Fondsmanager Beckers: Flaggschiff-Fonds jetzt als ETF
Partner-Podcast: Jan Beckers gibt Einblicke in seine Investment-Strategie. Monatlich erscheint der Beckers-Bets-Podcast bei Finance Forward. In dieser Folge spricht der Fondsmanager Jan Beckers über die Rücksetzer an den Techmärkten und den neuen ETF von BIT Capital.
Es war kein einfacher Juli für die Tech-Branche. Der Halbleiter-Index liegt knapp 30 Prozent unter seinem Juni-Hoch, weshalb der letzte Monat wohl in fast keinem Tech-Portfolio ein Plus hinterlassen hat – auch nicht bei BIT Capital. Trotzdem haben die Fonds den Rücksetzer besser verkraftet als der Schnitt, und zwar wegen einer Umschichtung. „Ich bin froh, dass wir schon vorher durchaus viele Gewinne in KI-Infrastruktur mitgenommen und in Applikationen umgeschichtet haben“, sagt Gründer Jan Beckers in der neuen Folge des Podcast „Beckers Bets“. Ein Teil des Geldes ging in Cloud-Anbieter, wodurch Amazon vor den starken Quartalszahlen zwischenzeitlich zur größten Position im Portfolio geworden ist.
Den Rücksetzer selbst hält Beckers für unbedenklich. „Aus unserer Sicht ist das eine Korrektur und auch keine ungesunde”, sagt er, nach dem Run-up, den der Markt zuvor gesehen hatte. Denn die Verluste gingen kaum von den Unternehmen aus, sondern von den Konstruktionen darüber. Vor allem in Korea war über dreifach gehebelte Memory-ETFs sehr viel Leverage in den Markt gekommen, der nun herausgewaschen wurde. Wenn auch auf sehr schmerzhafte Art: Rund eine Million Privatanleger bekamen Margin Calls, mehr als 340.000 Depots wurden zwangsliquidiert.
Beckers führt das auf die risikofreudigere Anlagekultur in Asien zurück, verstärkt durch die hervorragende Entwicklung von SK Hynix und Samsung in den letzten 18 Monaten. Lange sei die Strategie gut gegangen, mit Hebel auf ohnehin gut laufende Titel zu setzen. Jetzt ist der Trend aber gekippt. Und so ein Hebel wirkt in beide Richtungen: Ein dreifach gehebelter ETF verstärkt zwar den Boom, solange Geld hineinfließt, er wirkt aber auch in die Gegenrichtung, sobald Anleger aussteigen müssen.
Dass es sich nicht um ein reines Privatanleger-Phänomen handelt, hat fast gleichzeitig der Fall Situational Awareness gezeigt. Der Fonds von Leopold Aschenbrenner war zwischenzeitlich auf über 40 Milliarden Dollar angewachsen, kassierte Margin Calls und musste sein Aktienportfolio abgeben. Der Grund dafür: Auch Aschenbrenner hat mit Hebel investiert und wurde auf dem falschen Fuß erwischt. Für Beckers war nicht die These falsch, sondern die Umsetzung. Der Fonds habe zu aggressiv gewettet und zu wenig Sicherheitsspielraum gehabt. Dazu hat er auf fallende Kurse bei Software-Aktien gewettet, die ausgerechnet dann gelaufen sind, als KI-Infrastruktur gefallen ist. „Selbst wenn man richtig liegt, gibt es viele Situationen, wo der Markt lange gegen einen laufen kann“, sagt er. Genau diese Phasen müsse man aushalten können.
Sein Rat fällt entsprechend nüchtern aus. Kurzfristig könne Leverage für sehr gut informierte Marktteilnehmer mit entsprechender Risikotoleranz sinnvoll sein, dauerhaft sei er es nicht. „Für die allermeisten Anleger muss man einfach sagen: lieber gar keinen Hebel“, so Beckers. Besser sei, langfristig investiert zu sein, ruhig schlafen zu können und in Schwächephasen aus laufenden Einkünften nachzukaufen.
