Die Rache der Investmentbanker gegen Christian Sewing
Dario Schiraldi und fünf Ex-Kollegen fühlen sich von der Deutschen Bank verraten. Sie werfen ihrem früheren Arbeitgeber vor, ihre Karrieren zerstört und sie fast ins Gefängnis gebracht zu haben. Pikant dabei: die Rolle des heutigen CEO Christian Sewing. Details eines erbitterten Streits.
Sein Absturz begann in einem britischen Luxushotel mit 18-Loch-Golfplatz. Die Deutsche Bank hatte im Sommer 2014 ihre wichtigsten Großkunden nach Watfort nordwestlich von London eingeladen, um über Finanzprodukte wie Derivate und die Wirtschaftslage zu plaudern. Mittendrin Dario Schiraldi (50), einer der bestbezahlten Investmentbanker des Hauses. Regelmäßig hatte er mehr als der CEO verdient und war zu einem der Topleute im Asset-Management aufgestiegen.
Am Rande der Konferenz im „The Grove“ nahm ihn sein damaliger Chef, der Starbanker Michele Faissola (57), zur Seite: Auf Schiraldi komme ein Disziplinarverfahren zu – wegen eines Deals mit dem internen Namen „Santorini“, an dem beide Männer fast sechs Jahre zuvor beteiligt waren.
„Ich war kurz irritiert, habe die Sache aber nicht wirklich ernst genommen“, erinnert sich Schiraldi an den Moment. Alle Beteiligten seien doch „glücklich und zufrieden“ gewesen. Warum sollte ihm das Geschäft so viel später noch gefährlich werden? Zumal Anshu Jain, sein langjähriger Förderer und enger Vertrauter von Faissola, inzwischen zum Co-CEO der Bank aufgestiegen war. „Ich habe gedacht: Was kann da schon schiefgehen?“
Viel. Alles sogar. Die Aufarbeitung des Santorini-Deals beendete Schiraldis Karriere. Er verlor seinen Job und hat bis heute keinen neuen in der Finanzbranche bekommen. Ein Gericht verurteilte ihn zwischenzeitlich sogar zu einer Gefängnisstrafe.
Jetzt ist die Zeit der Rache gekommen, auch wenn Dario Schiraldi selbst lieber von Wiedergutmachung spricht. Der Italiener und fünf ehemalige Kollegen aus dem Santorini-Dealteam klagen gegen die Deutsche Bank. Neben Schiraldi auch Faissola sowie Ivor Dunbar (64), Marco Veroni (57), Matteo Vaghi (54) und Michele Foresti (56).