „Umsatzerlöse“.

– Solarisbank: Siehe die übrigen genannten Banken.

– Sumup: Hier geht es um den „Gross Revenue“, was vermutlich nicht dem „Total Net Operating Income“ von Klarna entspricht. Leider haben gestern weder Wissen noch Zeit gereicht, um diesen Widerspruch aufzulösen. Und noch ein devoter Hinweis zu Sumup: Bei den vier bis fünf Milliarden Euro geht es um eine vermutete Bewertung bei einem „Secondary“ im vergangenen Jahr; dieser Wert wurde nicht vom Unternehmen offiziell kommuniziert.

– Trade Republic: Provisionserlöse.

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