Wie der neue ETF funktioniert
Aber zurück zu den Tech-Werten: Operativ spricht laut Beckers zurzeit wenig für eine nachhaltige Trendwende zum Negativen. Die Nachfrage nach Rechenkapazität wächst weiter, die jüngsten Sprünge bei Open-Source-Modellen machen Intelligenz günstiger und den Bedarf damit eher größer. Im Memory-Markt hat BIT Capital viele Gewinne mitgenommen, eine beträchtliche Position aber stehen gelassen, weil das Angebot die Nachfrage auf Jahre hinaus nicht decken dürfte. Die eigentlich spannende Frage sei, ob und wann chinesische Hersteller wettbewerbsfähig werden. Auch die KI-Infrastruktur-Aktien bleibt interessant, gerade nachdem viele Titel im Juli 40 bis 60 Prozent günstiger geworden sind: „KI-Infrastruktur bleibt ein Kernteil unserer Hypothese“, sagt Beckers, ergänzt künftig aber stärker um Applikationen.
Doch die neue Folge vom Podcast „Beckers Bets“ dreht sich nicht nur um die Entwicklung der Tech-Aktien. Es gibt auch eine interessante Nachricht von BIT Capital selbst. Seit dem 4. August ist der Flaggschifffonds Global Technology Leaders auch als ETF (WKN: A4231H) handelbar, der erste ETF des Hauses überhaupt. „Das ist ein sehr schöner Moment für BIT Capital“, sagt Beckers, „dahinter steckt eigentlich genau dasselbe Portfolio.“ Verändert hat sich nur der Mantel und damit die Erwerbbarkeit: Viele Depots lassen keine Fondskäufe zu, entsprechend groß war die Nachfrage. Gelistet ist der ETF bislang bei vielen, aber noch nicht bei allen Brokern.
Spannend ist dabei die Kostenstruktur. Der klassische Fonds kostet knapp 1,9 Prozent im Jahr, beim ETF liegt die Managementgebühr unter 0,5 Prozent, dafür kommt bei positiver Performance eine Performance-Fee hinzu. „Das ist nicht automatisch die bessere Variante, den ETF zu wählen als den Fonds“, sagt er. Je nach Wertentwicklung könne der ETF sogar teurer sein, dafür entfällt der Ausgabeaufschlag.
Ein anderer Punkt, der Beckers wichtig ist: Ein ETF ist nicht automatisch ein passives Investment. Der ETF auf den BIT-Capital-Flaggschiff-Fonds ist ein aktiver ETF, gespeist aus demselben Anlageuniversum, mit denselben Titeln und denselben Umschichtungen wie der Fonds. Auch das Research dahinter ist identisch: „Alles, was wir an Systemen haben, die unsere Entscheidungen verbessern – also das gesamte 45-köpfige Team und die Technologie – kommt sowohl dem ETF also auch dem Fonds zugute.“
Wie Jan Beckers die Juli-Korrektur einordnet, warum er bei Hebelprodukten so deutlich warnt und was der neue ETF für Anleger bedeutet, erklärt er in der neuen Folge von Beckers Bets.
In der aktuellen Beckers-Bets-Folge sprechen Jan Beckers und Christoph Damm über …
… die Korrektur bei Halbleiteraktien und warum KI-Infrastruktur ein Kernthema bleibt.
… den Fall Situational Awareness, die Margin Calls in Korea und die Gefahren von Hebelprodukten.
… den ersten ETF von BIT Capital und den Unterschied zum klassischen Fonds.
Über den Beckers Bets-Podcast:
In Beckers Bets spricht Christoph Damm mit Jan Beckers, dem CIO und Gründer von BIT Capital. Jan ist der aktuell erfolgreichste Assetmanager Europas. Monatlich teilt er seine Meinung über die besten Investmentstrategien und wichtigsten Themen, die die Märkte dieser Welt bewegen. Dieser Podcast liefert euch Insights über Aktien, Kryptos und die aktuellen Megatrends der Investment-Welt.
Anmerkung: Der Podcast ist eine Produktion der Podstars GmbH. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei den Podstars sowie beim Host Christoph Damm. Die Bit Capital GmbH ist Presenting Partner des Podcasts.