London zieht weiterhin Fintech-Startups an (Bild: Dil/Unsplash).

Trotz Brexit: London führt die Fintech-Weltrangliste an

Die britische Finanzmetropole London bleibt trotz nahendem Brexit der wichtigste Fintech-Hub. Wo auf der Welt die meisten Finanz-Startups sitzen und wo das meiste Geld in Fintechs investiert wird, das zeigt eine exklusive Auswertung der Digitalberatung Hy für Finance Forward. 

Noch immer ist der Brexit nicht vollzogen – doch dem drohenden endgültigen Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union wurden schon viele gefährliche Auswirkungen zugeschrieben: dass sich Banken reihenweise aus der Londoner City verabschieden würden zum Beispiel, dass der Finanzplatz auf der Insel allgemein seine Bedeutung verlieren und die bunte Fintech-Szene sich von der britischen Hauptstadt in andere europäische Metropolen verlagern würde. Wirklichkeit sind diese Szenarien allerdings noch nicht geworden.

Dass London seine dominante Stellung als New-Finance-Hub behalten hat, das zeigt nun auch eine Auswertung der Berliner Digitalberatung Hy, die exklusiv für Finance Forward angefertigt wurde. Sie gibt Antworten auf zwei Fragen: Wo auf der Welt sind die meisten Fintech-Startups zu finden? Und welche Funding-Summen sind in die jeweiligen Hubs geflossen?

Die Vormachtstellung Londons in Europa zeigt sich auch auf der Karte. Mit mehr als 420 Startups führt London sogar die weltweite Rangliste an – knapp 330 gibt es in New York, etwa 250 in San Francisco und weniger als 120 in Singapur. „Global sieht man, dass im Gegensatz zu anderen Startup-Kategorien die Musik nicht nur im Valley spielt“, sagt Hy-Experte Martin Spindler. „Vor allem New York hat aufgrund seines Finanzplatzes eine starke Position.“

In Europa sind neben London noch Berlin, Paris, Stockholm, Madrid, Amsterdam und Zürich/Zug relevant. Die deutsche Hauptstadt liegt in Europa an Platz Nummer zwei. Die alte Bankenmetropole Frankfurt schafft es in der Hy-Auswertung nur auf Platz 63 und damit nicht in die Top 50.

London hat seine Spitzenstellung neben seiner Tradition als Finanzumschlagplatz nach Ansicht von Experten vor allem einer progressiven Regulierung sowie gut ausgebildeten und spezialisierten Mitarbeitern zu verdanken. In der Stadt haben etwa die Challenger-Banken Monzo und Revolut, das auf Auslandsüberweisungen spezialisierte Transferwise oder die Lending-Plattform Funding Circle ihren Sitz.

Der Analysedienst Dealroom.co rechnete kürzlich vor: Mit 18 Unicorns verfügt London nun über mehr Fintechs mit Milliardenbewertungen als San Francisco. Dort sind „nur“ 15 angesiedelt (unter anderem Stripe, Square oder Coinbase). Rechnet man alle Orte im Silicon Valley allerdings zusammen, kommt die Region auf 31 Unicorns.

Nimmt man neben der Zahl der Startups auch das Volumen der in die jeweiligen Ökosysteme geflossenen Finanzierungsrunden in den Blick, ändert sich das Bild ohnehin komplett. Auffällig sei vor allem „das dramatische Funding in China bei relativ niedriger Anzahl von Startups“, betont Spindler.

In der Hauptstadt Peking vereinen nur etwa 80 Unternehmen allein 12,7 Milliarden Dollar Funding auf sich; und in der Zehn-Millionen-Einwohner-Stadt Hangzhou ist es noch krasser: Weniger als 25 Firmen haben 24 Milliarden Dollar Funding bekommen. Das bekannteste Fintech der Stadt ist Ant Financial, die Finanzausgründung des Internet-Konzern Alibaba, die früher als Alipay bekannt war. Seit 2018 bewerten Investoren die Firma mit unfassbaren 150 Milliarden Dollar. 14 Milliarden flossen damals in einer Finanzierungsrunde in das Unternehmen. Die Provinzhauptstadt Hangzhou hat große Pläne für ihre Fintechszene.

Ebenfalls interessant: In San Francisco befinden sich gut 170 weniger Fintechs als in London – trotzdem sind etwa zwei Milliarden Dollar mehr Funding an die US-Westküste geflossen als in die britische Hauptstadt. Der ostasiatische Stadtstaat Singapur, der sich gerade als Krypto-Hub etabliert, hat relativ wenig Funding für eine große Zahl an Unternehmen vorzuweisen: Auf 117 Startups verteilen sich 1,1 Milliarden Dollar Finanzierungsvolumen.

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